«Mit wenig viel erreichen»

Mittwoch 21. Dezember 2016 11:21Alter: 93 days

annabelle - Alle zehn Sekunden erblindet ein Mensch. Was man dagegen tun kann, sagt Hansjörg Baltensperger, Geschäftsleiter der Christoffel-Blindenmission (CBM).

Hansjörg Baltensperger, in Ihrer aktuellen Kampagne zeigt die Christoffel-Blindenmission (CBM) das Schicksal der Familie Swai, in der alle drei Kinder erblindet sind. Wie kann so etwas passieren?
Man kann hier tatsächlich von einem gemeinen Schlag des Schicksals reden, denn die drei Kinder litten alle am grauen Star. Die Krankheit ist nach heutigem Wissen weder genetisch bedingt noch ansteckend, weshalb es sehr selten ist, dass in Familien mehrere Personen daran erkranken.


Wie ging die Familie Swai damit um?
Die Bauernfamilie aus der Kilimandscharo-Region führte ein hartes Leben. Der Vater ist selbst stark sehbehindert; er litt als Kind am grauen Star und wurde erst als 19-Jähriger operiert. Er kann mit Gelegenheitsarbeiten nur wenig zum Familieneinkommen beisteuern. Mama Isaria, die hauptsächlich für das Wohlergehen der Familie zuständig ist, konnte sich kaum mehr der Feld- und Hausarbeit widmen: Ihr jüngster Sohn Joel war fast blind und klammerte sich andauernd an die Mutter. Die älteste Tochter Stella stand kurz davor, wegen des abnehmenden Augenlichts aus der Schule zu fallen. Sie konnte nicht mehr lesen und schreiben.


Etwa die Hälfte der Erblindungen weltweit sind dem grauen Star geschuldet. Was lässt sich dagegen tun?
Was grauen Star verursacht, ist bis heute unklar. Man weiss jedoch, dass er – sofern frühzeitig erkannt – mit einer relativ einfachen Operation ganz geheilt werden kann. Wird bei einem Kind aber erst nach langer Krankheit operiert, kommt das Augenlicht nicht mehr zurück, denn der Sehnerv und das Hirn haben nie sehen gelernt. Es ist also wichtig, die Bevölkerung auf die Problematik aufmerksam zu machen und den Menschen vor allem zu zeigen: Wir sind hier, um zu helfen. Da packen wir gerade in Afrika auch einmal das Spital auf Räder und reisen in abgelegene Dörfer. In einem sauberen Schulhaus zum Beispiel kann man gut ein Krankenhaus auf Zeit einrichten.

 

Wie geht es den Kindern der Familie Swai heute?
Die Kinder verfügen heute über eine fast normale Sehkraft und tragen zudem eine Brille. Die Familie ist wieder selbstständig, durch die Operationen hat sich ihre Lebensqualität stark verbessert. Die Freude nach den geglückten Operationen muss riesig gewesen sein. Ja, die Reaktionen der Kinder waren beeindruckend: Stella jubelte, als sie Wörter an einer Wandtafel von weitem lesen konnte. Ihr dreijähriger Bruder lief durch den Klinikgang und bestaunte zum ersten Mal die kräftigen Farben der Frauenkleider. Monate bis
jahrelang blind sein und plötzlich wieder sehen können – man muss sich diese Freude vorstellen!

 

Wieso investiert die Christoffel-Blindenmission nach wie vor einen Grossteil ihrer Energie und Mittel in die Heilung von Blindheit in Entwicklungsländern?
Weil in der Augenarbeit mit sehr wenig Mitteln viel erreicht werden kann. Viele Menschen, die in den Armutsgebieten an Krankheiten leiden, die zur Erblindung führen, könnten schnell geheilt werden, wenn sie nur Zugang zu medizinischer Versorgung hätten. Nehmen wir das Trachom, eine chronische Bindehautentzündung. Sie wird verursacht durch mangelnde Hygiene und ist hochgradig ansteckend. Wenn die Entzündung lange anhält, dreht sich das Augenlid nach innen, und die Wimpern brechen ab. Die nachwachsenden Haare zerkratzen dann die Hornhaut und verursachen irreparable Schäden, deshalb ist hier die Früherkennung essenziell: Die Entzündung kann durch die Einnahme einer einzigen Tablette Antibiotikum gestoppt werden.

 

Weshalb leiden vor allem Kinder an Erblindung?
Sie erblinden aufgrund von Unfällen oder zu wenig feindosierter Sauerstoffzufuhr bei Frühgeburten, zudem werden angeborene Erkrankungen
wie der graue Star oder das Glaukom zu spät oder gar nicht behandelt. Ein Glaukom – auch bekannt als grüner Star – verursacht oftmals bereits irreparable Schäden am Auge, bevor die Krankheit überhaupt bemerkt wird. Hinzu kommt der Vitamin-A-Mangel, der vor allem aufgrund der Mangelernährung entstehen kann. Dadurch verändert sich die Beschaffenheit des Auges, und das Kind erblindet unheilbar. Gerade in Ländern wie Vietnam ist es verwunderlich, dass die Leute an Vitamin-A-Mangel leiden, da dort so ziemlich alles gedeiht. Man müsste die Menschen nur dazu auffordern, ihre Papayabäume zu pflegen und die Früchte zu essen, und das Problem wäre bereits merklich geringer.


Interview: Larissa Hugentobler


Statement

Sarina Arnold, Topmodel

«Die CBM-Hilfe befreit Kinder von Behinderung und bewahrt sie vor lebenslanger Benachteiligung. So schenkt sie Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte die operative Korrektur und damit ihr unverwechselbares schönes Gesicht. Diese entscheidende Hilfe begeistert und ist unterstützenswert!»

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