Erlebnismobil in Chur: Für drei Minuten blind
Bündner Tagblatt - Im CBM-Erlebnismobil erhalten Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse einen Einblick in die Welt blinder Menschen.
«Kinder müssen was erleben», erklärte Nicole Lehnherr von der Christoffel Blindenmission (CBM) die Idee hinter dem Erlebnismobil, das seit Montag im Churer Schulhaus Rheinau für eine Woche Halt macht.
Auf dem zwei mal sechs Meter langen Parcours im Mobil können alltägliche Hindernisse ertastet werden. «Hat es auch Spinnen?», will ein Schüler einer vierten Klasse wissen. «Keine lebendigen», anwortet Hannes Stüssi, Zuständiger des Erlebnismobils, worauf ein Schaudern durch den quirligen und lauten Kinderhaufen geht. Nun ist besonders der kleine Junge mit den Hosen in den Socken kaum noch aufzuhalten. Er möchte endlich wissen, was ihn im gut neun Meter langen Gefährt erwartet.
Spielend lernen
Ausgerüstet mit Langstock und Simulationsbrille, die vorübergehend «blind» macht, tasten sich die Schüler in Zweiergruppen durch den Parcours. Dabei gehen sie über einen Teppich, Holzboden und kleine Steine. Auch an der gefürchteten Gummispinne wagen sich die Viertklässler, mit unüberhörbarem Gekreische, vorbei. Dabei schärfen sie spielend die anderen Sinne, lernen, worauf es beim Assistieren blinder Menschen ankommt und erhalten eine
Einführung zur Benutzung des Langstocks. «Ausserdem möchte die CBM durch das Erlebnismobil die Kinder für das Thema Blindheit sensibilisieren und ihnen helfen, blinden und sehbehinderten Menschen unbefangen zu begegnen», so Lehnherr. Laut einer Primarlehrerin stimmten diese Erlebnisse die Schüler ihrer
Klasse nachdenklich und führten anschliessend zu anregenden Diskussionen. Doch von Nachdenklichkeit war bei der aufgedrehten Klasse vor dem Schulhaus Rheinau zu diesem Zeitpunkt (noch) nichts zu spüren.
Drittweltländer brauchen Hilfe
Alles andere als aufgedreht sind viele Kinder in Drittweltländern. Die Augenlinsen und damit auch das Leben der dreijährigen Elysée und ihrer sechsjährigen Schwester Berthe sind trüb geworden. Seit ihrer Geburt hat ein grauer Schleier zunehmend ihre Augen verschlossen. Die beiden Mädchen aus Nganga, einem Dorf im Kongo, sind verurteilt zu einem Dasein im Elend. Doch sie sind bei weitem nicht die Einzigen in der Dritten Welt, die unter ihrer Blindheit leiden. Menschen in Entwicklungsländern tragen ein zehnmal höheres Risiko zu erblinden. 90 Prozent aller Blinden leben in Armutsgebieten. Zudem erblindet laut CBM weltweit jede Minute ein Kind.
Diese Zahlen sind erschreckend, doch es kann geholfen werden. Der Graue Star ist weltweit die häufigste Ursache für Blindheit, doch kann Betroffenen durch eine Operation das Augenlicht wiedergegeben werden. Dabei wird die hinter der Pupille liegende, lichtdurchlässig gewordene Linse in der Regel durch eine künstliche ersetzt. Danach können Operierte wieder sehen. Dank Spenden wurde auch Elysée und Berthe in einer viertelstündigen Operation das Sehvermögen wiedergegeben und somit neue Lebensqualität geschenkt. Nur gerade mal 50 Franken kostet eine solche Operation bei Erwachsenen, 180 Franken eine mit Vollnarkose bei Kindern.
CBM ist ein unabhäniges, christliches Hilfswerk und weltweit in Entwicklungsgebieten tätig. Seit über 100 Jahren setzt sie sich für blinde und anders behinderte Menschen ein. Schwerpunkt der Arbeit sind Erblindung vorzubeugen, von Blindheit zu heilen sowie Menschen mit Behinderung auszubilden und sie in Familie und Gemeinschaft einzugliedern. Heute fördert die CBM mehr als 800 Entwicklungsprojekte in rund 100 Ländern.
- Dateien:
Buendner_Tagblatt_Fuer_drei_Minuten_blind_29092010.pdf [267 K]






