Flussblindheit – eine Geissel der Menschheit zerbricht
Sie lauert, wo das Leben gedeiht – an klaren, sauberen Flüssen. Die Onchozerkose oder Flussblindheit gehört zu den heimtückischsten Krankheiten. Von der Plage befreit eine jährliche Dosis des Medikamentes Mectizan®.
Rumbek, Süd-Sudan. Das Mectizan® zu spät erhalten hat Awal. Bereits vier Jahre zuvor hatte ihr der Wurmparasit «Onchocerciasis» den Sehnerv zerstört. Doch immerhin ist die 60-jährige nun den peinigenden Juckreiz los, den abgestorbene Parasitenlarven verursachen (siehe Kasten). ‹Es juckte mich die ganze Zeit, überall am Körper›, beschreibt Awal. ‹Unablässig musste ich mich kratzen. In meinen Augen spürte ich, wie sich winzige Dinger bewegten. Meine Seele war wie ausgelöscht.›
Flussblindheit entzieht Kraft…
Während des zwanzigjährigen Bürgerkrieges (bis 2005) hilflos Krankheiten ausgesetzt, verlor Awal vier ihrer sieben Kinder und ihren Mann. Dann raubte ihr die Flussblindheit das Augenlicht. Nun wird sie von ihrer Enkelin geführt. ‹Meine Schwiegertochter kümmert sich um mich. Sie und meine Grosskinder sind meine einzige Stärke. In mir steckt keine Kraft mehr.› Und ihr Altersgenosse Chol Bol fügt an: ‹Ist ein Mensch blind, so verarmt er und stirbt.› Seit drei Jahren schon peinigt ihn die Flussblindheit. Seine Sehkraft wird zunehmend schwächer. ‹Könnte ich sehen, würde ich anpflanzen. Nun muss ich betteln.›
Doppelt beschenkt
Bei unbarmherzig flirrender Hitze holpern den CBM-Mitarbeitenden zwei Personen auf einem Zweirad entgegen. Schwitzend in die Pedalen tritt ein junger Mann und lächelt. Auf dem Gepäckträger balanciert elegant Grossvater Manyar. Beide erhalten Mectizan® gegen Flussblindheit. Manyar verkörpert die augenmedizinische Nothilfe: Vor zehn Jahren, inmitten des Krieges, gab ein eingeflogenes CBM-Team dem am Grauen Star Erblindeten das Augenlicht zurück. Das zweite Auge wurde im Jahr 2004 operiert. Dadurch und dank der jährlichen Dosis Mectizan steht Manyar heute ganz im Leben: Im Bild erklärt er Kindern das Alphabet und das Vorbeugen gegen Blindheit.
Augenhilfe ins Kriegsgebiet
Manyar berichtet: ‹Ich erblindete während des Krieges. Als ich den Kampflärm hörte und die Soldaten kamen, rannte ich und versteckte mich.› Den Schrecken lediglich andeutend, hält er inne - einige Söhne kamen in den Gefechten um, und viele kostbare Tiere gingen verloren. ‹Ohne meine Augen fühlte ich mich hilflos. Meine Kinder schauten allerdings bestens zu mir, so dass mich niemand falsch behandelte.› Aber wieder sehen zu können hatte er aufgegeben, gestikuliert Manyar erregt. ‹Ich wusste nicht, dass ich je wieder sehen könnte.› Umso grösser war seine Freude über die in den Südsudan fliegenden Operationsteams der CBM. Zwischen 1998 und 2006 hatten diese mehr als 11'000 Menschen die Sehkraft zurückgegeben!
Wunderbar geholfen
‹Ich bin sehr glücklich, ich sehe heute ausgezeichnet. Heute kommen Erblindete zu mir, und ich erzähle ihnen von der Hilfe. All jenen, die mir diese Operationen geschenkt haben, danke ich innig - Ihr habt mir wunderbar geholfen!›
CBM gibt Mectizan ab
Die 19 unter der Flussblindheit leidenden Länder Afrikas: 15 Millionen Menschen infiziert, 40'000 drohen jährlich zu erblinden und 90 Millionen sollten Mectizan erhalten. In den dunkel gefärbten Ländern sowie in Ekuador hat die CBM im 2007 an mehr als 7,6 Millionen Menschen Mectizan® abgegeben.
‹Der Fluss verzeht dir die Augen› - mehr Informationen zu diesem Spruch aus dem Volksmund in Afrika und der Infektionskrankheit Onchozerkose finden Sie auf unserer Website.






