Erlebnisbericht von Hansjörg Baltensperger, Geschäftsleiter CBM Schweiz
Guayaquil/Ecuador - Über eine schwankende Leiter steige ich hinauf zur Wohnplattform der Bambushütte. Auf dem Bretterboden in zwei Metern Höhe erwartet mich die elfjährige, zerebral gelähmte Marcia.
Das heute elfjährige Mädchen erlitt im Alter von sechs Monaten Fieberkrämpfe. Medizinische Hilfe war für die arme Familie nicht erreichbar. Seitdem ist Marcia zerebral gelähmt.
Die Leiter flink voraus gestiegen ist Marcias Betreuerin Blanca Torres. Sie ist eine von rund dreissig CBR-Helferinnen, die seit September 2007 rund 420 Menschen mit Behinderung betreuen und eingliedern.
Besuch für mich von weit, weit weg!
Während Blanca kurz die Krankengeschichte schildert, rutscht Marcia auf dem Bett unruhig hin und her: Wann hören sie endlich auf zu reden - ich will die Besucher kennen lernen!
Winzige harte Welt
Auf blankem Erdboden im «Parterre» räuchelt die Kochstelle. Im Wohnraum steht nichts als eine Kommode und zwei Betten. Das eine teilen sich die zwei 15- und 8-jährigen Brüder mit dem Vater, das andere Marcia und ihre 12-jährige Schwester Teresa. Diese hat für Marcia die Stelle der verstorbenen Mutter eingenommen: kleidet an, wäscht, kocht, gibt Essen ein, wechselt Windeln.
Voller Einsatz für die behinderte Schwester
An die Wand gehängte Auszeichnungen zeugen von Teresas hervorragenden schulischen Leistungen. Erstaunlich, denn nach Schulschluss eilt Teresa nach Hause zu Marcia, um ihr die vielen einsam verbrachten Stunden zu beenden. Die Therapieübungen verfolgt Teresa stets aufmerksam. Blanca Torres gibt ihr Tipps, wie sie diese mit Marcia durchführen kann. Zuverlässig übt Teresa mit Marcia bis zum nächsten Besuch der Therapeutin.
Wachsame Wächterin
Blanca setzt Marcia in den Rollstuhl und bringt sie zu mir. Teresa guckt skeptisch: Der Fremde wird doch Marcia nicht etwa mitnehmen? Aufmerksam verfolgt sie jede meiner Bewegungen. Ich habe Marcia eine Rolle Gummibärchen mitgebracht und reiche ihr eines. Vorsichtig und mit grosser Anstrengung greift Marcia danach und führt es ohne zu zögern in den Mund. Nachdem sie es gegessen hat, ist sie noch mehr begeistert von unserem Besuch. Sie lacht mich an, als ich ihr das zweite hinstrecke. So macht es Spass, gezieltes Bewegen zu üben! Teresa hat sich mittlerweile entspannt und macht ein vergnügtes Gesicht.
Beziehung als A und O
Durch unser CBR-Projekt erhält Marcia umfassende und liebevolle Betreuung. Therapeutin Blanca kommt wöchentlich auf Besuch. Von ihr hat sie den Rollstuhl und aktivierende Spielsachen bekommen. Ausserdem hat die Betreuerin Blanca Marcias Tante zu wöchentlich mehrmaligen Besuchen bewegt. So gelangt Marcia einige Male pro Woche in den Rollstuhl.
Sie sieht ihre Welt von oben und fühlt sich wie eine kleine Königin! Sitzend lässt sich zudem Manches üben – so das selbstständige Essen und Trinken. Den Becher mit Hilfe führen kann Marcia bereits. Und sie spricht ein erstes Wort: «Papa!»
Ich wünsche Marcia, dass sie mit ihrem gewinnenden Lachen einmal das Leben selbständig und in Würde meistern kann!
Helfen Sie Kindern wie der behinderten Marcia, weiter zum Spenden-Shop







