Die Hilfe in Haiti wandelt sich

Montag 10. Januar 2011 10:26Alter: 1 year

Ein Jahr nach dem Erdbeben prägen dessen Zerstörungen den Alltag nach wie vor. Die Hilfe indes ist fliessend von der akuten Intervention in die Phase des Aufbaus getreten. Konzentrierte sich die CBM zunächst auf das Retten von Leben und das Verhüten von Behinderungen, so hat sie bald mit dem Aufbau lokaler Ressourcen begonnen: dem Ausbilden einheimischer Fachkräfte und dem Eingliedern von Menschen mit Behinderung.

Der kleine Junge kann sich mit seiner Prothese schon gut fortbewegen.

Vor dem Erdbeben lebten in Haiti gemäss Schätzung der Regierung 800'000 Menschen mit Behinderung. Diese Zahl schnellte hoch auf mehr als eine Million: Von Opfern des Bebens überrannt, konnten die Spitäler lediglich die Erstversorgung gewährleisten und mussten die Patienten verfrüht entlassen. Wundentzündungen und bleibende Schäden folgten. Hier nun setzte die gemeinsame Hilfe der CBM und ihrer Partner an.

 

Physio- und Ergotherapie fehlte bislang in Haiti völlig. Die CBM flog TherapeutInnen ein, die in den Spitälern die Operierten vor Langzeitschäden bewahrten. Zudem schulten diese das Spitalpersonal, die vollumfängliche Nachbetreuung schwer Verletzter umzusetzen. Bei den Obdachlosenlagern errichteten die CBM und ihre Partner sogenannte ‹Antennes›, wo aus dem Spital Entlassene medizinisch und eingliedernd betreut wurden. An neun solchen Stellen erbrachten Fachkräfte die mobilisierende Physiotherapie, leisteten psychosoziale Hilfe zur Traumabewältigung und statteten behinderte Menschen mit den benötigten Hilfsmitteln aus. Die internationalen und lokalen Fachkräfte nahmen mehr als 126'000 Behandlungen vor, unterstützten Tausende von Betroffenen bei der Traumabewältung und versorgten mit mehr als 2'000 Hilfsmitteln wie Krücken und Rollstühle. 

 

Ferner führten CBM-Fachkräfte sechs Tageszentren für behinderte und gefährdete Kinder. In diesen Zufluchtsstätten konnten die Mädchen und Jungen spielen und lernen. Wenn nötig erhielten sie zusätzlich medizinische Betreuung.

 

Die aktuelle Hilfe mit neuem Fokus

Die Anzahl Erdbebenverletzungen ist mittlerweile stark zurückgegangen. Zu verzeichnen sind hingegen Unfall- und Krankheitsfolgen. Die CBM bildet deshalb Rehabilitations-Techniker aus, die Menschen mit Behinderung umfassend behandeln sowie deren Familien einbeziehen. Zudem hilft die CBM, ein aufgrund des Bebens eingestelltes Programm zur Korrektur von Klumpfüssen zu starten.

 

Den Wiederaufbau Haitis begreifen die CBM und ihre lokal verankerten Partner als grosse Chance: Sie befähigen und trainieren Menschen mit Behinderung sich in ihr Umfeld einzubringen. Gleichzeitig beeinflussen CBM-Fachkräfte gemeinsam mit den Behinderten die allgemeine Einstellung der Menschen und engagieren sich, damit öffentliche Bauten und Institutionen zugänglich werden. Schritt für Schritt hin zu einem barrierefreien und die Behinderten einbeziehenden Haiti.  


Statement

Dimitri, Clown

«Die Navajeevana-Schule in Sri Lanka ermöglicht dank der kontinuierlichen Unterstützung durch die CBM unzähligen behinderten Kindern eine Schulbildung und ein menschenwürdiges Leben. Es hat mich beeindruckt zu sehen, wie die Kinder umfassend betreut werden und durch Tanzen und Spielen lernen, mit ihrer Behinderung besser umzugehen.»

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