Schweizer Psychiaterin in Burkina Faso
Die in Gümligen praktizierende Psychiaterin Dr. Manuela Wälchli ist für die CBM zum zweiten Mal in Burkina Faso im Einsatz gewesen. Sie half die Versorgung von psychisch kranken Menschen zu entwickeln. Um auszubilden, wird sie im November 2011 erneut nach Burkina reisen. Das Thuner Tagblatt berichtete dazu am 7. September in einem eigenen Artikel (zuunterst als pdf).
«Die Agents de Santé (Gesundheitshelfer) sind interessiert und engagiert», gab Dr. Wälchli aus Burkina einige Eindrücke weiter. «Weit unter dem Bedarf allerdings sind die Hilfsmöglichkeiten.»
Gesundheitshelfer erbringen psychiatrische Hilfe
Während Spitäler über „Attachés en santé mentale“ (Psychiatriepfleger) verfügen, sind die lokalen Gesundheitsposten mit psychiatrischen Krankheiten überfordert. Dr. Wälchli hilft deshalb, die Agents de Santé psychiatrisch auszubilden. Diese spezialisierten Gesundheitshelfer klären in den Dörfern auf, überweisen und versorgen mit den ärztlich verschriebenen Medikamenten. Doch noch gibt es diesen Dienst in weiten Gebieten nicht. Zudem sind die Distanzen gross und erschweren, wenn nicht verunmöglichen es vielen Betroffenen die medizinische Hilfe zu erhalten. Die Erfolge ermutigen dennoch.
Medikamente vertreiben Wahn und Ängste
Die 45-jährige Lea erzählt Dr. Wälchli, vor mehreren Jahren erkrankt zu sein. Sie habe viel geredet und sei überzeugt gewesen, verborgene Kräfte würden sie beeinflussen. Grosse Ängste habe sie ausgestanden. Lea musste Kinder und Ehemann verlassen und zog zurück zu ihren Eltern. Unter den Medikamenten vom regionalen Spital verliessen sie die Krankheitssymptome vollständig. Nun zog sie wieder zurück zu ihrem Ehemann und ihren vier Kindern. Heute fühlt sich Lea wohl im Dorf und ist sozial integriert. Der jüngste, 14-jährige Sohn lebt noch bei ihr. Die Hauptsache für sie sei, bemerkte Lea, wegen der Erkrankung nicht verachtet zu werden.
Glück statt Psychose und Totschlag
Dass rechtzeitige Aufklärung und Behandlung unsägliches Leid verhindern kann, belegt Amadous Beispiel. Auf ihn stiess der Psychiatriepfleger des Spitals erst, als dieser in Gefängnis war, in Handschellen gelegt und von Polizisten malträtiert wurde. Amadou hatte seine Schwiegermutter umgebracht, und zwar im Wahn, wie der Pfleger diagnostizierte. Rasch waren Amadou, dessen Familie und das ganze Dorf einverstanden mit dem Spritzen eines Antipsychotikums. Nach wenigen Injektionen war Amadou symptomfrei. Heute arbeitet Amadou wieder auf dem Feld und ist ins Dorf integriert. Seine Brüder unterstützen ihn stark und fühlen sich für Amadou verantwortlich. Die Verbundenheit zwischen ihnen ist fast mit Händen zu greifen. Wenn Amadou auf seine Brüder, auf seine Frau und seinen kleinen Sohn schaut, strahlt er grosse Zufriedenheit aus. Seines Wandels und Glücks bewusst, stellt er sich bei Aufklärungsaktionen regelmässig als Zeuge zur Verfügung.
- Dateien:
Artikel_ThunerTagblatt07.09.11.pdf [1.0 M]







