Interview mit Augenchirurg Dr. Philippin
«...als ob ich ein sehr schmutziges Fenster reinige...und hinterher so richtig klar durchsehen kann.»
Seit 2007 arbeitet Augenchirurg Dr. Heiko Philippin in Ostafrika, zunächst zwei Jahre in Kenia und danach in Tansania. Im Interview spricht er über seine Motivation, seine Arbeit und die Auswirkungen bei den Geheilten.
Wie kamen Sie dazu, Augenarzt zu werden?
In der Augenheilkunde begegne ich Patienten vom kleinen Kind bis zum alten Menschen. Ein weiterer Vorteil ist, dass manche Augenkrankheiten mit Medikamenten, andere operativ behandelt werden. Das macht die Arbeit abwechslungsreich. Ich wollte schon immer in Entwicklungsländern arbeiten, Augenarbeit kann hier effektiv helfen und viel leisten.
War es schwer, den Schritt nach Afrika zu wagen?
Die Entscheidung, nach Afrika zu gehen, haben meine Frau Marenka und ich gemeinsam getroffen. Marenka als Physiotherapeutin und ich als Augenarzt. In Kenia hatte ich meine erste Stelle. Dort habe ich beruflich viel dazugelernt. Wir haben auf dem Klinikgelände gewohnt. Für uns beide war es eine überwiegend schöne Erfahrung.
Wie gehen Sie damit um, wenn Sie nicht heilen können?
In Kenia und Tansania gibt es Blindenschulen und die Gesellschaft für blinde Menschen. Ich kenne unwiederbringlich blinde Menschen, die trotzdem viele Fähigkeiten ausleben und ihr Leben gestalten können. Wenn Menschen einen bösartigen Tumor oder Aids haben und mit dem Tod konfrontiert sind, ist es schwieriger. Viele Menschen sind gläubig und finden Trost, Zuversicht und Halt im christlichen Glauben, der über den Tod hinausgeht. Das hilft auch mir, mit der Situation umzugehen.
Was motiviert Sie?
Mir macht die Arbeit einfach Spass. Ich operiere sehr gerne und nehme gerne an Außeneinsätzen teil. Dabei fahren wir in Dörfer und Städte, untersuchen dort Patient(inn)en und überweisen sie in unser Krankenhaus, wenn eine Operation notwendig ist. Die Arbeit ist erfüllend. Dafür bin ich dankbar.
Welche Rolle spielt der Glaube?
Mit meiner Arbeit möchte ich die Erfahrung weitergeben, von Gott geliebt zu sein. Diese Liebe möchte ich praktisch weitergeben. Mein Glaube gibt mir Kraft für die Arbeit.
Wann sind Sie froh, Augenarzt zu sein?
Oft nach Ausseneinsätzen. Wir unternehmen fast jede Woche einen solchen. Manchmal kommen hunderte Patienten. Auch über den Moment, wenn ich bei der Operation am Grauen Star die trübe braun-graue Linse durch eine klare Kunstlinse ersetze, freue ich mich jedes Mal. Die Netzhaut wirft danach wieder ihr orangefarbenes Licht zurück. Das ist so, als ob ich ein sehr schmutziges Fenster mit einem guten Lappen reinige und hinterher wieder so richtig klar durchsehen kann.
Viele Patienten mit Grauem Star müssen sich von Angehörigen führen lassen. Es ist schön zu erleben, wenn sie nach der Behandlung wieder selbstständig gehen und sich orientieren können. Eine blinde, alte Frau freute sich nach Operation, dass sie wieder auf den Markt oder zur Toilette gehen kann. Auch bedanken sich Menschen, dass sie wieder einen Baum mit Blüten und Früchten sehen können.
Haben Sie einen Wunsch an die CBM-Spender?
Ich wünsche mir, dass die Menschen weiterhin für die Behandlung des Grauen Stars spenden und durch die CBM auch in die Ausbildung von einheimischen Augenärzten investieren. Das liegt mir am Herzen. Wenn ich nach einer gewissen Zeit das Projekt wechsle, sollte ein einheimischer Augenarzt die Arbeit übernehmen. Wenn wir also Einheimische ausbilden, multipliziert sich die Hilfe. Man sieht langsam die Früchte. Es gibt zwar immer noch zu wenig einheimische Augenärzte in Afrika, aber ihre Zahl steigt stetig. Auch die Ausbildung anderer Fachkräfte geht voran. Nicht zuletzt trägt auch die Aufklärung der Bevölkerung langsam Früchte: Das KCMC-Hospital ist bekannt. Es hat sich herumgesprochen, dass man Grauen Star operieren kann – auch bei Kindern –, dass die Operation bezahlbar ist und dass die Menschen anschliessend wieder sehen können.
Welche Herausforderungen gibt es ausserdem noch in Afrika?
Z.B. der Grüne Star (Glaukom) und die Diabetische Retinopathie (eine Netzhauterkrankung). Die betroffenen Patienten müssen rechtzeitig zu uns kommen, damit wir ihr Augenlicht erhalten können. Wir suchen nach Methoden, wie wir sie günstig und effektiv finden können. Auch hier in Afrika ist die Aufklärung über diese beiden Krankheiten sehr wichtig.








