«Hätte ich doch ein neues Bein»

Weder in der Schule noch beim Spielen und Helfen dabei sein - Laxmi fühlt sich einsam.
Weder in der Schule noch beim Spielen und Helfen dabei sein - Laxmi fühlt sich einsam.

Laxmi aus Nepal fällt auf dem Schulweg stets zurück. Während die anderen Kinder hüpfen und springen, muss sie kriechen. Nirgends kann sie dabei sein. Zu Hause wischt die Neunjährige den Boden, mehr mitzuhelfen geht nicht.

«Ich hätte mehr achtgeben müssen», gesteht Shantamaya tränenerstickt beim morgendlichen Kämmen von Laxmis Haaren. «Kannst du mir vergeben?» Traurig starrt Laxmi auf den Boden und nickt. «Ich weiss, Mama», beruhigt sie ihre Mutter und rückt ganz nahe an sie heran.

 

Zu spät gehört
Erst einige Monate alt war Laxmi. Wie immer in kalten Nächten glühte in den Lehmhütten das Feuer; in sicherer Distanz dazu schlief auf Matten die Bauernfamilie. Irgendwie wälzte sich Laxmi im Schlaf Richtung Glut. Zu spät hörte die Mutter ihr Schreien. «Das Bein war schwarz», schaudert Shantamaya und schluckt ihre Tränen hinunter. Stunden zu Fuss zum nächsten Spital. Es riet zur Amputation. «Doch wir hofften, es würde besser», erläutert Vater Buddhi. Zwar waren vier Monate später die Wunden geheilt. Doch Laxmi musste sich fortan auf Händen und einem Fuss fortbewegen. «Ich hätte so gerne ein neues Bein», sehnt sich Laxmi.

 

Angestarrt und am Rande

Kriechend bewältigt Laxmi den steinigen, oft glitschigen Schulweg. Als letzte kommt sie an. Auch nach drei Jahren wird sie angestarrt, wenn sie sich flink auf die Sitzbank hochzieht. Traurig sieht sie in der Pause zu, wie die anderen Mädchen seilspringen oder tanzen. Nie kommt eines sie zu Hause besuchen. «Hie und da klagt Laxmi, Kinder würden ihr Schimpfnamen zurufen und sie nachäffen», berichtet Vater Buddhi.


Wende dank Klinik-Team
Eines Tages kommen Mitarbeitende vom Aussendienst der CBM-geförderten Kinder-Orthopädieklinik ins Dorf. Erreicht haben sie es nach fünf Stunden Fussmarsch abseits einer löchrigen Hauptstrasse. Sie schlagen vor, Laxmi zur Klinik bei Kathmandu zu bringen. Mit Laxmi auf den Schultern bricht der Vater auf. Nach zehn Stunden, wovon sechs per Bus, kommen die beiden an.

Der Arzt stellt ein Gipsnegativ her.
Der Arzt stellt ein Gipsnegativ her.

Mit Geduld zum neuen Bein
«Sie werden mir jetzt mein kleines Bein abnehmen, nicht wahr?» fragt Laxmi wehmütig. Die Pflegerin streichelt sie tröstend: «Ja, aber dafür bekommst du ein neues und grosses Bein. Damit wirst du gehen können.» Laxmi nickt tapfer. Die Amputation verläuft gut. Der verbliebene Beinstummel muss nun Vater Buddhi täglich sorgfältig und satt einbinden sowie eine Schiene anbringen. Während acht Wochen kommt er in eine gute Position und Form, und dann wird von ihm ein Gipsnegativ gemacht – für eine perfekt sitzende Prothese.

 

Der glücklichste Tag!

Vier Monate später erhält Laxmi ihr künstliches Bein! Bereits am ersten Tag geht sie damit, sich vorerst noch an Krücken abstützend. Sie strahlt unternehmungslustig. Mutter Shantamaya meint überwältigt: «Das ist der glücklichste Tag meines Lebens. Meine Tochter kann endlich auf zwei Beinen gehen. Allen, die ihr diesen neuen Lebensstart ermöglicht haben, danke ich ganz herzlich!»

Kaum hat Laxmi ihre neue Prothese erhalten, übt sie schon fleissig das Treppensteigen!
Kaum hat Laxmi ihre neue Prothese erhalten, übt sie schon fleissig das Treppensteigen!

Leben erblüht
Nach sieben Tagen beherrscht Laxmi sogar das Treppensteigen. Daheim montiert ihr Vater Buddhi nun jeden Morgen sorgfältig das künstliche Bein: Strumpf über Stumpf ziehen, dann sorgfältig Prothesensattel darüberziehen und festbinden. «Die Prothese hat meiner Tochter neues Leben eingehaucht», lobt Buddhi. «Stets zieht sie draussen herum. Sie geht frei auf zwei Füssen – wir sind unbeschreiblich glücklich!» Auch die Lehrerin freut sich: «Laxmi ist jetzt voller Leben. Ihr in der Klasse und beim Spielen mit den anderen Kindern zuzusehen, fasziniert.»

 

Raues Gelände verschleisst
Im Berggebiet hält die Prothese täglich starken Belastungen stand. Nach acht Monaten leiert das Stahlgelenk, durchgescheuert sind Hüftgurt, Stoffbänder und Holzfuss. Vater Buddhi begibt sich mit Laxmi in die vier Stunden nähere Distriktbasis des CBM-geförderten CBR-Dienstes. Dort schmunzelt der Techniker: «Die Abnutzung zeigt, Laxmi, wie aktiv und sportlich du bist!» Innert zwei Stunden hat er die Prothese geflickt.


Gutes für das Dorf

13 Monate nach Erhalt der ersten Prothese bestaunt Laxmi ihre neue und strahlt. «Ich mag mein neues künstliches Bein», verrät sie. «Es ist einfach damit zu laufen. Ich gehe gern zur Schule. Wenn ich gross bin, möchte ich Kinder unterrichten und etwas Gutes für mein Dorf tun.» Die Lehrerin rühmt sie: «Laxmi lernt jetzt gewissenhaft und beteiligt sich am Unterricht.» Deutlich holt Laxmi zu ihren Altersgenossinnen auf.


Träume erfüllen sich
Gerührt beobachtet Shantamaya, wie ihre Tochter und die beiden jüngeren Geschwister Ball spielen: «Ich bin unendlich dankbar. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Laxmi einst wie die anderen Kinder umherspringt. Ein Traum ist wahr geworden…» Tränen fliessen über Shantamayas Wangen. Laxmi liebkosend, fügt sie an: «Heute kommt Laxmi zum Fluss Wasser holen, hilft kräftig putzen und führt die Ziegen zum Grasen. Wir müssen nicht mehr immer auf Laxmi aufpassen. So kann mein Mann wieder auswärts arbeiten, wenn die Feldarbeit ruht. Laxmi ist geschickt und stark geworden!»

Endlich kann Laxmi mit ihren Freundinnen spielen!

Bringen Sie Kindern Freiheit und die Teilnahme am Leben!

Ein Monat Physiotherapie kostet 60 Franken, eine Prothese instand zu setzen 50 Franken.

Statement
Jeanette Macchi, Moderatorin «Fenster zum Sonntag».

Jeanette Macchi, Moderatorin

«Mit nur 50 Franken bereits kann ich einem Menschen das Augenlicht zurückgeben. Das ist für mich eine sinnvolle Investition und christliche Nächstenliebe.»

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