Inklusion stärkt die ganze Gemeinschaft

Aparajita Dhar auf Projektbesuch
Aparajita Dhar auf Projektbesuch

Aparajita Dhar arbeitet als Leiterin der CBM-Programme in Indien. Im Gespräch erzählt sie, welchen Hürden Menschen mit Behinderungen in Indien gegenüberstehen und was ein gutes Projekt ausmacht.

Was wünscht sich ein Mensch mit Behinderungen in Indien?
Erstens ein Leben in Würde. Oft wird er nicht als gleichwertig und talentiert angesehen. Die Leute denken, er sei nichts wert, nicht normal und unbegabt. Zweitens will er seine Fähigkeiten beweisen und nicht als unfähig gelten, auch wenn er mit geistiger Beeinträchtigung lebt. Drittens möchte er als normale Person angenommen werden. Mit denselben Gefühlen, gleicher Liebe zum Leben und den gleichen Rechten wie das auf Sexualität und Fortpflanzung.

 

Wie ist stattdessen sein Leben?
Seine Familie anerkennt ihn nicht als ihr zugehörig. Das Kind mit Behinderungen wird versteckt, um den Ruf der Familie zu wahren. Die Familie denkt: Was haben wir nur falsch gemacht, dass wir ein solches Kind bekommen haben? Gleichzeitig weiss sie nicht, wie mit ihm umzugehen.

Was motiviert dazu, Personen mit Behinderung einzubeziehen?
Wenn die Leute beobachten, wie ein Mensch trotz Behinderung selbstbewusst und begabt ist, dann beginnen sie, uns zu glauben. Ein solches Vorbild erlebt zu haben, verändert das Denken völlig. Man sieht eine normale Person mit Talenten, und die Behinderung wird zweitrangig.

Worin liegt hier genau der Gewinn?
Die Stimmen Aller zu hören, weil nun auch die Menschen mit Behinderung sich äussern. Das Potential der Gemeinschaft wächst, die Muster «Last tragen» und «wohltätig sein» vergehen, eine dynamische Veränderung beginnt! Denn die Person mit Behinderung bleibt nicht länger Empfänger, sondern wird zum Geber. Das stärkt die ganze Gemeinschaft.

Wie wirkt das Kastensystem?
Es behindert die Inklusion am meisten. Die Kaste ist die vierte Dimension der Benachteiligung. Die ersten drei sind die Armut, die Behinderung und das Geschlecht. Vor allem in Dörfern herrschen starke Traditionen. So darfst du niemanden ausserhalb deiner Kaste heiraten. Der Kastencode verrät deine Herkunft aufgrund deiner Sprache, deines Familiennamens, deiner Essgewohnheiten oder deines Verhaltens.

Mit den Grauen Star simulierender Brille und Langstock tastet sich Aparajita Dhar durch das CBM-Erlebnismobil.
Mit den Grauen Star simulierender Brille und Langstock tastet sich Aparajita Dhar durch das CBM-Erlebnismobil.

Welche Hauptziele will die CBM in den nächsten fünf Jahren erreichen?
Inklusion in allen CBM-geförderten Projekten zu verwirklichen. Gleichzeitig die Menschen mit Behinderungen zu stärken und ihre Kapazitäten zu entwickeln. So werden sie zu Rollenmodellen, die eine starke Stimme haben und ihr Umfeld mit ins Boot holen. Die Menschen mit Behinderungen sollen zuvorderst sein, um für ihre Rechte einzustehen.

Was zeichnet ein gutes Projekt aus?
Erstens ist es gut durchdacht, fusst auf den Menschenrechten und ist nicht bloss von der Barmherzigkeit her motiviert. Und was wichtig ist: Es bezieht die Menschen mit Behinderungen in seine Führung ein. Zweitens besitzt es ein starkes Rückgrat, das aus klaren inneren Systemen und Abläufen besteht sowie aus guter und transparenter Rechnungsführung.

Schildere bitte das Beispiel eines guten Projektes.
Naman Sewa Samiti war noch vor vier Jahren eine kleine Organisation mit äusserst bescheidenem Budget. Aber sie war bereits stark, weil sie die Dorfbevölkerung einbezog. Inzwischen ist sie um das 15-fache gewachsen. Weil Naman die Menschen mit Behinderungen und deren Familien teilnehmen lässt, ihnen eine starke Stimme gibt sowie den Dialog mit Stakeholdern und Behörden pflegt. Naman hat biologischen Landbau etabliert und Menschen zu wundervollen Vorbildern erblühen lassen. Durch den Geschäftserfolg interessieren sich nun Staat und Finanzinstitutionen dafür, in Naman zu investieren. Naman ist Teil eines Netzwerkes von 15‘000 Personen und arbeitet menschenrechtsbezogen. Von der CBM Schweiz hat Naman technische und finanzielle Unterstützung erhalten. Das hat alle sehr ermutigt, berührt und froh gemacht.

Richte bitte einige Worte an unsere Spenderinnen und Spender.
Indem Sie die CBM-Arbeit in Indien unterstützen, ermöglichen Sie nicht nur wohltätige Dienste. Sondern auch eine gesamtheitliche und inklusive Entwicklung, darunter sehr gute Projekte wie Naman. Gemeinsam mit der CBM verwirklichen Sie für die Menschen mit Behinderungen deren Rechte als Individuum und geben ihnen Würde. Noch bleibt viel zu tun. Im Namen dieser vernachlässigten Menschen danke ich Ihnen von ganzem Herzen.

 

Statement

Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin WHO

«Die CBM war an der vordersten Front dabei bei der Gründung der WHO Kampagne ‹VISION 2020›. Sie arbeitet in mehr als 100 Ländern. Ich bewundere die Arbeit der CBM und ihre vielen engagierten Mitarbeitenden, welche letztes Jahr zu über 18 Millionen Menschen praktische Unterstützung gebracht haben. Sie behandelten Sehbehinderte, Hörbehinderte, körperlich- und geistig Behinderte.»

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