Prothesen retten Leben

François Muller in der von ihm aufgebauten Lehrwerkstatt in Islamabad.
François Muller in der von ihm aufgebauten Lehrwerkstatt in Islamabad.

Orthopädietechniker François Muller ist seit 10 Jahren für die CBM im Einsatz. Davor arbeitete der Elsässer 22 Jahre im Auftrag des Internationalen Roten Kreuzes in Äthiopien. Von 2009 bis 2013 hat er, unterstützt von der CBM Schweiz, in Pakistan eine Referenz-Werkstatt aufgebaut sowie eine Lehre für Prothesenbauer. In Kurzeinsätzen sichert er seitdem vor Ort die Qualität. Ein Gespräch:

Sie besuchen regelmässig Pakistan?
Ein bis zwei Mal im Jahr bin ich dort. Als Orthopädietechniker kontrolliere ich die Qualität der Prothesen und Orthesen, besonders jene der angehenden Prothesenbauer. Diese sogenannten Bench Worker werden mit Unterstützung der CBM ausgebildet. Anschliessend wirken sie in Orthopädiewerkstätten im ganzen Land.

Welches sind nächste Ziele?
Die Bench-Worker-Lehre soll ein in Pakistan anerkanntes Gütesiegel erhalten. Für Prothesenbauer ist sie die einzige in Pakistan. Regelmässig weitere Handwerker auszubilden ist unerlässlich, damit die Qualität der Schienen und Prothesen gut wird.

Was hat sich im Land verbessert?
Im Schul- und Rehabilitationszentrum von Islamabad werden mit CBM-Hilfe 350 interne und 250 externe Kinder betreut, die körperlich beeinträchtigt sind. Das dortige Team der Prothesenbauer hat sich mit den Bench-Worker-Absolventen auf vier verdoppelt. Die Prothesen dieses Teams sind begehrt, sie sind viel besser als jene aus den üblichen Werkstätten. Zudem haben Ende 2015 die ersten 14 Handwerker die zweijährige Lehre zum Prothesenbauer absolviert. Pro Jahr werden nun sechs neue ausgebildet. Nach dem Diplom verbessern sie die Qualität in den Orthopädiewerkstätten. Bislang arbeiten dort normale Handwerker - Schreiner, Mechaniker - und sie benutzen behelfsmässiges Material wie Kunststoff für Boote.

Welches ist das grosse Ziel?
Dass in allen rund 120 orthopädischen Werkstätten in Pakistan gute Bench Worker arbeiten. Sie verbessern die Qualität stark. Entscheidend ist auch einwandfreies Material. Dieses bezieht die CBM von einem Non-Profit-Lieferanten in Genf, den das Rote Kreuz einst aufgebaut hat.

Wer kann sich eine Prothese leisten?

Nur etwa fünf von hundert pakistanischen Familien können eine bezahlen. Deshalb besteht ein Patient Service Support. Die Familien zahlen nach ihrem Vermögen, den Restbetrag begleicht der Fonds.

Gerade für Kinder sind taugliche, stabile und bequeme Prothesen und Schienen matchentscheidend.
Gerade für Kinder sind taugliche, stabile und bequeme Prothesen und Schienen matchentscheidend.

Wie lange dauert das Herstellen einer Prothese?
Bei einer Unterschenkel-Prothese 45 Stunden und doppelt so lange, wenn das ganze Bein ersetzt wird. Bei Kindern muss eine Prothese wegen des Wachstums jährlich ausgewechselt werden. Zunächst lernen sie das Aufstehen und Stehen mittels einer einfacheren Prothese. Für das Gehen und Springen wird die Prothese dann laufend raffinierter. Bei Erwachsenen wird eine Prothese fünf Mal weniger ausgewechselt. Benötigt werden übrigens etwa gleich viele Prothesen wie Schienen.

Warum fehlen den Kindern Glieder?
Zunächst als Folge von Bombenanschlägen und Schüssen, sodann vererbt durch traditionelles Verheiraten von Cousinen und Cousins.

Was an Ihrer Arbeit gefällt Ihnen besonders?

Die CBM hat gute lokale Fachkräfte ausgewählt. Sie sind sehr motiviert. Wenn der Projektpartner kein Geld für die Löhne hat, springt die CBM ein.

Was beeindruckt Sie?
Wie die meisten Eltern ihr Kind sehr gut unterstützen. Väter umarmen mich aus Dankbarkeit, und die Kinder sagen Onkel zu mir. Angesichts der oft schweren Lebensbedingungen, wodurch sich die Menschen in der Öffentlichkeit eher abweisend verhalten, ist das erstaunlich.

Was freut sie am meisten?
Genugtuung hat man jeden Tag! Kindern orthopädisch zu helfen ist entspannt und beglückend. Die Kinder lachen und sind froh, wenn sie erstmals stehen können. Jene, die gehen können, strahlen erst recht!

Was bewirken Prothese, Schiene und Therapie?

Ohne diese Behandlungen stirbt die Hälfte der Kinder, bevor sie 15 Jahre alt sind. Vorwiegend an Folge-Infektionen. Dank der CBM-ermöglichten Behandlung aber überleben 100 Prozent. Sie erhalten Schulausbildung, und üben später einen Beruf aus. Heute studieren sogar einige an der Universität.

Richten Sie bitte einige Worte an unsere Spender(innen).
Gerne. Die Leute in Pakistan sind sehr herzlich. Die überwiegende Mehrheit versteht sich auch gut mit Minderheiten wie mit den zehn Prozent Christen. Das erwähnen die Medien leider kaum, und daher sind Spendende eher zurückhaltend. Die CBM ist für Alle da, auch für die Minderheiten. Jeder einzelne Mensch ist kostbar. Über Ihre Spenden ermöglichen Sie dringende, kostbare Hilfe - haben Sie ganz herzlichen Dank!

Orthopädische Hilfe der CBM

In Pakistan unterstützt die CBM eine Werkstatt in Charsadda sowie in Islamabad eine Werkstatt am Schulzentrum für körperlich behinderte Kinder Al-Farabi und eine Lehrwerkstatt. Diese beiden Werkstätten aufgebaut hat François Muller. Weltweit fördert die CBM. rund dreissig Orthopädie- Werkstätten und vierzig - Kliniken, unter anderem in Jordanien, Laos, Nepal und Uganda.

Helfen Sie mit: Unterstützen Sie Menschen mit körperlicher Behinderung!

Statement

Erzbischof Desmond Tutu

«Ich habe die ausserordentliche Not gesehen und weiss wie lebensnotwendig der Auftrag der CBM ist. Aus meiner Erfahrung ist die CBM führend, das Leben der Ärmsten und am meisten vergessenen Menschen dieser Welt nachhaltig zu verändern. Leidenschaftlich helfen sie so vielen Menschen mit Behinderung wie nur möglich.»

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