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Corona-Krise: Menschen mit Behinderungen nicht zurücklassen

14. April 2020

In den Armutsgebieten droht angesichts der Corona-Krise eine humanitäre Katastrophe. Besonders Menschen mit Behinderungen und ihre Familien sind gefährdet und am wenigsten geschützt. Die CBM Christoffel Blindenmission sowie ihre lokalen Partner leisten Nothilfe.

Ein Junge aus Uganda, mit einem eingegipsten Bein und einer Holzkrücke in der Hand, sitzt mit anderen Personen im Wartesaal einer Klinik. Auf den Bänken ist markiert, wie weit voneinander entfernt die Personen sitzen sollen. Einige tragen Gesichtsmasken.
In der CBM-geförderten Orthopädieklinik CoRSU in der ugandischen Hauptstadt Kampala.

Die Corona-Pandemie hat bereits in China, den USA und in Europa hohe Opferzahlen gefordert. Doch auch Armutsgebiete melden stark steigende Zahlen von erkrankten Personen mit schwerem Infektionsverlauf. Während bereits das Schweizer Gesundheitssystem angesichts der Corona-Krise an seine Grenzen stösst, dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis die ohnehin schon schlechte medizinische Versorgung in Armutsgebieten komplett überlastet sein wird. Es ist absehbar, dass die Folgen der Corona-Krise dort noch gravierender sein werden als bei uns, da noch weitere Faktoren hinzukommen: In Armutsgebieten sind die Hygieneverhältnisse oft mangelhaft, die engen Wohnverhältnisse machen das Social Distancing in vielen Fällen schlicht unmöglich. Und viele Familien sind vom Hunger bedroht, denn ihre ohnehin schon kargen Verdienste sind stark oder komplett eingebrochen.

Menschen mit Behinderungen sind besonders gefährdet

In Armutsgebieten sind Menschen mit Behinderungen besonders von den Folgen der Corona-Krise bedroht: Blinden oder gehörlosen Menschen sind Informationen zu Schutz- oder Nothilfemassnahmen nicht zugänglich. Zudem ist Menschen mit Behinderungen oft der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen verwehrt. Einerseits deshalb, weil viele Kliniken und Gesundheitsposten nicht barrierefrei oder weit weg gelegen sind. Andererseits werden Menschen mit Behinderungen manchmal nicht behandelt, um die knappen Gesundheitsressourcen zugunsten anderer Menschen einzusetzen. 

Durch die Überlastung in Kliniken werden auch Dienste ausgesetzt, die für zahlreiche Menschen mit Behinderungen wichtig sind. Überdies sind Menschen mit Behinderungen je nach Art ihrer Behinderung auf Personen ausserhalb des Haushalts angewiesen, die ihnen assistieren. Dadurch ist es unmöglich, ausreichend Abstand zu halten. Die Corona-Krise dürfte ausserdem die Preise für Nahrungsmittel ansteigen lassen und dadurch eine Nahrungsmittelknappheit auslösen. Auch hier trifft es Menschen mit Behinderungen besonders, leben sie doch überdurchschnittlich oft in Armut.

Und, obwohl Menschen mit Behinderungen in Krisen wie dieser besonders bedroht sind: «In der humanitären Hilfe gehen sie leider immer noch oft vergessen. Es ist deshalb wichtig, dass Hilfsorganisationen zusammenarbeiten, um die Versorgung und medizinische Hilfe von Menschen mit Behinderungen und anderen sozial marginalisierten Menschen in Entwicklungsländern sicherzustellen», berichtet Manuel Rothe, CBM-Verantwortlicher für Humanitäre Hilfe. Vor diesem Hintergrund setzt die CBM Christoffel Blindenmission alles daran, damit Menschen mit Behinderungen und andere gefährdete Gruppen in dieser Krise nicht zurückgelassen werden.

Massnahmen in CBM-Projektländern

Die CBM Schweiz prüft mit den Partnern laufend, wie die Projektaktivitäten angepasst werden können, um einen zusätzlichen Beitrag zur Sensibilisierung und zum Schutz von Menschen mit Behinderungen in Armutsgebieten leisten zu können. Dazu gehört punktuell auch die Verteilung von Nahrungsmittelpaketen. Zudem wird sie mit einem Etat von 500'000 Franken in zwei Einsatzländern je ein neues Projekt implementieren, das einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Krise und deren Folgen leistet. Die CBM Schweiz prüft gegenwärtig die Lage sowie die Kapazitäten ihrer Partner in ihren Ländern, damit durch das Projekt eine möglichst grosse Wirkung erzielt werden kann. Das Projekt wird folgende Bereiche umfassen:

  • Medizinische Hilfe: Es werden Partnerkliniken umfassend unterstützt, die in der Lage sind, Patientinnen und Patienten mit und ohne Behinderungen, die schwere Coronavirus-Erkrankungen haben, zu behandeln. Damit soll das nationale Gesundheitssystem entlastet werden. 
  • Sensibilisierung der Bevölkerung: Menschen mit Behinderungen, ihre Familien sowie andere gefährdete Bevölkerungsgruppen werden über die Risiken der Corona-Erkrankung sowie über Schutz- und Nothilfemassnahmen informiert. Die Informationen werden barrierefrei und damit für alle zugänglich sein.
  • Interessenvertretung: Vertreterinnen und Vertreter von Behörden und anderen Nichtregierungsorganisationen werden für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert. Dadurch soll sichergestellt werden, dass bei den Schutzmassnahmen, der medizinischen und weiterer lebenswichtiger Hilfe niemand zurückgelassen wird. Zugleich sollen Menschen mit Behinderungen an der Planung, Umsetzung und Evaluation solcher Vorsorge- und Nothilfemassnahmen beteiligt sein.
  • Cash Transfer: Menschen mit Behinderungen und ihre Familien sollen sogenannte Cash Transfers erhalten. Mit diesen in der humanitären Hilfe erprobten Geldzahlungen können sich die Familien in Not das besorgen, was sie am dringendsten benötigen.
  • WASH (Wasser, Sanitätsversorgung, Hygiene): Gemeinschaften sollen Zugang zu einer nachhaltigen und barrierefreien Wasser- und Sanitärversorgung haben.

Forderungen der CBM

Die CBM engagiert sich in der aktuellen Krise auch auf der politischen Ebene für die Gewährleistung der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Auch während der Corona-Krise gilt es die internationalen Menschenrechtsnormen zu achten. Die UNO-Behindertenrechtskonvention hält fest, dass in Gefahrensituationen alle erforderlichen Massnahmen zum Schutz und der Sicherheit von Menschen mit Behinderungen ergriffen werden müssen. Solche Massnahmen müssen also inklusiv ausgestaltet werden, um sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird. Die CBM fordert daher:

  • Partizipation: Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen sollen aktiv einbezogen werden bei der Sensibilisierung von Menschen mit Behinderungen und ihren Familien sowie bei der Planung, Umsetzung und Evaluation von Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus. 
  • Gleichberechtigter Zugang zur Gesundheitsversorgung: Menschen mit Behinderungen müssen einen gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung und lebensrettenden Massnahmen erhalten. Dies bedeutet einerseits eine faire und diskriminierungsfreie Behandlung, auch bei knappen Gesundheitsressourcen, andererseits die Sicherstellung einer barrierefreien Kommunikation mit dem Gesundheitspersonal. 
  • Zugang zu Informationen: Informationen zum Coronavirus müssen über alle Medienkanäle und auf allen Plattformen in zugänglichen Formaten verfügbar sein.
  • Inklusion in Corona-Nothilfeprogrammen: Sämtliche Programme und Projekte von Regierungen sowie Entwicklungs- und Nothilfeorganisationen müssen die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihren gleichberechtigten Zugang sicherstellen, insbesondere auch für Frauen und Mädchen mit Behinderungen. 
  • Gleichberechtigter Zugang zur Grundversorgung: Die Grundbedürfnisse von Menschen mit Behinderungen müssen gedeckt und der Zugang zu Einkommen sichergestellt sein. 

 

Über die CBM
Die CBM Christoffel Blindenmission ist eine international tätige, christliche Entwicklungsorganisation und fördert Menschen mit Behinderungen in Armutsgebieten. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die CBM als Fachorganisation anerkannt. Sie leistet Entwicklungszusammenarbeit sowie humanitäre Hilfe und ermöglicht, dass Behinderungen vorgebeugt sowie Menschen mit Behinderungen medizinisch betreut und integrativ gefördert werden. Ihr Ziel ist eine inklusive Gesellschaft, in der niemand zurückgelassen wird und Menschen mit Behinderungen eine verbesserte Lebensqualität haben. Die CBM Schweiz führt das Zewo-Gütesiegel und ist Partnerorganisation der Glückskette.

Kontakt
Michael Schlickenrieder
Fachverantwortlicher Medien und Online
Tel. 044 275 21 65
michael.schlickenrieder@STOP-SPAM.cbmswiss.ch

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