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Zugang zur Augengesundheit


Drei von vier blinden Menschen in den Entwicklungsgebieten hätten ihre Sehkraft nicht verloren, wären sie rechtzeitig behandelt worden – so auch in Bolivien. Stattdessen befürchten Familien Fehlbehandlungen und wissen nicht, dass ihre Augenleiden geheilt werden können. Die CBM sorgt für die Ausbildung von Fachleuten, für familiennahe Hilfe und eine Grundversorgung für alle.

Kinder mit nicht erkannter Sehbehinderung werden von Lehrpersonen für dumm oder zu faul gehalten. Nur schwer vermögen sie dem Unterricht folgen und verlieren ihre Startchancen. Erwachsene mit fehlender Sehkraft können ihrem Lebenserwerb nur eingeschränkt oder gar nicht mehr nachgehen. Ganze Familien geraten in grosse Not, obwohl eine gute augenoptische oder -medizinische Grundversorgung rasch die ersehnte Hilfe brächte.

Doch nur schon eine Korrekturbrille ist für Familien in Armut kaum erschwinglich, und erreichbare Fachpersonen fehlen. Kaum jeder zweite am Grauen Star erblindende Mensch wird operiert. Noch vor fünf Jahren haben frisch diplomierte bolivianische Augenärztinnen und -ärzte üblicherweise nur drei Operationen am Grauen Star unter Aufsicht durchgeführt. Der internationale Standard liegt bei hundert. Die CBM ermöglicht daher das Ausbilden von Fachpersonal von der Augenklinik bis zum dörflichen Dienst.

«Viele Frauen und Kinder haben mit Sehschwächen zu kämpfen, kennen aber mögliche Ursachen nicht und was zu tun wäre. In unserem Stadtteil kann ich das nun ändern», freut sich Marcelina Machicado. Die zweifache Mutter aus Tarija hat eine Tochter, die mit starkem Autismus lebt. Sie leitet eine Selbsthilfegruppe von Eltern und fördert ehrenamtlich seit einem Jahr die Augengesundheit als ausgebildete Promotorin. Sie vermittelt Grundwissen zum Schutz der Augen, führt in Familien Sehtests durch, berät und überweist.

Auf nationaler Ebene engagiert sich Dr. Abraham Chambi, ursprünglich ausgebildeter Zahnarzt, seit Jahren für Menschen mit Behinderungen sowie für eine augenmedizinische Grundversorgung zugunsten armer Bevölkerungsschichten. An der Seite der CBM hat er 2013 das Nationale Komitee zur Blindheitsverhütung gegründet. Dieser Fachausschuss entwickelt Massnahmen und hat sogar eine Stelle für Augengesundheit im Gesundheitsministerium geschaffen. Dr. Chambi hat erreicht, dass die Abteilungen des Ministeriums heute gemeinsam die Augengesundheit verbessern. «Respekt, Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen», fügt Dr. Chambi an, «sind der Schlüssel, um Fachkräfte auszubilden und deren Gemeinschaftssinn anzuspornen.»

Bolivien in Kürze

Fläche: 1'098'581 km²
Bevölkerung: 11,8 Mio.
BIP pro Kopf: 3'143 USD (CH: 86'602 USD)
Bevölkerungsanteil unterhalb der Armutsgrenze: 37,2% (CH: 8,7%)
Lebenserwartung: 70,7 Jahre (CH: 83 Jahre)
Gesundheit: Malaria, Dengue Fieber, bakterielle Durchfallerkrankungen und Hepatitis A sind häufigste Infektionen.
Umwelt: Abholzung, Erosion, Verschmutzung durch Industrie, geringe Abfallentsorgung, Rückgang der Artenvielfalt, unzuverlässige Niederschläge, mangelndes Trinkwasser.
Menschen mit Behinderungen: Benachteiligung ist seit 2009 verfassungsmässig verboten. Dennoch leben viele in grosser Armut. Selbstvertretungsorganisationen treten landesweit ein für Barrierefreiheit und unterstützende Leistungen.
Ärztedichte: 1,59 pro 1'000 Einwohner (CH: 4,3)
Säuglingssterblichkeit (0–12 Monate alt): 39,27 pro 1000 Babys (CH: 3,64)
Entwicklungsindex: 107. Rang von 189 Ländern

Menschen mit Augenproblemen suchen oft das nächstgelegene Spital auf. Daher erhalten Teams von Allgemeinspitälern CBM-geförderte Kurse in Basis-Augenmedizin. Chirurgin Dr. Blanca Reyes vom staatlichen Spital in Tarija äussert sich begeistert: «Nun diagnostizieren wir Augenerkrankungen und Sehschwächen besser und nehmen wirksamere Erstbehandlungen vor. Damit bewahren wir viele Menschen vor Erblindung.»

Der häufigste Grund, weshalb Kinder in Bolivien erblinden, ist eine Erkrankung der Netzhaut bei frühgeborenen Babys. Wenn der ihnen zugeführte Sauerstoff zu wenig exakt dosiert werden kann, wuchern feinste Blutgefässe und bewirken ein Ablösen der Netzhaut. Die CBM ermöglicht das Ausbilden von Teams der Neugeborenen-Abteilungen, das Überwachen der Netzhaut mit mobiler Spezialkamera, die allfällig nötige Behandlung mit Medikament oder Laser sowie Nachkontrollen und augenoptische Hilfen.

Fortgebildet werden auch Augenchirurginnen und -chirurgen, die an den grossen Spitälern praktizieren. Sie lernen, den Grauen Star in höherer Qualität zu operieren sowie bei Sehschwächen die passenden Korrekturen zu verschreiben. Unter Aufsicht von erfahrenen Chirurgen führen sie Operationen am Grauen Star durch. Dr. Estanislao Titirico, der am Zentralspital von Oruro seit Jahren Grauer-Star-Operationen durchführt, ist froh um die Fortbildung in Kataraktchirurgie: «Ich habe neue Techniken gelernt, die mir nun helfen, Komplikationen zu verhindern oder zu bewältigen.»

Einer der jährlich mehr als tausend Menschen, die dank der CBM am Grauen Star operiert werden, ist Martín Durán. Der 68-jährige Bauer sah seit Monaten kaum mehr etwas: «Meine Frau musste mir überall helfen, sogar beim Essen und beim Gang auf die Toilette. Den ganzen Tag sass ich nur noch da und hörte Radio, fühlte mich machtlos und war traurig.» Eines Tages beschrieb in einer Sendung ein Mann, wie er zu einer CBM-geförderten Operation am Grauen Star kam und die Sehkraft zurückerhielt. Martín Durán zögerte nicht, und Tage später war das erste Auge operiert. «Diese Arbeit ist wunderbar», dankt er mit Tränen in den Augen. «Familien wie wir könnten eine Operation nie bezahlen. Ich freue mich, auch mein zweites Auge operieren zu lassen!»

Augengesundheit für alle

Die CBM fördert die augenmedizinische Hilfe in Bolivien seit drei Jahrzehnten. Heute engagiert sie sich in drei Programmen:

  • Blindheitsvorbeugung bei frühgeborenen Babys
  • Hilfe für Menschen mit Low Vision
  • Ausbilden von Fachkräften sowie Kampagnen und Reihenuntersuchungen

Spenderinnen und Spender der CBM Schweiz bewirken jährlich:

  • 1'400 Operationen am Grauen Star
  • Korrekturbrillen für 1'000 Menschen
  • 400 Lehrpersonen lernen, Sehtests durchzuführen
  • 15'000 Schulkinder können ihre Augen besser schützen
  • 120 Personen mit Low Vision erhalten Sehhilfen und Sehtrainings
  • 1'500 frühgeborene Babys werden überwacht und behandelt

Wie Sie helfen können

Unterstützen Sie Menschen mit Sehbehinderungen. Jede Spende zählt.

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