Potential freisetzen

Unsichtbar sind oft die Ketten, die Menschen mit Behinderungen am Leben hindern. Damit psychisch erkrankte Menschen endlich eine befreiende, fachgerechte Behandlung erhalten, leistet die Berner Psychiaterin Dr. Manuela Wälchli für die CBM regelmässig Einsätze.

«Auf meiner ersten Reise in Westafrika», schildert Dr. Wälchli, «traf ich in einer winzigen Hütte einen Mann, der seit Jahren mit einer Kette angebunden war. Das Dorf wusste sich nicht besser zu helfen. Seine Eltern erzählten mir, im Wahn habe er einen Menschen umgebracht. Vom CBM-unterstützten Psychiatriepfleger erhielt er nun die passende Medikamentation - und innert Wochen wurde der Mann ein normaler Mensch!» Dr. Manuel Wälchli hilft in Kurzeinsätzen seit sieben Jahren mit, in Burkina Faso eine dauerhafte psychiatrische Versorgung aufzubauen.

Wende in Burkina Faso

Zwei Männer aus Burkina Faso sitzen auf einer Bank. Der Mann links ist ein älterer Mann mit psychischer Beeinträchtigung, der andere ein Betreuer. Der Betreuer schaut mit dem älteren Mann dessen Fingerring an.
Dank dem CBM-Projekt in Burkina Faso soll die Lebensqualität von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die auf der Strasse leben, nachhaltig verbessert werden.

«Auf dem Land wusste damals niemand, was Psychiatrie überhaupt ist. Das Gesundheitspersonal schickte psychisch Erkrankte einfach wieder heim.» Seitdem hat Dr. Manuela Wälchli in Burkina Faso Psychiatriepfleger und -pflegerinnen geschult. Diese geben nun ihr Wissen weiter an die Gesundheitsposten. Von dort dringt es weiter zu den dörflichen Helferinnen und Helfern. «Wir haben einfach die zwanzigjährige CBM-Arbeit der gemeindenahen Rehabilitation CBR mit der Psychiatrie erweitert», erläutert Dr. Wälchli. «Die CBR-Helfenden schauen jetzt auch nach Erwachsenen mit Depressionen oder Kindern mit auffälligem Verhalten. Erstmals können Gesundheitsposten die psychiatrische Erstversorgung leisten und, wo sie an Grenzen stossen, geeignet überweisen.»

Erkrankungen wie eine Psychose interpretieren die Familien oft als Vergeltung der Ahnen. «Um die Familien für die psychiatrische Hilfe zu gewinnen, müssen wir zuerst die Dorfchefs überzeugen», weiss Dr. Wälchli. «Ideal dafür ist es, als wandelndes Beispiel jemanden mitzubringen, der geheilt worden ist.»

Die Obdachlosen erreichen

Mittlerweile laufen in Burkina Faso fünf Projekte der psychiatrischen Grundversorgung. Ein neues, für Obdachlose, hat im Norden begonnen. Denn psychisch Erkrankte werden in Afrika oft von der Familie ausgeschlossen, so Dr. Wälchli. «Sie leben irgendwo auf der Strasse und sind Gewalt ausgesetzt.» Geld für eine Behandlung haben sie nicht. Kein Spital nimmt sie auf, weil sie die Begleitperson für das Kochen und die Pflege nicht mitbringen: «Diesen Obdachlosen stellen wir nun Freiwillige zur Seite, die mit ihnen ins Spital gehen. Sie sorgen für das Essen, die Körperpflege und das Begleichen der Behandlungskosten. So können die Obdachlosen einen stabilen Zustand erreichen.»

Früh auffinden, Leid verhindern

Ein Mädchen mit Downsyndrom aus Nicaragua schreibt während des Schulunterrichts eifrig mit. Nebe ihr sitzt die Lehrerin.
Kasandra ist eine begeisterte Schülerin.

Um alle Kräfte zu bündeln, werden jeweils bereits bei der Projektplanung Eltern einbezogen. «Eine Mutter hat mir berichtet», erzählt Dr. Wälchli, «sie habe mit ihrer fünfjährigen Tochter verschiedene Dienste aufgesucht. Stets riet man ihr, das Kind anders zu erziehen. Es redete nicht, schrie und schlug um sich. Erst die Abklärung bei einer CBM-geförderten Organisation diagnostizierte Autismus, und eine gezielte Förderung begann.» Ziel ist es, dass ein Kind mit Behinderung nach Möglichkeit die Regelschule besuchen kann. Diese bietet wichtige Impulse für die persönliche Entwicklung und befördert die Integration entscheidend.

Eine Schule zu besuchen! Danach sehnen sich in den Armutsgebieten mehr als die Hälfte der Kinder mit Behinderungen. Am liebsten möchten sie mit den Nachbarkindern in die Regelklasse. Dazu müssen allerdings Barrieren überwunden werden (siehe Kasten ganz unten). Doch die Inklusion, der völlige Einbezug in eine Normalklasse, lohnt sich. Das zeigt die achtjährige Kasandra aus Mittelamerika.

Kasandra stürmt ins Klassenzimmer und umarmt ihre Lehrerin Lidia López. Dann setzt sie sich ruhig an ihren Platz. Vor fünf Jahren allerdings wagte ihre Mutter Jaemileth nicht einmal, vom Schulbesuch zu träumen. Kasandra lebt mit Down Syndrom, Lernfähigkeit und Körperbeherrschung sind eingeschränkt. Erst vom CBM-geförderten dörflichen Dienst Asopiecad erfuhr Jaemileth, auch Kasandra habe in Nicaragua das Recht auf die Regelschule.

Inklusion eingefordert

Ein Mädchen aus Nicaragua zeigt ihre Zeichnung. Vor ihr sitzt eine Schulkamaradin, die am Zeichnen ist.
Auch durch Abgucken und Nachahmen lernt Kasandra viel.

Doch die Schule scheute sich, Kasandra aufzunehmen. «Am Schwierigsten war für mich, als sie ausgeschlossen werden sollte», blickt die Mutter zurück. «Doch wusste ich durch Asopiecad bereits, dass ich als ihre Mutter ihre Rechte verteidigen muss. Das war der Punkt, als es geschafft war. Heute wird Kasandra nicht mehr abgelehnt.»

Gemeinsam mit den CBM-Fachkräften führte die Mutter etliche Gespräche mit der Schule. Diese sah sich zur Förderung ausserstande. Der CBM-Partner sicherte fachliche Unterstützung zu, und nach rund zwei Jahren war es soweit: Kasandra wurde eingeschult!

Aller Anfang ist ...

ein Mädchen aus Down Syndrom aus Nicaragua lächelt. Im Vordergrund befindet sich ein Abakus.
Die Integration von Kindern mmit Behinderungen in Regelklassen lohnt sich.

Leicht waren die ersten Monate nicht. Kasandra konnte nur kurz stillsitzen und rannte durchs Klassenzimmer. «Ich war gestresst und wusste nicht, was ich machen sollte», erinnert sich Lehrerin Lidia López. Doch der CBM-Partner übte mit Kasandra zu Hause in Ruhe rechnen und basteln, und bildete die Lehrerin aus. «Nun reagiere ich entspannt», freut sich Lehrerin López.

Sie achtet bereits in der Unterrichtsplanung darauf, dass Kasandra sich beteiligen kann. Wenn das Mädchen unruhig wird, setzt sie sich einfach neben sie und hält von dort aus Unterricht.

Von Afrika bis Lateinamerika setzt sich die CBM ein, damit Menschen mit Behinderungen am Leben teilnehmen können. «Ich habe engagierte, motivierte Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonen und Gesundheitshelfer getroffen», betont Dr. Manuela Wälchli. «Ihnen fehlen aber die Mittel. Wenn wir von unseren Ressourcen in der Schweiz teilen, erreichen wir viel!»

Wie Sie helfen können

Setzen Sie Potential frei und unterstützen Sie Menschen mit psychischen oder geistigen Beeinträchtigungen.

Wie eine Schule inklusiv wird

Die völlige schulische Integration und deren Grundfinanzierung sollte zunächst vom Gesetz vorgesehen sein. Die Inklusion kann dann wie folgt gelingen:

  1. Zugängliche Schulgebäude: rollstuhlgängig und gut ausgeleuchtet
  2. Sicherer Schulweg und erschwingliche Fahrmöglichkeiten
  3. Angepasste Methoden, Lehrmittel und -pläne
  4. Individualisierter Unterricht
  5. Speziell ausgebildete Lehrkräfte
  6. Unterstützende Sonderpädog(inn)en
  7. Übersetzen in Punktschrift und Gebärdensprache
  8. Nötige Finanzen

Die inklusive Schule gleicht Nachteile einer Beeinträchtigung aus. Das Kind erwirbt Unabhängigkeit, kann produktiv sich einbringen und einst seinen Lebensunterhalt (mit)verdienen. Betreuungskosten entfallen und die ganze Gesellschaft gewinnt!

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