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Talente fördern, Potentiale entfalten


Sowohl Señora Monica als auch Abuelita Antonia aus Bolivien sahen sich in einer ausweglosen Situation. Durch den CBM-Partner Mundo Inclusivo haben sie nie Geahntes erreicht.

«An manchen Tagen kann ich recht gut am Stock gehen, an anderen bewege ich mich vor allem im Rollstuhl fort», schildert Señora Monica. «Stricken kann ich trotz meiner körperlichen Behinderung, und das ist sehr wichtig für mich.» Mit selbstgefertigten Pullovern erzielt sie heute ein stabiles Einkommen. Die Mittvierzigerin aus La Aurora bei Oruro/Bolivien strahlt: Noch vor rund zwei Jahren konnte sie wegen eines Bandscheibenvorfalls weder stehen noch gehen. Den ganzen Tag musste sie liegen und heftige Schmerzen ertragen. Eine freiwillige Helferin des CBM-Partners Mundo Inclusivo führte mit Señora Monica physiotherapeutische Übungen durch. Als sie erstmals wieder aufrecht sitzen konnte, organisierte ihr der CBM-Partner einen Rollstuhl. Allmählich konnte sie wieder gehen. Doch um aktiv am Leben teilzunehmen, reichte dies noch lange nicht.

Die Betreuerin von Mundo Inclusivo klärte Señora Monica über die Rechte auf, die auch in Bolivien ein Mensch mit Behinderung hat und einfordern darf, zum Beispiel auf medizinische Grundversorgung, Zugang zum öffentlichen Verkehr oder Mitsprache in der politischen Gemeinde. Auf Anregung der Betreuerin wurde sie aktiv im Verein der Menschen mit Behinderungen von La Aurora. An ihren Vereinskolleginnen konnte Señora Monica erleben, dass Selbstbestimmung und hohe Selbstständigkeit erreichbar sind. «Ich darf mich nicht als Opfer sehen, wenn ich etwas für mich selbst erzielen will», betont sie. «Das habe ich dank der Gruppe verstanden.»

Eine Frau aus Bolivien zeigt lächelnd einen von ihr gestrickten Pullover.
Señora Monica zeigt stolz einen der Pullover, die sie für eine Schule stricken kann.

«Ich sehnte mich danach, wieder berufstätig zu werden. Nach Monaten ohne Verdienst hatte ich keine Ersparnisse mehr», erzählt Señora Monica. «Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.» Gemeinsam mit Mundo Inclusivo suchte sie nach einem Weg. Schnell zeigte sich, wie hervorragend sie strickt – in nur drei Tagen einen handgestrickten Pullover in bester Qualität! Der CBM-Partner lieh Señora Monica Geld für Wolle und weiteres Material. Mit drei ebenfalls von Behinderung betroffenen Frauen strickte sie nun Pullover, die sie auf dem Markt zum Verkauf anboten. Die Verkäufe allerdings liessen zu wünschen übrig.

Als sie wieder viel mobiler ist, erinnert sie sich an ihre Handstrickmaschine. Diese schlummert seit dem Bandscheibenvorfall unter einer schützenden Decke. Señora Monica hebt sie weg, setzt sich an die Maschine, richtet alles ein und beginnt. Die Schmerzen melden sich nicht mehr. Schnell kommt die Routine zurück, mit der nun Señora Monica an einem Tag fünf Pullover an der Strickmaschine fertigt.

Einzig Aufträge und Absatz fehlen nach wie vor. Nach Wochen zähen Suchens endlich der Durchbruch: der Vertrag mit einer Schule, sämtliche Pullover der Schuluniformen zu stricken! Doch die Aufträge eilen; Señora Monica arbeitet tagsüber an der Maschine, eine ihrer Partnerinnen übernimmt die Nachtschicht. Die Gewinnmarge ist schmal, doch die Frauen sparen. «Nach einem halben Jahr haben wir eine zweite Maschine kaufen können», erzählt Señora Monica stolz. Nun stricken jeweils zwei Frauen am Tag, und zwei nachts. Hunderte von Kindern schlüpfen täglich in die von ihnen hergestellten Pullover!

«Ich liebe Jennifer wie mein eigenes Kind»

Ein Mädchen mit Lernbehinderung aus Bolivien sitzt mit einer Frau an einem Tisch und macht Förderaufgaben.
Jennifer ist voll dabei! Die Inklusions-Helferin des CBM-Partners gibt ihr Förderunterricht.

Das Wasser brodelt über der Gasflamme, doch Abuelita Antonia denkt nicht an den Tee. Abuelita – so werden Grossmütter in Bolivien genannt – erzählt von ihrer Enkelin: «Bevor Mundo Inclusivo kam, rieten die Leute, ich solle Jennifer loswerden; sie sei kein gutes Kind. Wie hätte ich nur so was fertigbringen sollen? Ich weinte viel. Ich liebe Jennifer wie mein eigenes Kind.»

Während der Schwangerschaft war Antonias Tochter von ihrem Mann verlassen worden. Darauf versank sie in eine Depression und begann zu trinken. Die kleine Jennifer lieferte sie nach drei Jahren überfordert bei der Grossmutter ab. Doch Abuelita Antonia konnte kaum sich selbst durchbringen mit dem Verkauf von Süssigkeiten am Busbahnhof. «Unser Anfang war sehr schwer. Jennifer wollte nicht essen und war unterernährt. Sie blickte immer nur auf den Boden. Ich war ratlos.»

Bald nach Jennifers Schuleintritt merkte Abuelita Antonia, dass ihre Enkelin nichts lernte. «Weder lesen noch schreiben oder zählen – es war zum Verzweifeln.» Antonia suchte das Spital auf, es überwies an den Neurologen, und dieser nach mehreren Gehirnscans an den Psychologen. Die verschriebenen Medikamente kosteten, nützten aber nichts. Jennifer hatte einzig eine starke Lernschwäche. Nun wandte sich Abuelita Antonia an die Stadt, der Bürgermeister kam sogar auf Besuch. «Beim Abschied meinte er, Jennifer gehe und spreche ja, habe also kein Problem. Die Regierung helfe nur in wirklich schlimmen Fällen.»

Ein Mädchen aus Bolivien hält eine Katze im Arm, die Mutter des Mädchens steht neben ihr.
Hauskater Momino muss mit aufs Bild, hat Jennifer verlangt.

Jennifer ist siebeneinhalb, als ihre Lehrerin den CBM-Partner Mundo Inclusivo empfiehlt. Seitdem kommt wöchentlich dessen ehrenamtliche Helferin Tania zu Hause vorbei. Sie lernt, bastelt und spielt mit Jennifer. Dadurch lernt auch die Grossmutter, wie sie ihre Enkelin fördern kann. Inzwischen hat der CBM-Partner die Lehrkräfte weitergebildet, damit sie Kinder mit einer Lernschwäche unterstützen können. Deren Lehrplan ist angepasst worden, und die Lehrkräfte achten viel mehr auf die Gefühle und das Selbstbewusstsein aller Kinder.

Jennifers Lernziel hiess zunächst bis zwölf zu zählen. Unterdessen, nach zwei Jahren, zählt sie schon bis 500. Sie kennt das ABC, die Wochentage und die wichtigsten Körperteile, freut sich Abuelita Antonia, «man muss ihr einfach Zeit geben, in ihrem Tempo zu lernen.» Und lächelnd erzählt sie: «Jennifer hatte gerade die Farben gelernt, da versuchte sie auf einer Busfahrt nach La Paz, von allem die Farbe zu nennen. Ich freute mich unglaublich über den Fortschritt. Doch diese Busfahrt war dann schon etwas anstrengend…»

Von Tania hat das heute zehnjährige Mädchen vor kurzem gelernt, den Menschen in die Augen zu sehen und mit ihnen direkt zu sprechen. «Nach einer kurzen Auftauzeit ist Jennifer eine richtige Plaudertasche», strahlt Abuelita Antonia.

«Früher,» blickt sie zurück, «zeigten die Leute am Busbahnhof auf uns und sagten zueinander ‹Schau dir mal dieses Kind an!›. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Die Leute verstehen eher, was eine Behinderung bedeutet. Und dass Jennifer ein Mensch mit den gleichen Rechten ist!»

Wie Sie helfen können

Durchbrechen Sie Behinderungen, schenken Sie Leben und Chancen.

Unterstützen Sie Frauen mit Behinderungen und ermöglichen Sie ihnen den Aufbau eines selbständigen Erwerbs, damit sie unabhängig und in Würde leben können.

Ermöglichen Sie Kindern mit Behinderungen die fördernde Therapie und Betreuung, die sie brauchen.



Landesprogramm Bolivien

Die CBM Schweiz fördert die gemeindenahe inklusive Entwicklung CBID, um Menschen mit Behinderungen zu stärken. «Vivir bien» (gutes Leben) für alle! Dazu arbeitet sie mit einem Netzwerk folgender Partner:

Mundo Inclusivo – Frühförderung, schulische und berufliche Integration sowie Stärkung von Menschen mit Behinderungen über Selbsthilfegruppen. Regionen: La Paz, Sorata, Coroico, Oruro, Potosi, Sucre und Tarija.

ANET – Kinder und Jugendliche mit Hörbehinderung in Schul- und Berufsausbildung integrieren, Eltern und Lehrkräfte ausbilden sowie Gebärdensprache im Unterricht ermöglichen.

Ojos del Mundo – Gesundheitspersonal augenmedizinisch ausbilden, Reihenuntersuchungen und Kampagnen in abgelegenen Gebieten.

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