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Inklusion in der Katastrophenvorsorge

In Genf fand vom 13. bis 17. Mai die Global Platform for Disaster Risk Reduction statt. Die CBM machte sich stark für den vollständigen Einbezug von Menschen mit Behinderungen in die Katastrophenvorsorge. Und sie war Mitglied der Schweizer Delegation und stellte eine neue App vor.

Blick von den Zuschauerrängen auf die Redner und die Live-Übertragung einer Konferenz.
Die Eröffnung des Stakeholder-Forums.

Durch Natur und Menschen verursachte Katastrophen sind allgegenwärtig. Erst vor einigen Wochen riss ein Zyklon in Südostafrika mehr als 1'000 Menschen in den Tod und hinterliess schwere Verwüstungen mit hunderttausenden Menschen, die auf Nothilfe angewiesen sind.

Um Menschen und ihre Lebensgrundlagen in allen Regionen der Welt möglichst umfassend vor Katastrophen zu schützen, organisiert die UNO alle zwei Jahre die Global Platform for Disaster Risk Reduction (GPDRR), eine internationale Konferenz für Katastrophenvorsorge. Die GPDRR dient als Forum für Fachpersonen des öffentlichen und privaten Sektors, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft, um den Fortschritt in der Umsetzung des Sendai Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge 2015-2030 zur Minderung von Katastrophenrisiken auf internationaler Ebene zu überprüfen. Das Sendai-Rahmenwerk ist ein gemeinsam festgelegter Handlungsrahmen. Dieses Jahr fand die GPDRR vom 13. bis 17. Mai in Genf statt.

Als Teil einer Interessengruppe von Menschen mit Behinderungen (Stakeholder Group of Persons with Disabilities; TG-DRR) nahm die CBM während der Konferenz an deren Treffen teil. Vorrangiges Ziel der CBM und TG-DRR ist es, andere Akteure für eine inklusive Katastrophenvorsorge zu gewinnen. Menschen mit Behinderungen (wie auch andere gefährdete Gruppen von Menschen) müssen explizit und aktiv in alle Prozesse die Katastrophenvorsorge eingebunden werden. Denn die Erfahrung zeigt leider: Menschen mit Behinderungen werden hierbei oft, weshalb sie bei Katastrophen von der humanitären Hilfe nicht ausreichend oder gar nicht berücksichtigt werden. Wenn der Einbezug von Menschen mit Behinderungen im Katastrophenmanagement gelingen soll, müssen sie aktiv an der Planung, Umsetzung und Evaluation von entsprechenden Massnahmen und Projekten teilhaben – ganz im Sinne des Kredos «Nichts über uns ohne uns».

Statements von CBM-Mitarbeitenden

Im ersten Treffen der TG-DRR in Genf gab Mirjam Gasser, Leiterin Advocacy bei der CBM Schweiz, ein Statement ab zu den Erfahrungen der letzten GPDRR, die 2017 im mexikanischen Cancún stattfand. Das Thema Inklusion von Menschen mit Behinderungen war während der gesamten GPDRR 2017 sehr präsent und fungierte schliesslich prominent im Abschlussdokument. An der GPDRR 2019 lag unser Augenmerk vor allem darauf, die Vielfalt von Menschen mit Behinderungen und deren Anliegen in der Katastrophenvorsorge gegenüber anderen Akteuren zum Ausdruck zu bringen sowie eng mit verschiedenen Interessengruppen zusammenzuarbeiten.

Eine Frau spricht an einer Konferenz, neben ihr sitzt ein Mann.
Mirjam Gasser, Leiterin Advocacy bei der CBM Schweiz, spricht zur Stakeholder Group of Persons with Disabilities.
Drei Männer und eine Frau sitzen als Rednerinnen und Redner einer Veranstaltung vor dem Plenum. Der Mann der gerade spricht ist blind und liest von Blatt mit Braille-Schrift ab.
Talal Waheed (2.v.r.), Berater für weltweite Projekte der CBM im Bereich der inklusiven Katastrophenvorsorge, während des Dialogs zur inklusiven Katastrophenvorsorge.


Ein weiterer Anlass war dem Dialog zwischen UNO-Agenturen und verschiedenen Interessengruppen zur inklusiven Katastrophenvorsorge gewidmet. Talal Waheed, Berater für weltweite Projekte der CBM im Bereich der inklusiven Katastrophenvorsorge, gehörte zu den Rednern des Meetings. Er zeigte auf, wie die CBM ihre Katastrophenvorsorge inklusiv gestaltet. Dabei betonte Talal Waheed, wie wichtig es ist, Menschen mit Behinderungen auf sämtlichen Ebenen des Katastrophenmanagements einzubinden. In Bangladesch zum Beispiel leiten Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen die Organisation von Massnahmen zur Katastrophenvorsorge. Oder in Pakistan ermächtigt die CBM Selbstvertretungsorganisationen, damit sie sich bei Behörden und der Regierung dafür einsetzen, dass, nach erfolgten Katastrophen, Massnahmen zum Wiederaufbau Menschen mit Behinderungen bewusst einschliessen. Generell sei der Aufbau von Wissen und Kapazitäten bei Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen zum Thema inklusive Katastrophenvorsoge wichtig, führte Talal Waheed weiter aus. Denn so können sie sich an lokalen, regionalen und nationalen Programmen in ihren Ländern beteiligen, und ihre Anliegen aktiv einbringen.

Menschen mit Behinderungen in Schweizer Statement

An der Global Platform for Disaster Risk Reduction geben die an der Konferenz teilnehmenden Staaten jeweils ein offizielles Statement ab. Dasjenige der Schweiz ist als Erfolg zu werten, denn in ihrem Statement unterstrich sie unter anderem die Wichtigkeit der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in die Katastrophenvorsorge: «[…] Switzerland recognises the importance of including of persons with disabilities and other vulnerable groups, which is why it integrates different perspectives on gender, age and culture in its policies. […]» Grosse Lücken hingegen bestehen vielerorts bei der Implementierung von Massnahmen, die inklusiv sind. 

Auch das Abschlussdokument der diesjährigen GPDRR ist richtungsweisend, da es Menschen mit Behinderungen noch stärker miteinbezieht als dasjenige der GPDRR 2017. Das Dokument wiederspiegelt zudem einen Paradigmenwechsel: Bei Menschen mit Behinderungen wird nicht länger von «verletzlichen Gruppen», sondern von «gefährdeten Gruppen» gesprochen. Menschen mit Behinderungen werden damit nicht mehr auf «Objekte» der humanitären Hilfe reduziert. Vielmehr wird ihnen eine partizipative Rolle innerhalb der inklusiven Katastrophenvorsorge zugesprochen. Menschen mit Behinderungen sollen aktiv an der Planung und Umsetzung von Massnahmen beteiligt sein. Ebenso wird im Abschlussdokument anerkannt, dass nach Behinderung aufgeschlüsselte Daten fehlen. So bleibt die Wirkung von Katastrophenvorsorgemassnahmen auf Menschen mit Behinderungen unklar. Die Katastrophenvorsorge soll ausserdem die Ursachen von Ungleichheit und Exklusion angehen und auf einem menschenrechtsbasierten Ansatz gründen. Und aus Gründen der Nachhaltigkeit insbesondere die lokale Ebene (lokales Wissen, lokale Partizipation und Lösungen) fördern.

Wie bereits 2017 in Cancún war die CBM mit Mirjam Gasser erneut Mitglied der Schweizer Delegation und konnte so ihre Expertise in der inklusiven Katastrophenvorsorge miteinbringen. Als Mitglied der Schweizer Delegation unterstützten wir die Schweiz zudem an deren Stand an der Innovationsplattform, die im Rahmen der GPDRR stattfindet. Mirjam Gasser repräsentierte in der Schweizer Delegation neben der CBM auch die Swiss NGO DRR Platform, bei der die CBM Mitglied ist.

CBM mit eigenem Stand an Innovationsplattform

Auch die CBM selbst war mit einem Stand an der Innovationsplattform vertreten. Dort präsentierte sie eine in Kooperation mit der Swiss NGO DRR Platform entwickelte Progressive Web App – eine Mischung aus Website und App – zum Thema inklusive Katastrophenvorsorge. Die barrierefreie App mit dem Namen i-DRR unterstützt Fachpersonen, Hilfsorganisationen, Regierungen und weitere Akteure sehr konkret darin, Massnahmen zur inklusiven Katastrophenvorsorge auf Gemeindeebene umzusetzen. Das Ziel von i-DRR ist somit auch das Schliessen von Lücken, die momentan bei der Umsetzung von Massnahmen bestehen. Die App, die für jeden Risikokontext angewendet werden kann, ist eine Sammlung von kurzen, handlungsorientierten Anleitungen: etwa zu zugänglichen Notunterkünften, Frühwarn- und weiteren Informationssystemen sowie zu Transportmitteln und -wegen.

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