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Meilensteine für Bolivien

Die augenmedizinische und -optische Versorgung hat sich verbessert. Um den Zugang für möglichst viele Menschen in Armut barrierefrei zu öffnen, benötigt es weiterhin unser starkes Engagement. Interview mit Kirsten Müller, Programmkoordinatorin der CBM Schweiz für Bolivien und Bangladesch.

Welche Augenprobleme haben die Menschen in Bolivien?

In Bolivien leben fast 100'000 vollständig erblindete Menschen, was sich in vielen Fällen hätte vermeiden lassen. Betroffene können nur eingeschränkt oder gar nicht arbeiten. Kinder haben grosse Probleme, dem Schulunterricht zu folgen. Viele wissen nicht um Behandlungsmöglichkeiten oder befürchten bei medizinischer Behandlung Operationsfehler mit Dauerschäden. Daher gehen sie nicht zum Arzt.

Augenkliniken und -ärzte hat es leider fast nur in grossen Städten; Familien auf dem Land sind meist arm und können sich lange Fahrten dorthin kaum leisten. Eine Brille ist oft unerschwinglich.

Etwa 30'000 Menschen sind am korrigierbaren Grauen Star erblindet, Tausende an zumeist vermeidbaren Netzhautschäden durch Glaukom (Grüner Star), altersbedingter Makuladegeneration oder Diabetes. Unzählige Menschen müssen ihren Alltag mit stark eingeschränkter Sehkraft bewältigen, weil ihnen eine Korrekturbrille fehlt.

Bei Kindern liegen die Ursachen für Sehbehinderungen überwiegend bei krankheitsbedingten Veränderungen während der frühkindlichen Reifung des Sehsystems, z. B. durch eine Netzhautschädigung. Sie tritt bei rund zehn Prozent der frühgeborenen Babys mit niedrigem Geburtsgewicht auf, bedingt durch eine Störung bei der Entwicklung von Blutgefässen der Netzhaut, dies aufgrund nicht richtig eingestellter künstlicher Sauerstoffversorgung.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Es herrscht grosser Mangel an augenchirurgischen und -optischen Fachkräften, geeigneten Ausbildungsmassnahmen, Ausrüstung, Technologie und einer umfassenden Strategie für die Augengesundheit der bolivianischen Bevölkerung. Bis vor fünf Jahren führten Augenärztinnen und -ärzte während ihrer Ausbildung nur gerade drei Operationen durch – internationaler Standard
wären hundert. Damit ist mangelndes Vertrauen der Bevölkerung in Augenbehandlungen nachvollziehbar.

Was hat die CBM erreicht?

Seit 2015 unterstützt die CBM Schweiz in Bolivien die augenmedizinische Hilfe und trägt sie insbesondere in ländliche Gebiete, wo Menschen üblicherweise keinerlei Zugang haben. Dazu wurde ein früheres Pilotprojekt der CBM in El Alto/La Paz auf die Regionen Tarija, Sucre und Oruro erweitert: Ausgebildete ehrenamtliche Promotoras leisten Aufklärungsarbeit in Gemeinden; Lehrkräfte führen Sehtests in Schulen durch; Spitalteams, regionale augenmedizinische und -optische Fachkräfte werden weitergebildet, um gute Behandlungen zu erbringen.

Zudem führen angehende Augenärzte am Nationalen Ausbildungsinstitut INO mindestens fünfzig durch Fachexperten beaufsichtigte Operationen durch. Parallel dazu ermöglicht die CBM Weiterbildungen in Operationstechnik. Mittlerweile operiert ein Teil der bolivianischen Augenärzte- und -ärztinnen rund acht Mal mehr als noch vor zehn Jahren. Über unsere Projekte werden Videos produziert, wodurch die Landbevölkerung von Beispielen operierter Personen erfährt und wie sich deren Leben verbessert hat. Auf Frühgeborenen-Abteilungen in La Paz, Cochabamba, Tarija und Santa Cruz werden die Augen von Frühgeborenen mittlerweile mit einer speziellen Digital-Kamera überwacht, und Bilder sogleich an Kinderaugenärztinnen und -ärzte weitergeleitet. Die Therapie von Netzhautschädigungen wird in den meisten Fällen per Laser durchgeführt und nicht mehr zwangsläufig durch Operationen. Für die dafür nötigen Geräte und die Ausbildung der Ärzte hat die CBM gesorgt.

Wie beteiligt sich der Staat?

Er bezahlt die Löhne seines Gesundheitspersonals, also auch der Augenmediziner. Mittlerweile arbeitet im Gesundheitsministerium erstmals eine Fachkraft für Augenmedizin. Sie arbeitet eng mit dem Nationalen Komitee zur Blindheitsverhütung zusammen, das unter anderem von der CBM und Projektpartnern ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass Bolivien endlich einen Nationalen Plan zur Augengesundheit, sowie ein verbindliches Vorgehen (Standard-Protokoll) für die Behandlung von Netzhautschädigungen bei Frühgeborenen in Kraft setzt.

Was plant die CBM Schweiz?

Die Augen-, Ohren- und psychische Gesundheit weiterhin zu verbessern. Inklusive Augengesundheit bleibt unser Schwerpunkt; der Zugang für Menschen mit Behinderungen ist dabei unser Hauptanliegen. Wir engagieren uns auch in der inklusiven Schulbildung sowie der Frühförderung und wollen so massgeblich dazu beitragen, dass Kinder mit Behinderungen gleichberechtigt am Unterricht teilnehmen. So verbessern sich ihre Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft. Verstärkt fördert die CBM Schweiz weiterhin die volle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an dörflichen, regionalen und landesweiten Entwicklungsprozessen, insbesondere über Selbstvertretungsorganisationen. Unseren Spenderinnen und Spendern danke ich an dieser Stelle ganz herzlich. Durch Ihr treues Mittragen bewirken Sie erfreuliche und dringend notwendige Entwicklungen für Personen in Armut und mit Behinderungen, und bewahren Menschen vor Sehbehinderung und Blindheit!

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