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Hilfe aus Thalwil für Menschen in Madagaskar

16. Juni 2018

Zürichsee-Zeitung - Menschen mit Behinderungen werden in Madagaskar oft ausgegrenzt und alleingelassen. Eine Entwicklungsorganisation aus der Region will das ändern.

Porträt von Noroniaina Clarisse Rakoto, Holiniaina Rakotoarisoa und Michael Schlickenrieder
Noroniaina Clarisse Rakoto, Holiniaina Rakotoarisoa und Michael Schlickenrieder vor dem CBM-Standort in Thalwil. Bild: Manuela Matt

Madagaskar war kürzlich zu Besuch in Thalwil. Zwei Leiterinnen von madagassischen Nichtregierungsorganisationen (NGO) besuchten die Entwicklungsorganisation Christoffel-Blindenmission (CBM). Holiniaina Rakotoarisoa ist die Gründerin und Leiterin von Merci und Noroniaina Clarisse Rakoto leitet das Bildungsprojekt Mahay der reformierten Kirche Madagaskars.

Das im Indischen Ozean liegende Madagaskar ist der grösste Inselstaat Afrikas mit rund 25 Millionen Einwohnern, wovon 70 Prozent unter der nationalen Armutsgrenze leben. Wie viele Madagassen eine Behinderung haben, wisse man nicht, sagt Holiniaina Rakotoarisoa. «Aufgrund kultureller Stigmata werden die meisten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder von ihren Familien gar versteckt.» Sie schätzt die Anzahl an Personen mit Seh-, Hör-, körperlichen, geistigen und psychischen Behinderungen auf rund 1,6 Millionen.

Betroffene identifizieren

«Wir wollen Menschen mit Behinderungen in Madagaskar sichtbar machen», sagt die 36-Jährige, welche selber mit einer Sehbehinderung lebt. Seit 2014 identifizieren die Mitarbeiter von Merci in der Hauptstadt Antananarivo und den umliegenden Siedlungen Betroffene. In einem zweiten Schritt werden deren Bedürfnisse aufgenommen und die Personen, wenn nötig, an weitere Institutionen verwiesen. Das Ziel der NGO ist es, bis 2020 900 Erwachsene und Minderjährige zu erreichen. Ausserdem klärt Merci die Bevölkerung über die Rechte von Personen mit Behinderungen auf.

Gemäss einer Unicef-Studie sind in Madagaskar 25 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen nicht eingeschult. Noroniaina Clarisse Rakoto, Leiterin von Mahay, schätzt, dass darunter rund 200 000 Kinder mit Behinderungen sind. Mehrere Faktoren versperren ihnen den Zugang zur Bildung, meint die 65-Jährige. «Einerseits das diskriminierende Verhalten der Lehrpersonen und der anderen Eltern, andererseits die Tatsache, dass es den Lehrern auch an der spezifischen Ausbildung fehlt.» Sonderschulen seien teuer und es gebe nur wenige.

Bis 2020 sollen mithilfe des Projekts Mahay in drei Bezirken 563 Mädchen und Knaben in reguläre Schulen integriert werden. 168 Lehrpersonen sollen in inklusiver Bildung und 40 Lehrer in Frühförderung weitergebildet werden. «Die Kinder, deren Behinderungen es zulassen, am Unterricht teilzunehmen, kommen so unter Gleichaltrige und haben die Chance auf ein selbstständiges Leben», sagt Rakoto. Eine Woche lang waren die zwei Frauen in der Schweiz, um sich mit anderen NGO und der CBM über Entwicklungszusammenarbeit, welche die Anliegen von Menschen mit Behinderungen gezielt berücksichtigt, auszutauschen. «In der Schweiz hat der Staat eine viel stärkere Rolle in der Förderung von Menschen mit Behinderungen. Bei uns beginnt die Regierung erst jetzt, dort ihre Aufgaben wahrzunehmen», sagt Noroniaina Clarisse Rakoto.

CBM unterstützt die zwei Projekte mit Spendengeldern. Für Merci wurde für 2018 bis 2020 220 000 Franken gesprochen, Mahay 490 000 Franken. Ausserdem hilft die Projektabteilung in Thalwil bei der Koordination der Projekte. Dabei sei es der CBM wichtig, dass die Zusammenarbeit mit den beiden NGO auf Augenhöhe geschehe, sagt Michael Schlickenrieder, Mediensprecher der CBM. «Wir lernen von ihnen, sie von uns. Als lokal verankerte Organisationen kennen sie die Gegebenheiten in Madagaskar viel besser als wir. Ziel ist es, dass sie die Projekte einst alleine führen können.»

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