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Reformierte sind hier Bildungsprofis

31. August 2018

reformiert. - In Madagaskar gibt es eine grosse reformierte Kirche, die dieses Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. An ihren Schulen sollen jetzt auch Kinder mit Behinderungen aufgenommen werden. Noroniaina Rakoto berichtet.

Im alten botanischen Garten von Zürich aufgenommenes Porträt einer Frau aus Madagaskar.
«Nennen Sie mich Noro»: Joseph Noroniaina Clarisse Rakoto. Foto: Stephan Rappo

Joseph Noroniaina Clarisse Rakoto ist auf Besuch in Zürich. Joseph könnten in Madagaskar Männer wie Frauen heissen, erklärt die Pädagogin und Pfarrfrau: «Nennen Sie mich einfach Noro», fügt sie an.

In ihrer reformierten Kirche in Madagaskar ist Noro Rakoto für den Bildungsbereich zuständig. In dieser Funktion betreut sie auch ein Projekt der CBM Schweiz (Christoffel Blindenmission). Das Ziel: Kinder mit Behinderungen sollen den Regelunterricht der kirchlichen Schulen besuchen können.

Inklusion, die umfassende gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, beschäftigt die 57-jährige Pädagogin schon seit über zehn Jahren. «Als ich an einer internationalen Konferenz davon erfuhr, hat mich der Gedanke sofort überzeugt», erzählt sie.

Von klein auf einüben

Für Rakoto war klar: Am besten beginnt die Inklusion bei den Kindern. Damit das Zusammenleben von klein auf selbstverständlich wird. Aber auch, da in abgelegenen Gegenden Madagaskars Kinder mit Behinderungen nur so überhaupt eine Schule besuchen können.

Es gibt zwar einige Sonderschulen auf der viertgrössten Insel der Welt. Für viele Kinder aber sind sie unerreichbar. Madagaskar ist mehr als zweieinhalbmal so gross wie die Insel Grossbritannien und eines der ärmsten Länder der Welt. Rakotos Kirche ist ein Bildungsprofi. Gegen 600 Schulen betreibt sie im Land.

«Auch bei uns gibt es Widerstände gegen inklusive Modelle», erzählt die Pädagogin. Einige Schuldirektoren und Lehrer fürchten, die Aufnahme von Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung könnte die Fortschritte der anderen Schülerinnen und Schüler beeinträchtigen. Vorerst läuft das Projekt in drei Gegenden im Zentrum des Landes. In 36 Schulen, die sich dezidiert engagieren wollen. Deren Lehrerinnen und Lehrer erhalten eine sonderpädagogische Ausbildung und lernen unter anderem auch Gebärdensprache.

Erste Erfahrungen machen

«Wir sind erstaunt, wie gut die Kinder im Unterricht mitkommen», berichtet Rakoto über die ersten Erfahrungen. Seien die Kinder erstmal da, werde auch rasch erkannt, wenn sie medizinische Hilfe von der CBM benötigten. Blinde Kinder werden zurzeit noch nicht aufgenommen. Die Kirche vermittelt sie weiter an die drei Spezialinternate, welche die CBM im Land führt.

Das ausgedehnte Schulwesen der reformierten Kirche in Madagaskar hat seine Ursprünge in der Mission. Die FJKM ist 1968 aus dem Zusammenschluss dreier Kirchen entstanden, deren Anfänge auf eine britische und zwei französische Missionsgesellschaften zurückgehen. FJKM steht für «Fiangonan’i Jesoa Kristy eto Madagasikara», wie die «Église de Jésus-Christ à Madagascar» auf Malagasy heisst.

Rakoto ist stolz auf ihre Kirche, die in diesem Jahr den 50. Geburtstag feiert. «Frauen etwa wurden von Anfang an zum Amt zugelassen», sagt sie. Heute hat die FJKM 1500 Pfarrer und 350 Pfarrerinnen.

Warten auf die Backsteine

Die Bildungsfachfrau ist auch begeisterte Pfarrfrau. Ihr Mann ist Pfarrer im Dorf Mandrarahody nahe der Hauptstadt Antananarivo. Wie seine Kollegen und Kolleginnen erhält er einen Lohn, der knapp zum Leben reicht. Vor zwei Jahren sind die Rakotos ins Dorf gekommen und haben gleich mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen – die alte war marode und viel zu klein.

Die Madagassin zeigt Fotos: Die Mauern der Kirche stehen, sie sollen noch höher werden. Manchmal dauert es, bis irgendjemand neue Backsteine beisteuern kann. Der Samstag sei Bautag, alle aus der Gemeinde würden mithelfen, erzählt Rakoto. Und sie fügt an: «Das Dach macht uns noch Sorgen, es wird einiges kosten.»

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