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Schüler ertasten sich neue Erkenntnisse

26. April 2018

Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch - «Schüler erleben das Blindsein» lautet ein Projekt, in dem Kinder das Leben blinder Menschen in Armutsgebieten kennenlernen und ihre eigenen Sinne schulen.

Ein Mädchen, im CBM-Erlebnismobil mit Milchglasbrille und Langstock, tastet mit den Händen das Innere einer Kiste ab.
Sara sieht wegen einer Brille, welche den «grauen Star» simuliert, so gut wie nichts: Ganz schön mühsam, so etwas zu suchen. Foto: Bernadette Waser

Der Montagmorgen begann für die Kinder der Klasse 3b vom Schulhaus Moosmättili mit einer besonderen Lektion auf dem Pausenplatz. Beat Schneider von der «CBM Christoffel Blindenmission» zeigte ihnen, was es bedeutet, in einem armen Land zu leben und am «grauen Star» zu leiden.

Im Erlebnismobil durften die Drittklässler das auch erfahren. «Da braucht ihr nur euren Tastsinn, und den Blindenstock», erklärte Beat Schneider. «Die Gegenstände könnt ihr in die Hand nehmen. Keine Angst, sie sind nicht gefährlich.» Um den grauen Star zu simulieren, erhielten alle eine Brille mit trüben Gläsern und einen Blindenstock, den sie tastend vor sich hin schwangen. Die Mädchen waren vorsichtig. Sven wagte sich bis zum Wiesenbord vor. «Ich sehe etwas Farbiges», berichtete er. Neugierig und ohne zu zögern betrat er danach das Erlebnismobil.

Wie Nebel

Im abgedunkelten Raum liess die Starbrille kein Licht mehr durch. Die Kinder waren blind. Sven ertastete beim Eingang einen Absatz, beim Weitergehen Steine und an der Wand eine Bank mit Körben. Er griff in einen hinein und zog lachend eine Schoppenflasche heraus. Zielstrebig ging er durch den Fadenvorhang hindurch zum Ausgang. Auch Sara tastete sich vorwärts. Vorsichtig näherte sie sich einem Brunnentrog, kam mit Wasser und den Blättern einer Pflanze in Berührung, tastete die Umgebung ab und drehte einen Korb um. Ein weiteres Mädchen, Svenja, war beim Brunnen angekommen. Sie spürte die Blätter beim Brunnen und das Wasser darin. Beim Ausgang wurde es hell. Die Sonne schien. «Es ist wie Nebel», beschrieben die Kinder das Erlebte. Das ist der graue Star. Die Wahrnehmung verändere sich, wenn man nichts sieht, erklärte Moderator Schneider. Danach durften alle das Mobil ohne Brille und Blindenstock nochmals besuchen. «Beim ersten Mal habe ich im Wasser etwas an meiner Hand gespürt. Aber den Frosch habe ich nicht gesehen», erzählte Sara. Und Svenja sagte: «Wenn ich gewusst hätte, dass ein Frosch im Brunnen ist, hätte ich vielleicht Angst gehabt.»

Bei der Weiterarbeit mit Klassenlehrerin Yvonne Thali versuchte Sven mit verbundenen Augen ein Elefantenpuzzle zusammenzusetzten. «Das schaffe ich nicht!» – «Nicht aufgeben», ermunterte die Klassenlehrerin. «Jetzt habe ich es», freute er sich während er den Rüssel an den Kopf steckte. Beim Posten «Formenmemory» musste er die Klötze richtig versorgen. Das Schüttelmemory erforderte ein gutes Gehör. Die Versuchung war allerdings gross, zwischendurch die Augenbinde abzulegen. «Es ist halt schwierig auszuhalten, dass man nichts sieht», erklärte Yvonne Thali.

Viel Heil für wenig Geld

Im Schulzimmer gab es einen eindrücklichen Film über einen zehnjärhigen blinden Knaben aus Uganda. CBM half ihm mit einer Augenoperation, die inklusive Nachbehandlung gerade mal 180 Franken kostete. Weiter ging es mit einem Klassengespräch und Comic-Heftchen zum Thema Behinderung. Den grössten Eindruck machte den Kindern aber das Erlebnismobil. «Es ist schön, wenn man einmal etwas aus einer anderen Sicht machen kann. Es ist wie in einen anderen Körper zu schlüpfen», brachte es Sara auf den Punkt.

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