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Weitsicht für Klarsicht

27. April 2018

Doppelpunkt - Um klar zu sehen, benötigt der Mensch durchsichtige und flexible Linsen. Sie können im Alter trüb werden, was zum grauen Star führt. Das geschieht in Asien und Afrika durch Mangelernährung und starke UV-Strahlenbelastung um Jahre früher als bei uns. Das hat bei Nichtbehandlung fatale Folgen für die Betroffenen und deren Umfeld wie der Fall einer jungen Familie in Burkina Faso dokumentiert.

Porträt einer Familie aus Burkina Faso. Die Mutter ist am Grauen Star erkrankt.
Der Kleinbauer Mamadou Konaté (52) und seine Frau Aïcha (32) mit ihren Kindern Awa (10) und Aminatou (4) vor ihrem Haus.

Aïcha Konaté, Mutter dreier Kinder und Bäuerin im Westen von Burkina Faso, war gut 30 Jahre alt, als sich ihre Sehfähigkeit verschlechterte. Sie nahm die Kontraste weniger wahr, sah ihre Umgebung wie durch einen Nebel und die Augen wurden empfindlich gegen Sonnenlicht. Die junge Frau konnte ihren Mann, ein Kleinbauer, nicht mehr bei der Feldarbeit unterstützen, und mit der Zeit vermochte sie in ihrem Backsteinhaus auch nicht mehr zu kochen. Die massive Sehbehinderung führte auch zu starken Kopfschmerzen. Deshalb suchte sie schliesslich im vergangenen Jahr Hilfe in der nahe gelegenen Augenklinik. Dort erklärte man der 32-Jährigen nach einer kurzen Untersuchung, dass sie am grauen Star leide und ihre Augen operiert werden müssten, sonst erblinde sie vollständig.

Diese Augenklinik in der Region Nouna hat 1,8 Millionen Menschen zu versorgen und ist dadurch ständig überlastet. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO kommen 90 Prozent aller Sehbehinderungen in Entwicklungsländern vor. Die Gründe dafür sind zahlreich. Während der graue Star weltweit überwiegend eine Alterserkrankung ist, leiden in Entwicklungsgebieten aufgrund von Mangelernährung und Infektionen jedoch auch zahlreiche Kinder am grauen Star. Bei kleinen Kindern ist der graue Star mit erheblichen Risiken verbunden, denn das Gehirn gewöhnt sich an die Sehschwäche, als sei sie angeboren. Wenn bei Kindern zu lange gewartet wird mit der Operation, kann sich deren Sehvermögen nicht mehr vollständig aufbauen. Werden die trüben Linsen zu spät durch künstliche ersetzt, kann ein Kind sogar blind bleiben. Einmal erblindet, akzentuiert die Blindheit die Armut und diese wiederum erhöht das Risiko, noch weitere Behinderungen zu erleiden.

Operation zu teuer

Ein Augenarzt untersucht mithilfe eines optischen Geräts das linke Auge einer Frau.
Der Augenarzt Abdramane Diarra, der Aïcha operiert hat, bei der Kontrolle.

Aïcha Konaté hatte Glück im Unglück. Die nächste erreichbare Augenklinik wird von der CBM Christoffel Blindenmission unterstützt. Deshalb sind Behandlungen und Operationen auch für arme Familien erschwinglich. Ist eine Familie aber mittellos, so werden die Kosten von der CBM übernommen. Eine solche Operation kostet 50 Franken und dauert pro Auge 15 Minuten. Bei Kindern, die grundsätzlich eine Vollnarkose benötigen, kommt eine Operation auf 180 Franken zu stehen. Die Familie hätte sich diese Operation für Aïcha nicht leisten können. Hinzu kommt der erschwerende Umstand, dass der Augenarzt Abdramane Diarra vollständig überlastet ist, weil die Wartelisten für Operationen permanent anwachsen. Nachdem Aïcha Konaté das zweite Auge operiert wurde, verbesserte sich der Zustand der 32-jährigen Mutter rasant.

Volle Sehkraft

Nach ihrer Operation am Grauen Star hält die Mutter die Hände ihrer Tochter. Beide sitzen auf einem Stuhl und strahlen.
Die überglückliche Mutter Aïcha, die ihre Tochter Awa nach der Operation endlich wieder klar sehen kann.

Heute verfügt sie wieder über die volle Sehkraft, hilft ihrem Mann auf dem Feld und versorgt ihre Kinder wie früher. Für sie ist es wie ein Wunder, dass zwei kleine Operationen von je 15 Minuten Dauer ein ganzes Leben ändern können. Laut CBM-Mitarbeiter Michael Schlickenrieder, der im Februar in Burkina Faso auf Projektreise war und Aïcha Konaté traf, besteht in Burkina Faso mit seinen gut 20 Millionen Einwohnern ein grosses Informations- und Wissensmanko. «Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie am grauen Star erkrankt sind und dieser behandelt werden kann.» Fehle zudem das Geld für einen Augenarzt oder -chirurgen, habe das später fatale Folgen für die ganze Familie. Sie stehen in keiner Proportion zur Gegenmassnahme. Denn die Operation des grauen Stars ist der weltweit am meisten verbreitete Routineeingriff.

In Burkina Faso hat nun die CBM die Augengesundheit in der Region Nouna verbessert. Die bestehende Augenklinik hat einen Neubau erhalten, der im Bereich Augenheilkunde als Kompetenzzentrum für Gesundheitsposten in der umliegenden Region dient. Zusätzlich werden Sensibilisierungskampagnen für die Bevölkerung und Reihenuntersuchungen in Schulen ermöglicht. Jährlich werden rund 800 Patienten in der Klinik in Nouna und umliegenden Gesundheitsposten am grauen Star operiert. 2016 hat die CBM weltweit 433'000 Operationen am grauen Star ermöglicht, davon 11'749 an Kindern. Und seit 1966 wurden sagenhafte 13 Millionen Operationen am grauen Star finanziert.

Derselbe Artikel wurde auch in der Zeitschrift «Sonntag» publiziert.

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