Flächendeckende und inklusive Gesundheitsversorgung

Die WHO hat die flächendeckende Gesundheitsversorgung als Thema für den Weltgesundheitstag vom 7. April ausgewählt. Ihr Appell: Jeder Mensch soll Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen können. Die CBM Christoffel Blindenmission fordert, dass Gesundheitsdienste inklusiv gestaltet werden müssen, damit auch Menschen mit Behinderungen Zugang dazu haben.

Ein Mann untersucht mit einer Lampe das Auge eines Jungen, neben dem ein weitere Junge sitzt. Im Hintergrund ist deren Vater.
Feldmitarbeitende der CBM-Partnerklinik führen regelmässig Reihenuntersuchungen in abgelegenen Dörfern durch, um Menschen mit Augenleiden frühzeitig zu identifizieren und zu behandeln.

Eine Milliarde Menschen haben gemäss Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Behinderung. Die WHO geht davon aus, dass ein Fünftel der ärmsten Bevölkerung der Welt mit einer Behinderung lebt. Der Zusammenhang zwischen Behinderung und Armut ist für die Entwicklungszusammenarbeit deshalb von grosser Bedeutung: «Will man in Armutsgebieten Behinderungen heilen oder verhindern, sind eine inklusive Gesundheitspolitik der Regierung ebenso wie inklusive Gesundheitsprogramme und -dienste aller Entwicklungsorganisationen unabdingbar», so Hansjörg Baltensperger, Geschäftsleiter der CBM Christoffel Blindenmission Schweiz.

Spätestens seit der Verabschiedung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Dezember 2006 besteht ein internationaler Konsens darüber, dass Menschen mit Behinderungen dieselben Rechte zustehen wie allen anderen Menschen auch: vom Recht auf Gesundheit und Bildung bis hin zur kulturellen und politischen Partizipation. 

Barrieren für Menschen mit Behinderungen

In der Realität allerdings behindern zahlreiche Barrieren den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu allgemeinen und behinderungsspezifischen Gesundheitsdiensten: Fehlende Rampen und Fahrstühle, schlechte Signalisierung und unzureichend ausgestattete sanitäre Anlagen sind solche Barrieren. Zudem befinden sich in Entwicklungsgebieten die meisten Gesundheitseinrichtungen in Städten oder Ballungsräumen, weshalb auch nicht bezahlbare oder nicht barrierefreie Verkehrsmittel ein Hindernis für Menschen mit Behinderungen darstellen.

Auch negative Einstellungen oder Fehleinschätzungen von Behördenmitarbeitenden und medizinischen Fachkräften können in Zusammenhang mit Behinderungen zum Problem werden. Und selbst wenn medizinische Leistungen in Anspruch genommen werden, kann die Qualität dieser Leistungen unzureichend sein: Beispielsweise ist die Annahme, Menschen mit Behinderungen seien sexuell nicht aktiv oder zeugungsunfähig, weit verbreitet. Dies führt dazu, dass Frauen und Mädchen mit Behinderungen regelmässig aus der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsfürsorge ausgeschlossen werden.

Ein weiterer wichtiger Grund dafür, dass Menschen mit Behinderungen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten, sind nach wie vor die hohen Kosten für medizinische Leistungen, oder auch für die Medikamente und Verkehrsmittel, die sie benötigen.

Wenn politische Ziele festgelegt werden, hat die Bereitstellung spezifischer Gesundheitsprogramme und -dienste für Menschen mit Behinderungen oft keine Priorität. In Entwicklungsgebieten erhalten zum Beispiel nur 5 bis 15 Prozent der Menschen mit Behinderungen Hilfsmittel wie Rollstühle oder Hörgeräte, die eine wesentliche Erleichterung für sie darstellen. Ausserdem wird das Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit Behinderungen auf gesetzlicher und politischer Ebene vielfach beschnitten. So können sie oft nicht selbst über ihre medizinische Versorgung entscheiden und urteilen. 

Die CBM fordert deshalb zum Weltgesundheitstag vom 7. April, eine Gesundheitspolitik sowie Gesundheitsprogramme und -dienste zu fördern, welche die Anliegen von Menschen mit Behinderungen gezielt berücksichtigen. Das kann vor allem dadurch erreicht werden, wenn sich Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligen können. 

Inklusive Augenarbeit

Die CBM engagiert sich stark in der Blindheitsprävention und -bekämpfung. Daher wurde die Inklusion von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in augenmedizinischen Projekten zur (erfolgreichen) Pionierarbeit. In Zusammenarbeit mit anderen weltweit in der Augengesundheit tätigen Organisationen hat die CBM eine Wegleitung mit Massnahmen entwickelt, wie inklusive augenmedizinische oder auch andere Programme aussehen können. 

Ein CBM-Programm, das inklusive Augenarbeit umsetzt, befindet sich im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh in dessen Hauptstadt Bhopal. Fachkräfte befreien ältere Menschen vorwiegend vom Grauen Star, bei Kindern untersuchen und behandeln sie möglichst frühzeitig Sehstörungen. Bewusstseinsbildungsprogramme machen die Bevölkerung auf die Gefahren von Augenerkrankungen aufmerksam. Um auch Personen mit anderweitigen Behinderungen oder älteren Menschen den Zugang zur Augengesundheit zu ermöglichen, wird die Zugänglichkeit gefördert: So wurden beispielsweise Rampen und Geländer angebracht. Spitalmitarbeitende erhalten Aufklärung über die Bedürfnisse und Rechte von Menschen mit Behinderungen. Und Informationen über die Dienstleistungen im Spital werden so ausgerichtet, dass auch gehörlose oder sehbehinderte Menschen davon Gebrauch machen können. Zehn Augenärzte behandeln und operieren zudem nicht nur im Spital, sondern regelmässig auch während Aussendiensten in den umliegenden Bezirken, um betroffene und vor allem ärmere Personen auch in abgelegenen Gegenden zu erreichen.

 

Über die CBM
Die CBM Christoffel Blindenmission ist eine unabhängige, christliche Entwicklungsorganisation und weltweit in Entwicklungsgebieten tätig. Seit über 100 Jahren hilft die CBM blinden und anders behinderten Menschen – ohne Ansehen von Nation, Ethnie, Geschlecht oder Religion. Die elf Ländervereine der CBM fördern gut 600 Entwicklungsprojekte in rund 50 Ländern. Die CBM ermöglicht das Verhüten und Heilen von Blindheit sowie anderen Behinderungen und bildet einheimische Fachkräfte aus. Die CBM ist von der ZEWO anerkannt, führt das Gütesiegel und ist Partnerorganisation der Glückskette.

Kontakt
Michael Schlickenrieder, Fachverantwortlicher Medien und Online
Tel. 044 275 21 65
michael.schlickenrieder@STOP-SPAM.cbmswiss.ch

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