Dem Grauen Star den Kampf angesagt

Dr. Abdourhamane Diarra ist der einzige Augenchirurg für 1,8 Millionen Menschen in der Region Boucle du Mouhoun im Westen von Burkina Faso. Wie er und sein Team täglich herausgefordert sind und wie es um Sehbehinderungen in Burkina Faso steht, berichtet er im Interview.

Porträt eines Augenchirurgen aus Burkina Faso. Neben ihm steht ein optisches Gerät.
Dr. Abdourhamane Diarra: «Denjenigen helfen zu können, die dringend Hilfe brauchen: Das motiviert mich Tag für Tag.»

Seit wann arbeiten Sie in der Augenklinik in Nouna?

Seit 2003. Von 1995 bis 1999 war ich Allgemeinmediziner. Danach absolvierte ich in Mali meine Ausbildung zum Augenchirurgen– dank der finanziellen Unterstützung durch die CBM. Im Jahr 2003 kehrte ich wieder nach Burkina Faso zurück und wurde hier in der Augenklinik in Nouna als praktizierender Augenchirurg eingestellt. 

Welche Augenleiden haben die Patientinnen und Patienten Ihrer Klinik?

Sehr viele. Das, was bei uns dominiert, sind Infektionen, besonders Bindehautentzündungen. Daneben aber natürlich der Graue Star. Wir operieren hier sehr viele Menschen, die am Grauen Star erkrankt sind. Die grosse Mehrheit der Operationen sind Eingriffe am Grauen Star. Daneben behandeln wir auch den Grünen Star und Trachom. Es gibt auch Fälle von Augentraumata, und noch weitere. Die Bandbreite an Augenkrankheiten ist in unserer Region und in Burkina Faso sehr gross. 

Gibt es eine Tendenz bezüglich der Untersuchungen und Operationen, die Sie durchführen: Werden es mehr oder weniger?

Wir führen immer mehr Untersuchungen und Operationen durch. In der Region Boucle du Mouhoun [Nordwesten von Burkina Faso], zu der auch Nouna gehört, bin ich für die 1,8 Millionen der einzige Augenchirurg. Der Bedarf an Augenoperationen bei uns ist deshalb riesig. Zudem erreichen wir dank der Unterstützung eine hohe Qualität. Unser guter Ruf strahlt in sämtliche Landesteile und ins nahe Ausland aus. So kommen Menschen aus ganz Burkina Faso und regelmässig auch Personen aus Mali und der Elfenbeinküste zu uns, um sich operieren zu lassen. 

Was ist mit Kindern: Gibt es viele, die sie operieren?

Es gibt viele Eltern, die mit ihren Kindern kommen. Aber da gibt es ein Problem: Wir bieten nur lokale und keine Vollnarkosen an, die für Kinder eigentlich zwingend wäre. Bei Kindern ab sechs, sieben Jahren versuchen wir, zusammen mit den Eltern, abzuschätzen, ob das Kind auch ohne Vollnarkose operiert werden kann. Falls das Kind in der Lage ist für eine Augenoperation ohne Vollnarkose, führen wir diese durch. Wenn das Kind noch zu jung ist oder wir uns aufgrund des Zustands des Kindes dagegen entscheiden, verweisen wir die Familie an eine Klinik, die Augenoperationen unter Vollnarkose durchführen kann. Wir führen jedoch Augenuntersuchungen an Kindern durch. Und wir haben sehr viele Kinder als Patienten. Besonders häufig sind auch bei ihnen Fälle von Bindehautentzündungen.

Ein Augenchirurg während einer Operation.
Rund 800 Personen mit Grauem Star pro Jahr operiert Dr. Diarra in der Klinik in Nouna und in regionalen Gesundheitsposten.

Sie operieren nicht nur in der Augenklinik in Nouna, sondern auch auf sogenannten Gesundheitsposten.

Ja, genau. Die Region Boucle du Mouhoun ist unterteilt in sechs Distrikte. Nouna gehört zu einem dieser Distrikte. In den fünf anderen Distrikten führen wir je einen Gesundheitsposten, in denen ich regelmässig operiere. Dadurch kommen wir den Menschen entgegen. Denn viele von ihnen können sich bereits schon die Transportkosten nach Nouna nicht leisten. Durch die Gesundheitsposten müssen die Menschen nicht so weit anreisen. 

Wie werden die Menschen in darauf aufmerksam gemacht, dass Sie mit Ihrem Team gerade in einem regionalen Gesundheitsposten sind?

Wir informieren die Menschen über verschiedene Kommunikationswege: etwa Radio, Kirchen, Moscheen und Märkte. Wir sagen, über welchen Zeitraum wir wo genau sind und die Menschen kommen dann. 

Welchen Herausforderungen steht die Klinik gegenüber?

Wir möchten gerne unser Team vergrössern. Wir sind nicht viele – zu wenige, wenn man sich die Anzahl an Menschen mit Augenkrankheiten betrachtet. Vor allem auch, wenn wir die gute Qualität, die wir erreicht haben, weiterführen möchten. Besonders dringlich ist es hierbei, einen weiteren Augenchirurgen einzustellen. Denn: Wir möchten die Anzahl an Untersuchungen und Operationen stetig steigern. Ganz einfach deshalb, weil es das braucht. Hierzu versuchen wir, auch den Staat davon zu überzeugen, dass wir unbedingt mehr Personal benötigen.

Bei Augenleiden sollten Menschen schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Viele Menschen kommen jedoch sehr spät oder gar zu spät in die Klinik oder auf einen der regionalen Gesundheitsposten. Weshalb?

Ja, leider gibt es viele Menschen, die mit weit fortgeschrittenen Augenleiden zu uns kommen. Ausser beim korrigierbaren Grauen Star kann der Sehverlust vielfach nur noch aufgehalten werden und die Schmerzen gelindert werden. Es gibt ein Wissensdefizit. Viele Menschen wissen nicht, dass etwa die Erblindung durch den Grauen Star heilbar ist. Doch der Hauptgrund ist ein anderer: Die grosse Mehrheit der Menschen kann sich eine Augenuntersuchung, geschweige denn eine Augenoperation in einem gewöhnlichen Spital nicht leisten. Dank der CBM haben wir jedoch die Möglichkeit, mittellose Menschen zu operieren. Wir versuchen gemeinsam mit den betroffenen Menschen zu schauen, wie viel der Kosten sie selbst tragen können, und übernehmen dann den Rest.

Aussenansicht der Augenklinik in Nouna, Burkina Faso.
Dank CBM-Spenderinnen und -Spendern konnte der Neubau der Augenklinik 2017 fertiggestellt werden.

Seit Sie hier als Augenchirurg arbeiten, gab es da eine Geschichte, die Sie besonders berührt hat?

Ja, da gab es viele. Eine Situation hatte mich aber besonders berührt: Eines Tages habe ich eine ältere Frau operiert, die am Grauen Star erblindet war. Und als wir am nächsten Tag den Augenverband abgenommen haben, war sie so überwältigt von der zurückgekehrten Sehkraft, dass sie vor Glück zu schreien begann und sagte, dass sie soeben wiedergeboren worden ist. Sie begann sogar zu tanzen, so glücklich war sie! 

Was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

Zunächst ist es die Liebe zur Arbeit, die ich mache. Dann aber vor allem die Nächstenliebe. Denjenigen helfen zu können, die dringend Hilfe brauchen.

Möchten Sie einige Worte an unsere Spenderinnen und Spender richten?

Gerne. Es ist der Verdienst der CBM, dass wir der Bevölkerung in Nouna und der Region unsere augenmedizinischen Dienste anbieten können. Oder auch der Neubau der alten Augenklinik, die 1952 errichtet worden und allmählich an ihre Grenzen stiess, war nur durch die CBM-Unterstützung möglich. Dass wir gut ausgebildete Fachkräfte sowie einen qualitativ hohen und modernen Standard haben, verdanken wir ebenso der CBM. In diesem Sinne: Herzlichen Dank an die CBM sowie ihre Spenderinnen und Spender, dass sie uns und damit die 1,8 Millionen Menschen in der Region Boucle du Mouhoun unterstützen!

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