Helfen Sie jetzt

Die CBM Christoffel Blindenmission verwendet auf ihrer Website Cookies. Indem Sie diese Website nutzen, erklären Sie sich damit einverstanden. Erfahren Sie mehr in unseren Datenschutzhinweisen.

Akzeptieren

Endlich wieder Mensch sein!


Sie sind ihren Familien und Freunden fremd geworden, und sogar sich selbst. Zurück in die Gemeinschaft finden sie dank der psychiatrischen Grundversorgung, die von der CBM Schweiz gefördert wird. Michael Schlickenrieder, Verantwortlicher für Medien und Online, hat in Burkina Faso Menschen mit Behinderungen besucht, die von der CBM Schweiz unterstützt werden.

Ihre Stimme klingt klar und sanft, sie blickt fröhlich und lacht gerne. Das Baby einer Nachbarin auf dem Schoss, erzählt Taïta Rosalie ihre Geschichte. Ein Hahn kräht, und zufrieden gackern Hühner vor dem Häuschen im Süden Burkina Fasos. Doch die 51-jährige Frau hat beängstigende Jahre hinter sich. Begonnen hatte es, als sie mit ihrem Mann im Nachbarland Elfenbeinküste arbeitete.

Auf einen Schlag

Eine Frau aus Burkina Faso lächelt in die Kamera und hält eine mit Bananen belegte Schale in ihren Händen.
Befreit von peinigenden Wahnvorstellungen, bietet Taïta Rosalie heute Früchte feil.

«Mir war plötzlich schwindlig, und kurz darauf nahm ich einen eigenartigen, unangenehmen Geruch wahr.» Von da an konnte sie tagelang nicht schlafen und wurde regelmässig von Halluzinationen heimgesucht. Diese hörte, sah und spürte sie, als wären sie real: «Mich umringend, schlugen mir Nachbarskinder auf den Kopf. Im Bett spürte ich Dinge auf mich fallen. Vor dem Einschlafen war mir, als würde heisses Wasser über mich gegossen. Wiederholt musste ich endlos marschieren, ohne mich je zu setzen. Oder ich hatte das Gefühl, jemand hebe mich hoch, und wenn ich schrie, fiel ich hinunter. Einmal dachte ich, ein Fremder dringe ins Haus und verschleppe meinen Mann weit weg.»

Von ihrem überforderten Ehemann verlassen, kehrte sie in ihr Heimatdorf zurück. Als erstes suchte sie den traditionellen Heiler auf. Um ihn zu bezahlen, verkaufte sie ihr Geschirr, ihre Kleider und ihre Ketten. Doch weder sich mit Baumrindenwasser zu waschen noch eine spezielle Kräutermischung zu trinken nützte etwas. Verzweifelt begann Taïta Rosalie vor sieben Jahren in der Dorfkirche zu beten: «Ich hatte nichts mehr, kein Geld für eine Behandlung, kein Velo, nichts.» Doch eines Tages wurde sie an OCADES (Organisation Catholique pour le Développement et la Solidarité) verwiesen, die ihr einen Psychiater vermittelte und dessen Kosten übernahm. Von der CBM unterstützt, kümmert sich OCADES um Menschen mit psychischen Behinderungen und mit Hörschwäche.

Heute ist Taïta Rosalie Mitglied einer Selbsthilfegruppe, die vom CBM-Partner gegründet wurde. Von einer Fachkraft wird sie zudem regelmässig besucht. Die bedrängenden Wahnvorstellungen sind verschwunden. Freudig sagt mir Taïta: «Vielen Dank für die Hilfe. Dank ihr bin ich jetzt bei bester Gesundheit und kann wieder für mich selbst sorgen!»

Jahrelang in Ketten

Ein älterer Mann aus Burkina Faso ist umringt von Kindern. Eines hält ihr in seinen Armen.
Wieder eingebettet in die Gemeinschaft – nach 22 Jahren Isolation ist das Glück zu Amadé zurückgekommen!

Erschütternd die Schicksale zweier psychisch beeinträchtigter Männer: Ihre Dorfgemeinschaften waren ratlos. Von ihrem völlig überforderten Umfeld wurden die Männer abseits angekettet. Ihre Familien brachten ihnen Nahrung und Wasser, sorgten für minimale Pflege. So verbrachte der heute 40-jährige Ousoeni Kindo drei Jahre in Fuss- und Handschellen. Der 65-jährige Amadé Ouédraogo war sogar 22 Jahre lang angekettet. «Warum machen sie das mit mir!», fragte sich Amadé. «Ich habe doch niemandem etwas Böses getan?» Weshalb er überhaupt erkrankte, weiss selbst er bis heute nicht.

Bei psychischen Erkrankungen stehen die Familien und Dörfer in den Armutsgebieten oft vor Rätseln. Weder können sie auffälliges Verhalten richtig einordnen oder erklären, noch haben sie Zugang zu fachgerechter Hilfe. Erkrankte Angehörige werden isoliert oder fortgeschickt. Die Verbannten fristen ein prekäres Dasein auf der Strasse. «Les Errants», die Umherstreunenden, werden sie in Burkina Faso genannt. Sie leben im Freien oder in behelfsmässigen Hüttchen, ihrer Erkrankung, Hunger und Infektionen ausgeliefert.

Zwei Männer sagen die Ketten eines psychisch beeinträchtigten Mannes aus Burkina Faso durch.
Einen Moment noch, und Ousoeni Kindo ist endlich frei!

SAULER «Sauvons le Rest» (Lasst uns die Restlichen retten!) heisst der jüngste CBM-Partner in Burkina Faso. Die betroffenen, meist verwahrlosten Menschen bekommen als erstes die Haare geschnitten und werden mit sauberem Wasser gewaschen. Danach erhalten sie medizinische sowie psychologische und psychiatrische Hilfe. Seit einigen Monaten geöffnet ist ein durch CBM-Spenden errichtetes Zentrum. Hier lernen die Betreuten, den Alltag wieder zu bewältigen und ins Leben zurückzufinden.

Amadé verbrachte zunächst fünf Tage im Spital, wo die Medikamente eingestellt wurden. Im Zentrum stabilisierte sich sein Zustand weiter. Heute ist er zurück in seiner Familie, bewältigt den Alltag und plaudert mit den Nachbarn. Die Angehörigen sind überglücklich und Amadé strahlt: «Endlich bin ich wieder ein Mensch!»

Ousoeni dagegen ist eben ins Zentrum eingetreten. Von den Ketten los und noch unsicheren Schrittes geht er erstmals wieder frei umher. Zudem gewaschen und frisch eingekleidet – Ousoeni fühlt sich wie neugeboren! Das Vergangene allerdings ist ihm noch sehr präsent. Nicht nur die drei Jahre als Angeketteter, auch das jahrelange Schuften in Goldminen des Landes. Wie viele griff er, um die schlimmen Arbeitsbedingungen durchzustehen, zu Aufputsch- und Betäubungsmitteln. Bei ihm führten sie zur seelischen Erkrankung. Diese überwindet er nun nach und nach. Bereits malt er sich die Zukunft aus: «Ich möchte eines Tages Tee zubereiten und ihn auf der Strasse verkaufen. Damit könnte ich wieder für mich selbst sorgen!»

Wie Sie helfen können

Bahnen Sie Menschen mit psychischen Behinderungen den Weg zurück ins Leben.

Inhalt teilen

Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite
Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite