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«Ich möchte wieder in die Schule»

«Dies ist die härteste Entscheidung meines Lebens», gesteht der 52-jährige Vater Sanu Pandit in der CBM-geförderten Kinderorthopädieklinik HRDC bei Kathmandu / Nepal. «Aber ich vertraue den Ärzten.» Beide Unterschenkel müssen amputiert werden. Eine bessere Lösung gibt es nicht, denn Yamuna könnte die Unterschenkel und Füsse weiterhin weder bewegen noch fühlen. Unter Tränen sagt Vater Sanu: «Ich bin voller Hoffnung, dass Yamuna bald wieder stehen und gehen kann.»

Porträt eines Mädchens mit körperlicher Behinderung aus Nepal
Yamuna bei sich zuhause. Lange Zeit konnte sie sich nur einige Meter rund um das Haus bewegen.

«Ich wünsche mir so sehr, endlich wieder zur Schule zu gehen», sehnt sich Yamuna seit langen Jahren. Den zwei Kilometer langen Fusspfad schaffte sie am Ende der zweiten Klasse nicht mehr. «Ihre Füsse hatten sich so sehr gegen innen gebogen und ein Geschwür am linken Fuss war derart gewachsen, dass Yamuna nicht einmal mehr stand. Sie konnte nur noch auf allen vieren kriechen», erinnert sich der Vater.

Mit neun Jahren wurde Yamuna bereits bei einer mobilen Sprechstunde unserer Klinik entdeckt und untersucht. Doch nicht Yamunas schlimme Klumpfüsse bereiteten den Orthopäden Sorge, sondern eine Beule über unteren Rückenwirbeln…

«Da war, als Yamuna geboren wurde, diese seltsame, mit Flüssigkeit gefüllte Beule», erinnert sich der Vater. «Nachbarn nannten sie ‹Sack des Fluches›, prophezeiten, ein Unheil werde uns bald ereilen. Wir waren sehr arm und konnten Yamuna nicht in ein Spital bringen. Als unsere Tochter dennoch gedieh, vergassen wir die Blase fast.» Yamuna lernte stehen, gehen und springen. «Mit drei Jahren aber klagte sie über eine Wunde beim linken kleinen Zeh. Nach einem Jahr verformte er sich und fiel ab. Einen weiteren Zeh verlor sie mit fünf. Wir begannen Geld zu sparen um Yamuna nach Kathmandu zu bringen. Doch wir konnten nicht genug auf die Seite legen.» Die Eltern arbeiten auf den Feldern eines Grossgrundbesitzers. Neben Yamuna ziehen sie noch den zwei Jahre jüngeren Karthik gross.

Ein Mädchen mit körperlicher Behinderung aus Nepal sitzt auf einer Türschwelle und hat eine Katze in den Armen. Neben ihr liegen Krücken.
Innerhalb eines Jahres hat sich Yamunas grösster Wunsch erfüllt. Dank Operation, Training, Geduld und – eisernem Willen.

Unter der Beule, stellte das Orthopäden-Team von HRDC fest, lagen Nerven frei und nahmen zunehmend Schaden. Es überwies Yamuna in eine spezialisierte Klinik, wo die Spina bifida (offener Rücken) operativ verschlossen wurde. «Wegen des dreimonatigen Spitalaufenthalts», so Vater Sanu, «zahle ich noch zwei Jahre danach Schulden ab. So habenwir Yamuna nicht ins HRDC zurückbringen können und aufgeben müssen.»

Doch dann hat HRDC zwei Rehabilitations-Fachkräfte ins entlegene Hügeldorf zu Yamuna geschickt. «Unsere Tochter», hat Mutter Lok Kumari ihnen geschildert, «kriecht hie und da einige Meter ums Haus. Mehr schafft sie nicht; ihre Beine sind sehr schwach. Einst war sie aufgeweckt und gesprächig. Heute ist sie in sich gekehrt. Wenn ihre Freundinnen zur Schule aufbrechen, leide ich sehr mit ihr. Auch ängstige ich mich wegen ihrer Zukunft.» Nach der Zusicherung, dass die CBM die Behandlung bezahlt, haben die Eltern neue Hoffnung geschöpft. Mit dem Zweierteam sind Yamuna und ihr Vater zur Klinik gefahren.

Yamuna verbringt nach der Amputation der beiden Unterschenkel sechs Wochen in der Klinik. Mittels Physiotherapie werden die Muskeln von Oberschenkel und Rumpf gestärkt. Sorgfältige Wundpflege bereitet die Stümpfe auf ihren Prothesensattel vor. Yamuna zeichnet viel, bald gilt sie als «das Mädchen mit dem Zeichentalent». Ihr gefällt es im HRDC: «Ich bin gern hier und habe gute Freunde gefunden. Sie sind für mich eine grosse Stütze.» Eine Blume malend verspricht sie fröhlich: «Die widme ich Vater und meinen Freunden!»

Eine CBM-Helferin hält die Beinstümpfe eines Mädchens aus Nepal. Hinter ihnen sitzt die Mutter des Mädchens auf der Türschwelle.
Yamuna ist heute ein aufgewecktes, fröhliches Kind.

Zwei Monate nach der Amputation erhält Yamuna ihre Prothesen. «Das ist ein sehr grosser Tag für uns», betont Vater Sanu. «Über fünf Jahre ist es her, als Yamuna das letzte Mal auf eigenen Füssen stand.» Um auf den Prothesen die Balance zu halten, muss sie alle Kräfte aufbieten, schwankt und zittert. Doch gelingen ihr am Barrenholmen bereits kleine Schritte. Tapfer kämpft sie sich voran. Dann hält sie lächelnd inne: «Ich bin so glücklich, dass ich nun die Prothesen habe!» Nach einer Woche Training darf sie nach Hause. «Ich werde weiterhin üben. Ich möchte bald zur Schule gehen, lesen und schreiben lernen und mit meinen Freundinnen spielen!»

Endlich, 10 Monate nach der Amputation ist es soweit. Yamuna hat ausreichend trainiert. Nun schafft sie den 30-minütigen Schulweg ins Tal und den stündigen Aufstieg zurück. Unter Freudentränen dankt Mutter Lok Kumari: «Wir stehen bei euch allen in der Schuld für all das, was ihr unserer Tochter geschenkt habt. Früher war Yamuna ruhelos und reizbar. Heute ist sie richtig entspannt und lächelt die meiste Zeit.» Stolz auf seine Tochter strahlt Vater Sanu: «Acht Monate ist es her, dass Yamuna ihre Prothesen bekam, und nun geht sie zur Schule. Ich bin glücklich, dass sie nicht aufgegeben hat. Jetzt schafft sie alles alleine!»

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