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Stark sein dank inklusiver Schule


«Mir gefällt Promhandicam sehr, weil es inklusiv ist», verrät Julienne fröhlich. Das 13-jährige blinde Mädchen besucht das CBM-geförderte Schulzentrum in Kameruns Hauptstadt Yaoundé seit sechs Jahren. Zusammen mit rund 300 weiteren Kindern mit und ohne Behinderungen.

Angela Niederberger, Programmverantwortliche bei der CBM Schweiz, hat Julienne und deren Kameradinnen und Kameraden im Frühling 2019 besucht: «Kinder mit Behinderungen lernen und spielen Seite an Seite mit Kindern ohne Behinderungen. Mit Respekt, Toleranz und Verständnis gehen sie miteinander um», freut sie sich. «Damit fördert Promhandicam die Inklusion in Kamerun.»

«Auch wenn ich nicht sehen kann, erkenne ich meinen Weg problemlos», lacht Julienne. Eben ist sie aus dem Schulbus ausgestiegen und geht in Richtung Klassenzimmer. Da starten hinter ihr einige Kinder ein Wettrennen. Juliennes sehende Kollegin nimmt sie an der Hand und leitet sie zur Seite. Solche Assistenzen durch Kinder ohne Behinderungen sind im Zentrum Promhandicam alltäglich. In Juliennes Klasse sind drei weitere blinde Kinder, drei mit körperlichen Behinderungen, ein Kind mit Autismus und eines mit einer kognitiven Behinderung.

Ein blindes Mädchen aus Kamerun und eine Frau aus der Schweiz stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera.
Juliennes Freude an der inklusiven Schule ermutigt Angela Niederberger.

Als Lehrer René Nkoumou eine Mathematikaufgabe diktiert, streckt Julienne auf. Sie erkundigt sich, wie das Prozentzeichen in der Punktschrift Braille geschrieben wird. Der Lehrer zeigt es ihr und den anderen drei blinden Kindern. Wann immer hilfreich, investiert er zusätzliche Zeit für die Kinder mit Behinderungen, und erteilt auch Extralektionen.

Julienne gehört oft zu den Schulkindern, die auf Fragen des Lehrers hin aufstrecken. Als er die ganze Klasse einige Testaufgaben machen lässt, gehört sie zu den ersten drei, die damit fertig werden. René Nkoumou begutachtet die Lösungen sogleich. «Deine stimmen alle», lobt er Julienne.

«Julienne ist sehr intelligent», berichtet René Nkoumou. «Sie ist schnell und gut im Schreiben der Punktschrift Braille, und gehört auch bei den Leistungstests immer zu den Besten. Sie macht dieselben Prüfungen wie alle anderen. Das bereitet sie vor auf die kompetitive Welt, die sie nach der Schule erwartet.»

Für Julienne eine Schule zu finden, war nicht leicht für ihre Familie. Sie lebt in einem Dorf drei Fahrstunden von Promhandicam entfernt. Die Mutter arbeitet als Schneiderin, der Vater als Maurer. «Im Dorf gibt es keine Schule für Kinder, die nicht gut sehen», erklärt Julienne. «Auch meine ältere Schwester sieht schlecht. Promhandicam hat uns beiden geholfen. Ich bin glücklich, hier die Schule zu besuchen. Mir gefällt das Schulzentrum, weil es jedes Kind aufnimmt. Auch diejenigen, die gar nichts sehen können. Meinen Lehrer und meine Klasse mag ich sehr. Meine Lieblingsfächer sind Biologie, Geschichte und Geografie. Ich möchte später Krankenschwester werden.»

Nach Unterichtsschluss fahren sie und weitere Kinder mit Behinderungen per Schulbus zum Wohnheim. Dort leben jene Kinder, deren Familien weit weg wohnen. «Die stark befahrenen Strassen kann ich nicht allein überqueren. Jemand muss mich an der Hand hinüberführen», erläutert Julienne. «Dank des Busses muss ich mir keine Sorgen machen, wie ich über all die Strassen zum Wohnheim komme.»

Ein blindes Mädchen aus Kamerun schreibt in einem Schulzimmer Notizen in Braille. Nahe neben ihr sitzt ein anderes Mädchen, das ihr zuschaut.
Julienne hat bei Promhandicam gelernt, in Braille zu schreiben.
Gruppenfoto einer Klasse aus Kamerun, die Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderungen hat.
Julienne fühlt sich sichtlich wohl in ihrer Klasse.


Trotz Bus kommt die körperliche Betätigung nicht zu kurz. Julienne springt auf dem Schulhof mit anderen Kindern umher, und den Sportunterricht hält Promhandicam hoch. «Meine Lieblingsdisziplin ist Rennen. Früher, als ich mit der Schule begonnen hatte, fürchtete ich mich davor, dabei hinzufallen. Doch mein Lehrer hat mit mir geübt und heute mag ich es, sogar in den Pausen zu rennen!»

Julienne absolviert das letzte Primarschuljahr und blickt positiv in die Zukunft. Promhandicam wird sie auch in den höheren Schulen und bis zum Berufsabschluss unterstützen.

Wie Sie helfen können

Ermöglichen Sie Mädchen und Jungen mit Behinderungen eine Schulbildung. Sie ebnet den Weg aus der Armut und ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben.  

Schulzentrum Promhandicam in Yaoundé/Kamerun

Ein Lehrer einer inklusiven Schule in Kamerun kontrolliert während des Unterrichts die Braille-Notizen einer blinden Schülerin.

Die CBM fördert Promhandicam seit 35 Jahren. Es hat sich dabei von einer reinen Schule für blinde Kinder zu einem inklusiven Schulzentrum für Kinder mit sämtlichen Behinderungen entwickelt. Sie lernen und spielen gemeinsam mit Kindern ohne Behinderungen.

Promhandicam bietet Kindergarten, Primarschule und ein Zentrum für Kinder mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Es betreut weiterführend Jugendliche nach dem Übertritt an Oberstufen und Gymnasien. Durch die eigene Braille-Druckerei überträgt Promhandican die Lernmaterialien der Oberstufen- und Gymnasiumsklassen mit blinden Jugendlichen wöchentlich in Braille. Die Druckerei wurde 2001 mit Unterstützung der CBM gegründet und war damals die erste in Zentralafrika. Insgesamt schult und betreut Promhandicam heute rund 200 Kinder mit Behinderungen, doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Zudem besuchen Mitarbeitende der gemeindenahen Entwicklung regelmässig die Quartiere der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé. Sie beraten und schulen Familien von Kindern mit Behinderungen, führen Fördermassnahmen durch und vermitteln medizinische, therapeutische oder schulische Dienste. Gleichzeitig setzen sie sich dafür ein, dass sich andere Schulen für Kinder mit Behinderungen öffnen und zugänglich werden. Im Blick die Vision, dass sämtliche Kinder das Menschenrecht auf Gesundheit und Bildung geniessen und sich entfalten können.

«Promhandicam fördert die Inklusion in einem Umfeld, das für das Thema Behinderung kaum sensibilisiert ist. Es bewirbt die Inklusion über sein gemeindenahes eingliederndes Programm bei Regelschulen sowie bei Familien und lokalen Entscheidungsträgern.»
Angela Niederberger, Programmverantwortliche CBM Schweiz

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