Die CBM Christoffel Blindenmission verwendet auf ihrer Website Cookies. Indem Sie diese Website nutzen, erklären Sie sich damit einverstanden. Erfahren Sie mehr in unseren Datenschutzhinweisen.

Akzeptieren

Nicht mehr übersehen!

Eine zunehmende Zahl von Menschen lebt mit psychischen Behinderungen. Die CBM baut in den Armutsgebieten kostengünstige und wirksame Dienste auf. Die Psychologin Dr. Carmen Valle gehört zum Beraterteam der CBM. Ein Interview.

Porträt einer Frau
Carmen Valle

Wo hat die CBM Fortschritte bewirkt?

Sie hat Dienste auf Dorfebene gefördert. Dafür hat die CBM Fachkräfte aller Stufen ausgebildet. So war zum Beispiel die psychiatrische Klinik Guatemalas völlig unzureichend; ein kleines und hilfloses Team, Beschimpfungen und Bestrafungen waren an der Tagesordnung. Seit wir Trainings über das Umsetzen der Menschenrechte gegeben haben, läuft Erstaunliches ab. Die Klinikangestellten sind sehr dankbar und sagen «Ja genau, das wollten wir erreichen, als wir einst begannen!»

Gleichzeitig hilft die CBM, Stigmatisierung zu überwinden und anwaltschaftliche Arbeit zu leisten. Denn der jeweilige Staat sollte sich selbst um die Dienste zur psychischen Gesundheit kümmern. Ferner ermutigt die CBM Organisationen von Menschen mit Behinderungen, psychisch beeinträchtigte Personen einzubeziehen. Diese sind bislang vergessen oder übersehen worden: «Bei uns haben wir keine verrückten Leute», wird gesagt. Auf der anderen Seite betonen manche Betroffene: «Ich bin doch nicht behindert, ich habe eine Krankheit, das ist alles!»

Was zeichnet die CBM-Arbeit aus?

Sie basiert auf den Menschenrechten. Denn als Patient muss ich nach der Diagnose wählen dürfen: Will ich diese Behandlung oder nicht, welche Assistenz möchte ich erhalten und was bedeutet mir Wiederherstellung. Um diese Rechte zu sichern, hat die CBM gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation Instrumente und Trainings entwickelt.

Bitte schildern Sie uns zwei berührende Begegnungen.

Ein Mann auf den Philippinen wurde von seiner Familie in einen kleinen Raum eingesperrt. Es hiess, er verhalte sich seltsam oder sogar aggressiv. Man wolle ihn nicht im Dorf haben. Auf solche traurigen Situationen trifft man überall auf der Welt! Wir erkannten schnell, dass dieser Mann gar nicht aggressiv war, sondern sehr freundlich. Ich fragte ihn, ob er zu mir herauskommen wolle. «Nein», antwortete er. Also sprachen wir miteinander durchs Gitterfenster. Heute erhält er Behandlung und Unterstützung, seine Familie sperrt ihn nicht mehr ein und das Dorf öffnet sich ihm gegenüber. Wir haben ihnen klarmachen müssen, dass lediglich eine Krankheit besteht, und auch er Teil der Gesellschaft sein kann.

Oder Herr Kaikai aus Sierra Leone. Er lebt mit Schizophrenie, war sehr unstabil, aber stets freundlich. Er konnte sich nicht mehr ausdrücken und sprach Wörter, die niemand verstand. Heute, nach der Behandlung, hat er eine Selbsthilfegruppe gegründet, erledigt das Sekretariat und ermutigt Betroffene. Kürzlich hat er im Radio und TV sprechen können.

Ein Mann aus Sierra Leone blickt bei Sonnenuntergang ins Meer hinaus.
Isaac Kaikai lebt mit Schizophrenie. Dank CBM-Unterstützung leitet er heute eine Selbsthilfegruppe.

Was liegt der Stigmatisierung zugrunde?

Furcht. Weil Betroffene anders aussehen und niemand weiss, was zu tun ist. Aber genauso Filme und Medien, welche Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen meist als aggressiv darstellen, befremdlich, ja als kriminell. In der Realität sind sie selten aggressiv, sondern viel häufiger Opfer von Gewalt.

Wie entsteht psychische Genesung?

Mit gemischten Massnahmen. Medikamente allein bezwingen nur einige Symptome und sind nützlich bei Psychosen und Schizophrenie. Für die Genesung grundlegend sind Liebe, Fürsorge, Hoffnung, psychologische und spirituelle Unterstützung sowie Zugang zu einer Arbeitsstelle. Zwar können Medikamente Wahnvorstellungen vertreiben, aber dennoch fühlt sich der betroffene Mensch nicht wiederhergestellt. Ein anderer nimmt keine Medikamente, lebt mit Wahnvorstellungen, fühlt sich aber genesen und wird vom Umfeld einbezogen. Man muss jeweils gut zuhören und die Nebenwirkungen eines Medikaments beobachten. Dadurch wird psychische Genesung erreicht. Ob mittels Therapie und Medikamenten oder lediglich sanfter Massnahmen wie ausgewogener Ernährung, gesunder Bewegung und beratender Begleitung.

Wie gut hilft Glaube?

Studien unterstreichen, dass Glaube die Wiederherstellung stärkt. Es ist dabei wichtig, religiöse Autoritäten einzubeziehen.

Ihr Wort an unsere Spender(innen)?

Über dörfliche Dienste kann die CBM viel erreichen. Wirksame Hilfe ist nicht teuer. Aber sie muss finanziert werden. Vielen Dank für Ihre wertvolle Unterstützung!

Erkrankte Seele

  • Jede vierte Person macht im Leben mindestens eine psychische Erkrankung durch
  • Ein bis drei Prozent der Menschen leben mit Schizophrenie oder Psychose
  • Die Zahl der Personen, die mit Depressionen oder Ängsten leben, ist innert 15 Jahren von 400 Millionen auf mehr als 600 Millionen angestiegen
    Gründe: mehr Einsamkeit und Stress sowie geringerer Familienzusammenhalt

Unzureichende Versorgung

  • Nur ein Psychiater pro Land in den Armutsgebieten; neun von zehn Erkrankten bleiben ohne Behandlung
  • Nur rund ein Prozent der jeweiligen Gesundheitsbudgets wird in psychische Gesundheit investiert

Ziel: Grundversorgung für alle

  • Stationäre Behandlung nur kurz, um Akutphasen zu überwinden
  • Ambulante und gemeindenahe Dienste flächendeckend anbieten
  • Psychiater und Psychologen in Allgemeinspitälern platzieren
  • Pflegepersonal und Hausärzte psychiatrisch schulen

Inhalt teilen

Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite
Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite