Helfen Sie jetzt

Die CBM Christoffel Blindenmission verwendet auf ihrer Website Cookies. Indem Sie diese Website nutzen, erklären Sie sich damit einverstanden. Erfahren Sie mehr in unseren Datenschutzhinweisen.

Akzeptieren

Inklusive Gesundheitsdienste

Jeder Mensch hat das Recht auf qualitativ gute Gesundheitsdienste. Was braucht es dafür? Interview mit Denis Hofer, Programmverantwortlicher CBM Schweiz und Fachberater Gesundheitssysteme.

Wo ist das Recht auf Gesundheit festgeschrieben?

Neben der nationalen Gesetzgebung ist ein Staat auch verpflichtet, von ihm ratifizierte Übereinkommen umzusetzen. Die beiden wichtigsten für die Arbeit der CBM sind das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Festgehalten ist das Recht unter anderem auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte oder im Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Ausserdem anerkennt die Erklärung von Alma-Ata die Gesundheit als grundlegendes Menschenrecht und macht die gemeindenahe Gesundheitsversorgung zu einem zentralen Konzept der WHO.

Wodurch wird die Umsetzung gebremst?

Stark durch mangelnde staatliche Investitionen und die fehlenden finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Personen. Und generell durch das Benachteiligen von Frauen und Mädchen sowie von Menschen mit Behinderungen, durch Armut, regionale Ungleichheiten und bewaffnete Konflikte.

Eine Frau aus Burkina Faso gibt einem CBM-Mitarbeiter ein Gewürzsäckchen.
Marie Konaté (Name anonymisiert) mit CBM-Mitarbeiter Denis Hofer. Sie hat durch das gemeindenahe Projekt für psychische Gesundheit wieder im Leben Fuss gefasst.

Konkret: Eine arme Familie in Westafrika, Claire ist zwölf und hat Ohrenschmerzen.

Allenfalls hat die Familie Erspartes, kann sich Geld von Verwandten borgen, oder es besteht sogar eine Versicherung. Ansonsten wird sie wegen Ohrenschmerzen kaum einen Gesundheitsposten aufsuchen. In ländlichen Gebieten Westafrikas sind diese ohnehin dünn gesät. So weiss Claires Familie vielleicht von keinem oder kennt nicht dessen Angebote. Nur schon die Reisekosten überfordern sehr arme Familien häufig. Schulmedizinischen Rat suchen sie oft erst, wenn eine Erkrankung akut geworden ist; eine Behandlung ist dann kaum mehr möglich oder nur mit grossem Aufwand. Sucht Claires Familie dennoch rechtzeitig einen Gesundheitsposten auf, ist es fraglich, ob das Untersuchungsmaterial vorhanden und das anwesende Personal ausreichend ausgebildet ist. Bei korrekter Diagnose muss die Familie Medikamente kaufen, sofern erhältlich und erschwinglich. Ferner müssen Therapien richtig angewandt werden, was vor allem bei tiefem Bildungsniveau nicht selbstverständlich ist. Gesundheit ist sehr vielschichtig.

Nun lebt Claire zusätzlich ohne Sehvermögen.

Kindern mit Behinderungen wird leider oft weniger Beachtung entgegengebracht, wodurch Krankheiten eher ignoriert und zu spät erkannt werden.

Weshalb sind Menschen mit Behinderungen schlechter versorgt?

Aus mehreren Gründen: Die angewandten Präventionsmassnahmen sprechen nicht alle Sinne an, das Gebäude ist nicht zugänglich oder Geräte fehlen. Die Behandlungsqualität kann schlecht sein, und das Personal im Umgang mit den Betroffenen zu wenig geschult. Oft haben diese nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt, wodurch sie eine Behandlung kaum bezahlen können. Oder ihre Gesundheit wird von der Familie geringer bewertet als diejenige der nicht behinderten Angehörigen. Die Lage der Menschen und ihre Behinderungen sind jeweils ganz verschieden. Stellen Sie sich vor, was eine Frau mit einer psychischen Behinderung braucht, die Unterleibsschmerzen hat, auf dem Land lebt oder gar auf der Strasse. Vergleichen Sie ihre Lage mit derjenigen eines mittelständischen Mannes in der Stadt, der nach einem Arbeitsunfall einen Rollstuhl braucht und wegen einer Infektion Rat sucht. Die jeweils er forderlichen Massnahmen unterscheiden sich klar.

Wer ist besonders benachteiligt?

Frauen, Kinder und alte Menschen. Unter ihnen vor allem Menschen mit psychischen Behinderungen – übrigens nicht nur in Westafrika, sondern weltweit.

Wer steht in der Pflicht?

Als Träger des Rechts auf Gesundheit kann ich persönlich einen Anspruch ableiten. In der Pflicht, mir dieses Recht zukommen zu lassen, steht der Staat. Und damit alle und alles, was diesen Staat ausmacht – auch wir Bürgerinnen und Bürger.

Porträt eines Mannes aus Burkina Faso
Durch die erfolgreiche medizinische Behandlung und die Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe lebt Seydou Gansoné wieder mit seiner Familie und betreibt selbständig seinen Stoffhandel.

Wie engagiert sich die CBM?

Sie ermöglicht Aufklärungskampagnen, Weiterbildung, Materialbeschaffung und medizinische Behandlungen. Gleichzeitig stärkt die CBM Menschen mit Behinderungen, damit sie ihre Rechte einfordern können und sich ihre wirtschaftliche Situation verbessert. Was die CBM besonders auszeichnet: Wir arbeiten direkt mit Menschen mit Behinderungen zusammen. Wir unterstützen sie dabei, ihr Leben unabhängig zu gestalten und zu führen. Dabei entscheiden sie selbst.

Wem alles nützt ein inklusives Gesundheitssystem?

Allen. Inklusive Systeme passen sich an die individuellen Bedürfnisse sämtlicher Menschen an. Auch von älteren und von kranken Menschen sowie solchen in schwieriger Lebenslage. Es ist sehr realistisch, dass jeder und jede von uns mindestens einmal auf ein inklusives Gesundheitssystem angewiesen ist.

Wo fördert die CBM Schweiz inklusive Gesundheitssysteme?

In Bolivien, Burkina Faso, Madagaskar, Indien, Laos, Nepal und Pakistan, jeweils in unterschiedlichen Gesundheitsbereichen.

Was bewirkt dabei meine Spende?

Sie stärken Menschen mit Behinderungen und ermöglichen ihnen ein Leben in Würde: Ein Kind in Laos erhält eine augenmedizinische Behandlung und erblindet dadurch nicht. Eine Frau mit psychischer Behinderung in Burkina Faso lebt nicht mehr auf der Strasse, erhält die nötigen Medikamente und geht einer existenzsichernden Arbeit nach. Auf Madagaskar erlangen Menschen mit Behinderungen einen selbstständigen Verdienst, und die öffentliche Verwaltung macht sich durch bauliche Massnahmen zugänglicher. In Bolivien besuchen Kinder mit Hörbehinderungen eine Regelschule und werden medizinisch behandelt. Das sind nur wenige Beispiele für wirkungsvolle Veränderungen dank der Unterstützung durch Spenderinnen und Spender. Herzlichen Dank!

Inhalt teilen

Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite
Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite