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Madagaskar

Eine entspannt lächelnde, ältere Dame aus Madagaskar steht im erntereifen Reisfeld.
Das Sparprojekt ihrer Selbsthilfegruppe garantiert Jeannine Talata, die mit einer Sehbehinderung lebt, Ernährungssicherheit.

Madagaskar ist der grösste Inselstaat Afrikas und die viertgrösste Insel der Welt. Auf dieser leben 27,5 Millionen Menschen. Jahrzehntelange Misswirtschaft und schlechte Regierungsführung haben Madagaskar wirtschaftlich sehr geschwächt. Unkontrolliertes Abholzen (90 Prozent des ursprünglichen Regenwalds ist aufgrund von Holzschlag, Kohleproduktion und Brandrodungsfeldbau zerstört) bedroht auch die einmalige Biodiversität des Landes. Der Raubbau an der Natur wird durch die Auswirkungen des Klimawandels noch verstärkt. Madagaskar ist eines der am stärksten betroffenen afrikanischen Länder und erlebt durchschnittlich drei Wirbelstürme pro Jahr. Zusätzlich zerstören regelmässige Überschwemmungen und Dürren die Lebensgrundlagen der Menschen.

Das Pro-Kopf-Einkommen liegt weit unter dem Durchschnitt der anderen afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Über 75 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als umgerechnet zwei US-Dollar pro Tag. In ländlichen Regionen ist der Anteil der in Armut lebenden Menschen besonders hoch. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, sie trägt jedoch nur etwa einen Viertel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf einem Grossteil der Agrarflächen wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Ein grosses Problem sind die Bodenerosion und die Versandung der Felder. Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung wird auch durch den geringen Zugang zu Elektrizität (13 Prozent) erschwert. Die Einkünfte aus Fischerei, Edelsteingewinnung, Tropenholzwirtschaft und Vanilleexport sind ungleich verteilt. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über etwa die Hälfte des Volkseinkommens. Madagaskar zählt so heute zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Im Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index) nahm Madagaskar 2019 den 164. Platz von 189 Staaten ein. 

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung gilt als unterernährt, fast jedes zweite Kind unter fünf Jahren lebt mit Entwicklungsstörungen. Der Hunger nimmt vor allem im Süden Madagaskars aufgrund der jahrelangen Dürre stetig zu. Die Hälfte der Bevölkerung der südlichen Regionen, 1,5 Millionen Menschen, ist davon betroffen und die meisten Familien sind gezwungen, sich von Insekten zu ernähren. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 68 Jahren. 

Situation von Menschen mit Behinderungen

In Madagaskar gibt es keine aktuelle und verlässliche Statistik zur Situation von Menschen mit Behinderungen. Bei der Ausarbeitung des Entwicklungsplans für den Gesundheitssektor im Jahr 2015 ging das Ministerium von einer geschätzten Rate von 15 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, und folgte damit den Angaben des  Weltbehindertenreports 2011 der Weltgesundheitsorganisation WHO . Über 80 Prozent der Behinderungen sind erworben (Geburt, Unfall, Krankheit) und ein hoher Prozentsatz wäre mit entsprechender gesundheitlicher Vorsorge und medizinischer Behandlung vermeidbar.

Madagaskar ratifizierte 2015 das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UNO-BRK). Doch die Umsetzung der UNO-BRK durch ihre Integration in das nationale Rechtssystem ist noch nicht wirksam. Aktuell ist immer noch ein über 20-jähriges Gesetz über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gültig. 

In Madagaskar bringt ein Dachverband die Verbände von Menschen mit Behinderungen zusammen, die sich aus Basisvereinigungen zusammensetzen. Je nach den personellen und finanziellen Ressourcen der einzelnen Verbände variiert das geographische Gebiet, das sie mit ihrer Arbeit abdecken können. Die Koordination zwischen den Basisvereinigungen und den Dachverbänden ist ziemlich schwach ausgeprägt.

Die CBM engagiert sich für Augengesundheit und Inklusion

Die CBM unterstützt den Ausbau der augenchirurgischen Versorgung für Kinder. Einerseits durch die Ausbildung und eine bessere Infrastruktur an den Universitätskliniken in der Hauptstadt Antananarivo und der Küstenstadt Toamasina sowie andererseits durch die Ausbildung von Optikerinnen und Optikern für das gesamte Land.

Im Bildungsbereich hat die CBM viel Erfahrung mit Spezialschulen Kinder mit Seh- und Hörbehinderungen. Darauf aufbauend wird nun die wichtige Schultätigkeit der reformierten Kirche Madagaskar darin unterstützt, vermehrt auch öffentliche Schulen für Kinder mit Behinderungen zugänglich zu machen. Bei der Fortsetzung der Schulkarriere unterstützt die CBM die Inklusion der Jugendlichen mit Behinderungen in Berufsbildungsprogramme.

In den Regionen Atsinanana und Vakinankaratra sowie in Antananarivo betreuen Partner im Bereich gemeindenahe inklusive Entwicklung Menschen mit Behinderungen in der Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Ausserdem stärkt die CBM die Kapazitäten von Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen. Durch ihr Engagement soll die Zugänglichkeit von öffentlichen Diensten gesteigert werden. Auf der nationalen Ebene sollen die Gesetze mit der UNO-BRK harmonisiert werden.

Corona-Krise

Aufgrund der Corona-Krise verhängte die Regierung im März 2020 einen Lockdown. Die Schulen wurden geschlossen und die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Strassenhändlerinnen, Tagelöhner und weitere Personen, die im informellen Wirtschaftssektor tätig sind, hatten vom einen auf den anderen Tag keine Arbeit mehr. Auch nach Ende des Lockdowns ist die Angst vor einer Virusansteckung gross geblieben, was die Wirtschaft noch immer stark einschränkt. So sind Millionen von Menschen, die bereits vor der Krise in Armut lebten, noch stärker in ihrer Existenzgrundlage bedroht. Viele davon sind Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig wird die ohnehin schon sehr hohe Armutsrate in Madagaskar weiter steigen.

Die Schulen öffneten erst im Oktober 2020 wieder. Möglichkeiten für Videounterricht fehlten grösstenteils. Für viele Kinder fiel damit die Schule vollständig aus, was zu grossen Bildungslücken führt. Ausserdem führt die coronabedingt schwierige finanzielle Situation zahlreicher Eltern dazu, dass sie den Schulbesuch nicht für alle Kinder bezahlen können, wobei dann Kinder mit Behinderungen nicht die erste Priorität haben. Auch die Schulen haben finanzielle Probleme, weshalb nicht wenige von ihnen Massnahmen zur Aufnahme von Kindern mit Behinderungen nicht mehr finanzieren möchten. 

Madagaskar in Kürze

Als Madagaskar 1960 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich erlangte, zählte der Inselstaat noch zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Ab 1972 richtete sich das Land sozialistisch aus, grosse Unternehmen wurden verstaatlicht. Madagaskar schottete sich unter Präsident Didier Ratsiraka gegen die westliche Welt ab und der wirtschaftliche und soziale Abstieg des Landes begann.

1992 wurde Ratsiraka durch eine breite Oppositionsbewegung («les Forces Vives») aus dem Amt gedrängt. In der Folge läutete eine neue Verfassung, die die Macht des Präsidenten wesentlich beschränkte, die sogenannte Dritte Republik ein. Durch sie wurde Madagaskar zu einer Präsidialrepublik, deren erster Präsident nach vier Jahren abgesetzt wurde, da er seine verfassungsmässigen Kompetenzen überschritten hatte. Die Dritte Republik führte ab 1992 zu einer Öffnung des Landes mit positiven Auswirkungen auf die Entwicklung des Landes. Doch die Politik war weiterhin durch Machtkämpfe geprägt.

Im Frühjahr 2009 kam es in der Folge von Protestunruhen gegen den bisherigen Präsidenten Marc Ravalomanana, dem persönliche Bereicherung vorgeworfen wurde, zu einem Regierungsumsturz. Andry Rajoelina, Bürgermeister von Antananarivo, gelang es, das madagassische Militär auf seine Seite zu ziehen, sodass Ravalomana abdankte und ins Exil flüchtete. Ab 2009 regierte so eine demokratisch nicht legitimierte Übergangsregierung unter Rajoelina, die international diplomatischen Sanktionen ausgesetzt war.

Seit dem Militärputsch hat sich die Armut der Bevölkerung wieder drastisch verschärft, unter anderem durch jahrelange politische Isolation des Landes, den Rückzug der internationalen Geber aus der Zusammenarbeit mit der Regierung und das Aussetzen der Budgethilfe. Soziale Dienste (Schulen, Gesundheitsversorgung, Katastrophenvorsorge) wurden in den vergangenen Jahren weitgehend über humanitäre Hilfsleistungen und bevölkerungsnahe Entwicklungszusammenarbeit aufrechterhalten.

Ab 2011 gab es nach intensiven Verhandlungen mit der Afrikanischen Union und der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Staates (Southern African Development Community/SADC) Fortschritte zu verzeichnen. Mit Amtseinführung des neuen Präsidenten Henry Rajaonarimampianina im Januar 2014 ist Madagaskar zur verfassungsmässigen Ordnung zurückgekehrt. Nach den Wahlen hob auch die EU wieder ihre Beschränkungen auf und machte den Weg frei für eine Zusammenarbeit mit der neuen Regierung.

2018 siegte Andry Rajoelina in den Präsidentschaftswahlen und wurde 2019 vereidigt. Bis März 2020, vor der Corona-Pandemie, befand sich Madagaskar auf einem aufsteigenden Wachstumspfad. Nach einer längeren Periode politischer Instabilität und wirtschaftlicher Stagnation beschleunigte sich das Wachstum in den letzten fünf Jahren und erreichte 2019 mit geschätzten 4,8 Prozent das höchste Tempo seit über einem Jahrzehnt. Die Rückkehr zur verfassungsmässigen Ordnung und der friedliche politische Übergang bei den letzten Wahlen waren für diese wirtschaftliche Wiederbelebung ausschlaggebend, da sie dazu beitrugen, das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen, den Zugang zu wichtigen Exportmärkten wieder zu öffnen, Finanzierungen wieder in Gang zu setzen und Strukturreformen zu fördern. Diese positiven Trends spiegelten sich auch in verbesserten Arbeitsmarktbedingungen und sinkenden Armutsraten wider. 

Wie Sie helfen können

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