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Burkina Faso

Burkina Faso zählt zur Gruppe der hochverschuldeten Länder (HIPC) mit über die letzten Jahre konstanten Budget- und Aussenhandelsdefiziten, mehr als 40 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre (zwischen 5 bis 9 Prozent) kommt vor allem den Gesellschaftsschichten in den urbanen Zentren zugute. Fast 90 Prozent der Bevölkerung leben von Subsistenzwirtschaft (Hirse, Mais, Fonio, Sorghum, Reis, Yams, Maniok und Zuckerrohr im Süden) und ist damit besonders anfällig auf Klimaextreme und -veränderungen. Für den Export wichtig sind vor allem Gold und Baumwolle, wobei Letzteres durch einen abgeschotteten und regulierten Weltmarkt kaum konkurrenzfähig verkauft werden kann.

Seit 2016 ist Burkina Faso von einer schweren und komplexen Sicherheitskrise betroffen. Immer wieder kommt es in den nördlichen, nordöstlichen und nordwestlichen Regionen des Landes zu Terroranschlägen. Die Folgen dieser Krise sind vielfältig. Mehr als 1,8 Millionen Menschen wurden intern vertrieben, die Mehrheit davon sind Kinder und Frauen (Stand Dezember 2022). Zudem hat die Sicherheitskrise auch einen starken Einfluss auf die Ernährungssicherheit der Bevölkerung: Aufgrund der instabilen Sicherheitslage können viele Personen ihre Felder nicht bestellen. Und in Kombination mit immer wieder auftretenden Dürren und steigenden Lebensmittelpreisen werden 2023 landesweit mehr als 3,5 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen sein.

Nebst der instabilen Sicherheitslage herrscht auch auf politischer Ebene Instabilität: Im Jahr 2022 kam es zu zwei Militärputschen im Lande. Neue Wahlen sind 2024 vorgesehen.

Situation von Menschen mit Behinderungen

Burkina Faso hat die UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) 2009 ratifiziert. Auf der nationalen Ebene wurde ein multisektoraler Rat eingerichtet, der die Umsetzung der UNO-BRK überwacht und zur Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen in den nationalen Politiken Stellung nimmt. Zudem wurden eine nationale Strategie zum Schutz der Rechte und zur Förderung von Menschen mit Behinderungen sowie mehrere Gesetze dazu verabschiedet. Ein Ergebnis davon war, dass die Regierung einen Behindertenausweis zur Verfügung gestellt hat, mit dem Menschen mit Behinderungen kostenlosen Zugang zur Gesundheitsfürsorge, zu Transport und Bildung erhalten sollten.

Dennoch sind Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit kaum bis nicht präsent, auch wenn die verfassungsmässig-institutionellen Voraussetzungen dazu gegeben wären. Trotz der oben genannten Massnahmen erhalten Menschen mit Behinderungen in Burkina Faso immer noch zu wenig Zugang zur Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit. Rund zwei Drittel der Kinder mit Behinderungen gehen immer noch nicht zur Schule. Eine formalisierte inklusive Berufsbildung mit angemessenen Lernmaterialien gibt es kaum. Zudem existieren nur wenige formalisierte Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderungen: Stattdessen befinden sich die meisten Menschen mit Behinderungen in informellen Arbeitsverhältnissen, ohne jegliche soziale und rechtliche Absicherung. Um diesem Missstand zu entgegnen, hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, zehn Prozent der Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst für Menschen mit Behinderungen zu reservieren. 

Es existieren rund 350 Selbstvertretungsorganisationen für Menschen mit Behinderungen, eine nationale Dachorganisation (FEBAH) und ein nationales Netzwerk (RENOH). Die zwei nationalen Organisationen stehen teilweise in einem Konkurrenzverhältnis, was die Einflussnahme auf die nationale Politik erschwert. Die lokalen und nationalen Selbstvertretungen sind politisch sehr schwach. Die Umsetzung der vorhandenen gesetzlichen Grundlagen wird wenig durch die Zivilbevölkerung überwacht und/oder kommentiert; ein öffentlicher Diskurs zu den Themenbereichen Behinderung und Inklusion ist demnach ungenügend vorhanden.

Fläche: 274'200 km²
Bevölkerung: 22,5 Mio.
BIP pro Kopf: 893 USD (CH: 91'992 USD)
Bevölkerungsanteil unterhalb nationaler Armutsgrenze: 41,4% (CH: 8,7%)
Lebenserwartung: 63,8 Jahre (CH: 83,2 Jahre)
Lese- und Schreibfähigkeit: 39,3% der Bevölkerung über 15 Jahren
Ärztedichte: 0,09 pro 1'000 Einwohner (CH: 4,4)
Entwicklungsindex: 184. Rang von 191 Ländern (CH: 1)

Was die CBM in Burkina Faso tut

Burkina Faso ist seit 2012 ein Schwerpunktland der CBM Schweiz und der internationalen CBM-Föderation. Seitdem engagiert sich die CBM in den Schwerpunkten psychische Gesundheit, Augengesundheit, gemeindenahe inklusive Entwicklung und Bildung. Die CBM hat in den letzten Jahren auch die Zusammenarbeit auf allen politisch-administrativen Ebenen des Landes verstärkt und ihre Arbeit um die politische und die organisationelle Unterstützung von Selbstvertretungsorganisationen erweitert. Alle aktuellen und geplanten Programme sind auf die jeweiligen nationalen Politiken abgestimmt. Aufgrund der sich stetig verschlechternden Sicherheitslage leistet die CBM vermehrt humanitäre Hilfe. Geographisch konzentriert sich die CBM-Arbeit auf die Regionen Cascades, Centre, Centre-Est, Centre-Sud, Centre-Nord, Plateau Central, Sud-Ouest, Boucle du Mouhoun, Nord und Hauts Bassins.

Arbeitsfeld: Gemeindenahe psychische Gesundheit
Im Bereich psychische Gesundheit unterstützt die CBM Menschen mit psychosozialen Behinderungen bei ihrer gesellschaftlichen Wiedereingliederung und verbessert ihre Lebensbedingungen. Dazu stärkt die CBM die staatliche Gesundheitsversorgung sowie die soziale Inklusion und Akzeptanz von Menschen mit psychosozialen Behinderungen. Dies geschieht etwa durch den Aufbau von multidisziplinären Gesundheitsangeboten, die Weiterbildung und Vernetzung von Gesundheits- und Sozialpersonal sowie von kommunalen und gemeindenahen Akteuren und durch Informations- und Sensibilisierungskampagnen.

Arbeitsfeld: Inklusive Augengesundheit
In Burkina Faso engagiert sich die CBM Schweiz seit 2015 für die Augengesundheit. Ziel ist es, einerseits die Erblindung von Menschen in Burkina Faso zu verringern. Andererseits wird die augenmedizinische Versorgung der Bevölkerung, etwa von Menschen mit Albinismus, und die Prävention durch Reihenuntersuchungen verbessert. Ebenso erhöhen Aus- und Weiterbildungen von medizinischem Personal die Anzahl an augenmedizinischen Behandlungen.

Arbeitsfeld: Gemeindenahe inklusive Entwicklung 
Im Bereich der gemeindenahen inklusiven Entwicklung arbeitet die CBM daran, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen respektiert und gleichberechtigt in ihre Gemeinschaften einbezogen werden. Dies geschieht etwa durch den Aufbau von Kompetenzen des medizinischen Personals, durch Unterstützung der Selbstvertretungsorganisationen bei ihrer Organisationsentwicklung oder durch die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen.

Arbeitsfeld: Advocacy
Die CBM engagiert sich in Burkina Faso ganzheitlich für die Rechte und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Dafür arbeitet sie sowohl mit lokalen Selbstvertretungsorganisationen als auch mit Netzwerken von Menschen mit Behinderungen zusammen, sensibilisiert die Bevölkerung und Behörden und setzt sich mit verschiedenen Adovocacy-Kampagnen auf Regierungsebene für die Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention ein.

Arbeitsfeld: Humanitäre Hilfe 
Die CBM stärkt die Resilienz von intern Vertriebenen und der aufnehmenden Bevölkerung gegenüber den sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Sicherheitskrise. Die CBM unterstützt Personen dabei, ihren Bedarf an Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs zu decken und schafft Zugang zu spezialisierten Gesundheitsdienstleitungen im Bereich psychosoziale Unterstützung, körperliche Rehabilitation und Augengesundheit. Durch einkommensgenerierende Aktivitäten können intern Vertriebene längerfristig ihre Resilienz stärken. Zudem setzt sich die CBM auf nationaler Ebene bei staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren für eine inklusive humanitäre Hilfe in Burkina Faso ein. 

Mit wem wir unsere Projekte umsetzen

CBM-Landesbüro Burkina Faso
Das CBM-Landesbüro wurde in 2013 unter massgeblicher Beteiligung der CBM Schweiz mit drei Mitarbeitenden in Ouagadougou gegründet. Mittlerweile besteht das Team von CBM Burkina Faso aus zwölf Mitarbeitenden.

Die von der CBM finanzierten Projekte werden mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Regierungsstellen und Organisationen von Menschen mit Behinderungen durchgeführt. 

Partnerorganisationen

  • Ministère de la Santé, Gesundheitsministerium. Innerhalb des Gesundheitsministeriums arbeitet die CBM vor allem mit der Direktion für den Schutz und die Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten (DPCM) zusammen.
  • Ministère des affaires sociales, Ministerium für soziale Angelegenheiten
  • Fédération Burkinabè pour la promotion des Associations  des Personnes Handicapées (FEBAH), nationale Dachorganisation der Vereinigungen für die Förderung von Menschen mit Behinderungen
  • Coordination régionale des associations de personnes vivant avec un handicap (CoRAPH), regionale Koordination der Vereinigung von Menschen mit Behinderungen, Mitglied von FEBAH
  • Reseau National des Organisations de Personnes Handicapee (RENOH), nationales Netzwerk der Organisationen von Menschen mit Behinderungen
  • Direction Régionale de la Santé, u. a. in der Region Boucle du Mouhoun (DRS/BMH), regionale Gesundheitsdirektion (in Boucle du Mouhoun) 
  • Association Sauvons Le Reste (SAULER), Organisation zur Rehabilitation und Wiedereingliederung von Menschen mit psychosozialen Behinderungen in der Region Nord 
  • Solidarité Développment Inclusif (SOLIDEV), Organisation zur Unterstützung einer inklusiven und nachhaltige Entwicklung für die städtische und ländlichen Bevölkerung in der Sahel-Region
  • Caritas-Organisation OCADES (Organisation Catholique pour le Développement et la Solidarité), national und einzelne Regionen, lokale zivilgesellschaftliche Organisation
  • Direction de la protection et de la promotion des personnes handicapées (DPPH), Direktion zum Schutz von Menschen mit Behinderungen
  • Secrétariat Permanent du Conseil national Multisectoriel pour la protection et la promotion des Droits des personnes Handicapées (SP-COMUD/Hanidcap), ständiges Sekretariat zum Schutz von Menschen mit Behinderungen
  • Association Burkinabé pour l’Intégration des Personnes Albinos (ABIPA), nationale Selbstvertretungsorganisation von und für Menschen mit Albinismus

Wie Sie helfen können

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in Burkina Faso und ermöglichen Sie so ganzheitliche Hilfe.

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