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Simbabwe

Zwei Männer unterhalten sich mit einem anderen Mann, der in Simbabwe vom Zyklon Idai betroffen ist.
Nach dem Wirbelsturm Idai im Jahr 2019 hat die CBM in Simbabwe Nothilfe geleistet und Menschen mit Behinderungen und anderen gefährdeten Personen den Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlagen ermöglicht.

Simbabwe ist ein stark von Armut betroffenes, politisch instabiles Binnenland im südlichen Afrika zwischen den Flüssen Sambesi und Limpopo, angrenzend an Südafrika, Botswana, Sambia und Mosambik. Die Hauptstadt und grösste Stadt ist Harare. Simbabwe ist ein Land mit etwa 14,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und hat 16 offizielle Landessprachen, wobei Englisch, Shona und Ndebele am weitesten verbreitet sind. Das Land ist aber auch für seine beeindruckende Landschaft und vielfältige Fauna in Parks, Reservaten und Safarigebieten bekannt ist. Am Sambesi donnern die Victoriafälle über 100 Meter hinab in die schmale Batoka-Schlucht. Flussabwärts liegen die Nationalparks Matusadona und Mana-Pools, wo Nilpferde, Nashörner und verschiedene Vogelarten leben.

Die Auswirkungen des Klimawandels verstärken die politischen Herausforderungen. Das Land hat in den letzten zwei Jahrzehnten immer mehr Dürreperioden verzeichnet. Die geografische Lage Simbabwes in den Tropen macht es anfällig für sich verändernde Niederschlagsmuster und die Verfügbarkeit von Wasserressourcen, was die landwirtschaftliche Produktion und damit die Ernährungssicherheit dramatisch verschlechtert. Aufgrund des Klimas ist Simbabwe auch anfällig für vektorübertragene Krankheiten wie Malaria, die durch die HIV/AIDS-Pandemie noch verschlimmert werden. 

Im Jahr 2019 wurde Simbabwe von einer schweren Dürre und dem Wirbelsturm Idai heimgesucht, der ganze Landstriche verwüstete und zu einem starken Rückgang der Landwirtschafts-, Strom- und Wasserproduktion führte. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wurde in eine grosse Ernährungsunsicherheit getrieben. 2019 wurde auf Druck des Internationalen Währungsfonds der simbabwische Dollar durch die lokale Währung ersetzt, was zu einer schnellen Abwertung und einem hohen Inflationsdruck führte. Die Inflation stieg im Juli 2020 auf 837 Prozent, angeheizt durch eine rasche Abwertung des Wechselkurses, schlechte Ernten und den Abbau von Subventionen für Kraftstoff und Strom. Die Lebensmittelpreise stiegen um 725 Prozent, was zu einem starken Kaufkraftverlust für Menschen führte, die in Armut leben. Die Rezession wird sich 2021 aufgrund anhaltender Klimaschocks, der Corona-Krise und politischer Instabilität fortsetzen, der Inflationsdruck zunehmen, und ebenso wird die wirtschaftliche Schrumpfung und der Verlust von Arbeitsplätzen und Einkommen weitergehen.

Das Armutsniveau stieg 2019 stark an und wird sich 2020 voraussichtlich weiter verschlechtert haben. Mit schätzungsweise 6,6 Millionen war 2019 der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, doppelt so hoch wie im Jahr 2011. Ein erheblicher Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und hohe Lebensmittelpreise führten dazu, dass 2019 fast 50 Prozent der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Im Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index) nahm Simbabwe 2019 den 150. Platz von 189 Staaten ein.

Situation von Menschen mit Behinderungen

In Simbabwe wird Fragen rund um die Rechte von Menschen mit Behinderungen keine Priorität eingeräumt. In Zeiten wirtschaftlicher Sparmassnahmen und des Abschwungs wird die Unterstützung für Menschen mit Behinderungen gekürzt und Organisationen, die Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen anbieten, müssen mit knappen Budgets arbeiten. Die Versorgung mit Rehabilitationsmassnahmen ist mit rund 30 Prozent gering, was auf die niedrige Anzahl an Rehabilitationsfachkräften und lokalen Rehabilitationsprogrammen zurückzuführen ist. Um diese Herausforderungen abzumildern, empfiehlt die Nationale Gesundheitsstrategie, dass «der Fokus auf die Ausbildung und die Verbesserung der Verfügbarkeit von Rehabilitationsgeräten und die Stärkung von Mechanismen zur Früherkennung und Behandlung von Verletzungen und Behinderungen gerichtet werden sollte».

Gemäss Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist ein Prozent (etwa 140'000 Menschen) der simbabwischen Bevölkerung blind ist. Über 80 Prozent dieser Erblindungen wären vermeidbar gewesen. Der Graue Star ist die häufigste Blindheitsursache, rund 65‘000 Menschen sind deswegen erblindet. Eine UNICEF-Studie , welche die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen in Simbabwe analysierte, kam zum Ergebnis, dass jede vierte Person mit Behinderung eine Sehbehinderung hat. Ausserdem hatte ein Viertel der Menschen mit Behinderungen entweder bereits bei der Geburt eine Behinderung oder sie erlitten ihre Behinderung vor dem Alter von fünf Jahren. Da es in den meisten ländlichen Provinzen an Augenärztinnen und -ärzten mangelt, gibt es mehr Erblindungen durch den Grauen Star als dass Operationen möglich sind. Durch die unzureichende Anzahl von Fachpersonen in Augenheilkunde, fehlende Infrastruktur und Verbrauchsmaterialien sowie durch eine schwache Integration der Augenversorgung in das nationale Gesundheitssystem wird die Situation noch verschärft.

CBM engagiert sich für Augengesundheit und Nothilfe

Durch die Zusammenarbeit und Partnerschaft mit dem Ministerium für Gesundheit und Kinderbetreuung will die CBM zusammen mit ihren Partnerorganisationen mittels zweier Projekte das nationale Augengesundheitssystem stärken. Durchgeführt werden die beiden Projekte durch das Ministerium. Dies gewährleistet die nachhaltige Integration in die Gesundheitsvorsorge und übergibt die Verantwortung für die Erhöhung der Operationen und für die Qualität an das Ministerium. Die Projekte haben zum Ziel, erschwingliche, zugängliche und qualitativ gute Dienstleistungen im Bereich der Augengesundheit für Erwachsene und Kinder zu ermöglichen sowie die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen zu fördern. Damit tragen die Projekte zur Verringerung des nationalen Rückstands von 60’000 Graue-Star-Operationen bei, wie in der Nationalen Gesundheitsstrategie (2016-2018) angestrebt.

Nach dem verheerenden Wirbelsturm Idai hat die CBM 2019 für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen Nothilfe geleistet. Da die Güter des täglichen Bedarfs schnell wieder auf dem Markt erhältlich waren, erhielten die Familien Bargeldzahlungen, mit welchen sie Lebens- und Hygienemittel kaufen konnten. Zudem wurden sie beim Neustart der landwirtschaftlichen Produktion mit Saatgut und Trainings zu neuen ökologischen Anbautechniken und Vorratshaltung unterstützt.

Corona-Krise

Simbabwe befindet sich in einer Wirtschaftskrise, die durch die Corona-Pandemie noch verschlimmert wurde. Am 23. März 2020 wurde der erste Lockdown verfügt. Erst Mitte Juli wurde er partiell gelockert und die Schulen wieder gestartet. Die Pandemie hat sich negativ auf den Export, den Tourismus und das verarbeitende Gewerbe ausgewirkt sowie die Wirtschaftskrise und Armut verstärkt. Bedingt durch die Einschränkungen der Mobilität konnten arme Menschen und Menschen mit Behinderungen, die von einem Taglohn abhängig sind, ihre Grundbedürfnisse nicht mehr decken.

Im Dezember 2020 ist die gefährliche Mutation des Coronavirus von Südafrika ins Land eingeschleppt worden. Nach anfänglich tiefen Infektionszahlen  sind diese im Dezember und Januar 2021 regelrecht explodiert. Die Regierung hat am 5. Januar 2021 einen weiteren Lockdown mit einer nächtlichen Ausgangssperre verfügt.

Simbabwe in Kürze

Seit dem 11. Jahrhundert war das heutige Simbabwe der Standort mehrerer organisierter Staaten und Königreiche, wie etwa der Rozvi und Mthwakazi Königreiche, sowie eine wichtige Route für Migration und Handel. Die Britische Südafrika-Kompanie von Cecil Rhodes grenzte das heutige Territorium erstmals 1890 ab, als sie Mashonaland und später, 1893, Matabeleland mit kriegerischer Gewalt eroberten. Die Herrschaft der Kompanie endete 1923 mit der Gründung von Südrhodesien als selbstverwaltete britische Kolonie. 1965 erklärte die konservative weisse Minderheitsregierung einseitig die Unabhängigkeit des Staates Rhodesien. Der Staat ertrug die internationale Isolation und einen 15-jährigen Unabhängigkeitskrieg der lokalen Bevölkerung. Der Krieg endete im April 1980 mit einem Friedensabkommen , welches das allgemeine Wahlrecht und die Souveränität des Staates Simbabwe festlegte.

Robert Mugabe wurde 1980 Premierminister von Simbabwe, als seine Partei ZANU-PF die Wahlen nach dem Ende der weissen Minderheitsherrschaft gewann. Er war anschliessend von 1987 bis zu seinem Rücktritt 2017 Präsident von Simbabwe. Unter Mugabes autoritärem Regime dominierte der staatliche Sicherheitsapparat das Land und war für weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Das Land befindet sich seit den 1990er Jahren im wirtschaftlichen Niedergang und erlebte seither mehrere Abstürze und Hyperinflationen.

Die Umverteilung von Land wurde um 1997 wieder zum Hauptthema der ZANU-PF-Regierung. Trotz der Existenz eines «willing-buyer-willing-seller»-Landreformprogramms seit den 1980er Jahren besass die weisse Minderheitsbevölkerung, die nur etwa 0,6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, weiterhin rund 70 Prozent des fruchtbarsten Agrarlandes. Die Enteignung und Umverteilung des Landwirtschaftslandes, anhaltende Dürren und ein gravierender Rückgang externer Finanzmittel und anderer Unterstützungen führten zu einem starken Rückgang der Agrarexporte, die traditionell der führende Exportsektor des Landes waren.

Am 15. November 2017 wurde Mugabe nach über einem Jahr der Proteste gegen seine Regierung sowie Simbabwes rapide sinkende Wirtschaft durch einen Staatsstreich der Armee unter Hausarrest gestellt. Einige Tage später entliess die ZANU-PF Robert Mugabe als Parteivorsitzenden und ernannte den ehemaligen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa an seine Stelle. Am 21. November 2017 reichte Mugabe seinen Rücktritt ein, noch bevor das Amtsenthebungsverfahren abgeschlossen war. Im Juli 2018 fanden in Simbabwe Parlamentswahlen statt, die  Emmerson Mnangagwa gewann und so zum neu gewählten Präsidenten wurde.

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