«Ich wusch die Wäsche am Fluss, als die Flut kam.»
Bhawana Kumal, 29, überlebte die Flutkatastrophe im Bhote-Koshi-Tal um Sekunden. Ihre Familie lebt seither in einer Notunterkunft — und kämpfte schon vor der Flut mit Behinderung und wenig Geld. Ein persönlicher Bericht.
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Ihre Spende fliesst in einen Fonds für die Flutkatastrophe in Nepal.
Eine Familie, Sekunden von der Katastrophe entfernt
Am Morgen des 26. August stand Bhawana Kumal am Ufer des Flusses in Nuwakot und wusch Wäsche, wie an jedem anderen Tag. Von der Flutwelle, die zu dieser Stunde bereits das Bhote-Koshi-Tal hinabraste, wusste sie nichts.
Erst die Rufe ihres Mannes Raju und der Nachbarn holten sie aus dem Alltag: rennen, sofort. Was danach geschah, weiss sie kaum noch zu ordnen.
Ihr Mann Raju war zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs. Er hatte am Morgen die ältere Tochter zur Schule gebracht und erfuhr auf dem Rückweg, dass im Nachbardistrikt Rasuwa ganze Landstriche weggerissen worden waren — ein Vorzeichen dafür, was auch Nuwakot noch bevorstand.
Die Nachbarin hat Bhawana Kumal das Leben gerettet.
„Ich brachte meine Tochter morgens zur Schule. Auf dem Rückweg erfuhr ich, dass in unserer Gegend akute Überflutungsgefahr bestand, weil Rasuwa weggespült wurde. Ich eilte sofort nach Hause und brachte meine Mutter und meine Frau zusammen mit den Nachbarn in Sicherheit.“ Raju Kumal, 30, Ehemann von Bhawana
Wie knapp es war, ist Bhawana bewusst. Hätte niemand sie gerufen, wäre sie am Ufer geblieben — mit der Wäsche beschäftigt, während das Wasser stieg.
„Wenn mein Mann und die Nachbarn mich nicht gerufen hätten, wäre ich am Ufer gestorben, weil ich mit dem Wäschewaschen beschäftigt war. Ich möchte Gott danken.“ Bhawana Kumal, 29
Schon vor der Flut war wenig da, um Rückschläge aufzufangen
Bhawana lebt seit ihrer Kindheit mit eingeschränktem Sehvermögen auf dem linken Auge und mit Hörproblemen. Entfernte Dinge kann sie kaum erkennen. Auch ihre beiden Töchter haben Sehprobleme — und die Familie konnte sich die nötige Behandlung schon vor der Katastrophe nicht leisten.
„Ich habe seit meiner Kindheit eine Sehschwäche auf dem linken Auge und Hörprobleme, ich kann weit entfernte Dinge nicht gut erkennen. Auch meine beiden Töchter haben Sehprobleme. Meine ältere Tochter bekam nach einer augenärztlichen Untersuchung eine Brille, aber sie ist ihr vor zwei Monaten beim Spielen zerbrochen. Meine jüngere Tochter hat ein Problem am linken Auge — ein Arzt vor Ort hat ihr zu einer Operation in Kathmandu geraten. Wegen unserer finanziellen Situation konnte ich weder die Behandlung bezahlen noch meiner Tochter eine neue Brille besorgen.“ Bhawana Kumal, 29
Menschen mit Behinderungen sind besonders gefährdet.
Genau diese Vorgeschichte macht Katastrophen wie diese für Menschen mit Behinderungen so viel gefährlicher. Rund 6,3 Prozent der nepalesischen Bevölkerung leben mit einer Behinderung; in den von der Flut betroffenen Gebieten sind es schätzungsweise 2,5 bis 2,8 Prozent — darunter etwa 2,5 Prozent Frauen.
Menschen mit Behinderungen stossen ohnehin auf Hürden beim Zugang zu Information, Versorgung und Unterstützung. In einer Katastrophe dieses Ausmasses werden solche Hürden lebensbedrohlich.
Vier Schweine, ein beschädigtes Haus, ein Klassenzimmer als Zuhause.
Die Flut nahm der Familie fast alles, was sie besass: die Kleidung, vier Schweine, und beschädigte das kleine Vier-Zimmer-Haus mit Blechdach, das ohnehin in einer Hochrisikozone für Überflutungen liegt. Seit dem Tag der Flut lebt die ganze Familie in einer Notunterkunft — einer Schule.
„Wir haben vier Schweine verloren, auch unser Haus wurde von der Flut beschädigt. Unsere ganze Familie lebt seither im Aufnahmezentrum hier in der Schule.“ Bhawana Kumal, 29
Nothilfe, die niemanden zurücklässt
Die meisten Vertriebenen leben derzeit in provisorischen Aufnahmezentren wie jenem, in dem auch Bhawanas Familie untergekommen ist — oft mit erheblicher psychischer Belastung. Gemeinsam mit lokalen Organisationen von Menschen mit Behinderungen sorgt CBM dafür, dass die Nothilfe in Rasuwa, Nuwakot und Dhading auch Menschen wie Bhawana und ihre Töchter erreicht.
Diese Katastrophe trifft Menschen mit Behinderungen besonders hart — sie werden in Notlagen oft zuletzt erreicht und zuerst vergessen. Kinder und Erwachsene, die gehörlos sind, hören Warnungen womöglich nicht. Menschen, die blind sind oder körperliche Behinderungen haben, können sich in zerstörtem Gelände kaum in Sicherheit bringen. Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung sind vielleicht verängstigt, traumatisiert oder von ihrer Familie getrennt. CBM und unsere Partner handeln jetzt, um Menschen mit Behinderungen mit Nahrung, sauberem Wasser, Hilfsmitteln und wichtiger gemeindenaher Unterstützung zu erreichen. Wir dürfen sie nicht zurücklassen.
Bhawana Kumal und ihre Familie sind keine Ausnahme - Tausende Familien im Bhote-Koshi-Tal haben in wenigen Stunden alles verloren — und viele von ihnen kämpften schon vorher mit Armut oder Behinderung.

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