Regierungen müssen Frauen mit Behinderungen stärker in die Klimapolitik einbeziehen
5. März 2026 (anlässlich des Internationalen Frauentags vom 8. März 2026)
Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Swiss Disability and Development Consortiums verdeutlicht, wie sich der Klimawandel auf Frauen mit Behinderungen in Nepal auswirkt. Die Ergebnisse zeigen: Diese Frauen sind überproportional von dessen Folgen betroffen. Zugleich unterstreichen sie, wie wichtig eine wirkungsvolle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist – in Nepal wie auch auf globaler Ebene.
Menschen mit Behinderungen sind bei Naturkatastrophen und klimabedingten Krisen besonders hohen Risiken ausgesetzt. Die Hauptgründe dafür sind vielschichtig: Trotz ihrer Gefährdung werden sie in der humanitären Hilfe und Katastrophenvorsorge nur unzureichend in Entscheidungsprozesse eingebunden. Nicht barrierefreie Frühwarnsysteme, Evakuierungsrouten oder Notunterkünfte sind Sinnbild dieser Problematik. Zudem leben Menschen mit Behinderungen überdurchschnittlich häufig in Armut und können in Notlagen oftmals nicht auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen.
Frauen mit Behinderungen besonders stark betroffen
Das Swiss Disability and Development Consortium (SDDC), dem die CBM Schweiz, FAIRMED, Handicap International Schweiz (HI) und die International Disability Alliance (IDA) angehören, veröffentlichte kürzlich eine qualitative Studie zu den Folgen des Klimawandels für Frauen mit Behinderungen in Nepal. Anhand der Lebensgeschichten von zwölf Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen belegt die Studie, dass diese bei Klimakatastrophen aufgrund ihres Geschlechts zusätzlichen Barrieren ausgesetzt sind. Dafür sind unter anderem folgende Ursachen verantwortlich:
- Geringere Resilienz: Patriarchalische Normen und traditionelle Glaubenssysteme führen dazu, dass Frauen mit Behinderungen sozial und wirtschaftlich kaum eingebunden sind. Sie verfügen nur selten über eine ausreichend bezahlte Beschäftigung im formellen Sektor. Fehlende soziale und unterstützende Netzwerke sowie begrenzte finanzielle Ressourcen haben zur Folge, dass sie besonders schlecht auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet sind.
- Wasserknappheit: Wasserknappheit, die zum Beispiel während Dürreperioden akut ist, verschärft die physische und wirtschaftliche Belastung zusätzlich. Denn Frauen mit Behinderungen haben häufig einen höheren Wasserbedarf. Zudem lastet die Verantwortung im Haushalt hauptsächlich auf Frauen, einschliesslich Frauen mit Behinderungen. Der erschwerte Zugang zu Wasser erhöht zudem ihre Abhängigkeit von pflegenden Angehörigen oder anderen Personen.
Nichts über uns ohne uns
Organisationen der nepalesischen Bewegung von Menschen mit Behinderungen haben eine Reihe von Forderungen formuliert, die auf die Ergebnisse der Studie Bezug nehmen. Die Forderungen sollen dazu beitragen, die durch Klimakatastrophen verursachten Folgen für Frauen mit Behinderungen zu verringern. Zu den wichtigsten gehören:
- Partizipation: Frauen mit Behinderungen müssen auf allen Regierungsebenen wirkungsvoll in klimapolitischen Entscheidungsorganen vertreten sein. Sie sind Expertinnen in Inklusion. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen sind wichtig und ihre Zusammenarbeit mit Klimaakteuren entscheidend, um gerechte und wirksame Lösungen zu entwickeln. Ausserdem müssen sie aktiv in die lokale Katastrophenvorsorge eingebunden werden, um auch dort die Anliegen von Menschen mit Behinderungen im Allgemeinen und Frauen mit Behinderungen im Speziellen zu vertreten.
- Zugänglichkeit: In Katastrophensituationen müssen eine barrierefreie Notinfrastruktur und für alle zugängliche Informationen sichergestellt werden.
- Gleichstellung: Die Stigmatisierung und Mehrfachdiskriminierung von Frauen mit Behinderungen muss stärker bekämpft werden.
- Ressourcenzugang und Klimaresilienz: Der Zugang von Frauen mit Behinderungen zu Einkommen und Gesundheitsdienstleistungen muss gestärkt werden, was ihre Klimaresilienz deutlich erhöht.
Die Erkenntnisse aus Nepal machen klar, dass Klimapolitik nur dann wirksam und gerecht sein kann, wenn die Perspektiven von Frauen mit Behinderungen systematisch einbezogen werden. Aus diesem Grund fördern die nepalesischen Länderbüros der SDDC-Mitglieder gezielt das Wissen von Frauen mit Behinderungen und ihren Organisationen zu Klimathemen, inklusiven Klimaschutzmassnahmen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Auf diese Weise sollen sie gestärkt werden, damit sie wirkungsvoll für ihre Rechte einstehen können.
In den kommenden Wochen wird die SDDC-Studie offiziell in Nepals Hauptstadt Kathmandu veröffentlicht. Daran schliessen eine Ausstellung sowie ein landesweiter Dialog zwischen Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen und Klimaorganisationen an.
Weiterführende Informationen
- Studie (auf Englisch)
- Porträts und Videos der Studienteilnehmerinnen (auf Englisch)
Über das SDDC
Das SDDC (Swiss Disability and Development Consortium) ist ein Netzwerk mit Sitz in der Schweiz, das sich für die Rechte und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz einsetzt.
Das SDDC wurde 2016 von der CBM Schweiz, FAIRMED und Handicap International Schweiz (HI) gegründet. Im Jahr 2019 trat die International Disability Alliance (IDA) dem Konsortium bei. Die CBM Schweiz beherbergt das Sekretariat. Die Arbeitsbereiche, Kompetenzen und Prioritäten der Mitglieder ergänzen sich thematisch und geografisch. Zusätzlich zur Advocacy-Arbeit sammelt, entwickelt und teilt das SDDC Fachwissen, Ressourcen und Informationen zur behinderteninklusiven Entwicklung.
Kontakt
Michael Schlickenrieder
Leiter Kommunikation
CBM Schweiz
Tel. 044 275 21 65 / 079 540 80 20
michael.schlickenrieder@cbmswiss.ch

Inhalt teilen
Inhalt drucken
Seite drucken