Vorbereitet sein
Menschen mit Behinderungen sind bei Katastrophen besonders gefährdet. Daher fördert die CBM inklusive Nothilfe und Risikoverminderung. Letztere durch ihren Fachberater Talal Waheed, der ohne Sehkraft lebt.
Katastrophenvorsorge ist in Armutsgebieten besonders dringlich. «Manche Gebiete erleiden regelmässige Katastrophen», führt Talal Waheed aus. «Wenig Ressourcen sind vorhanden, und nur geringe Mittel fliessen in die Vorsorge. Somit mangelt es sehr an Schutz und Rettung, wodurch mehr Personen von Behinderungen und von Katastrophen betroffen werden.»
«Menschen mit Behinderungen schon bei der Planung der Katastrophenvorsorge an Bord zu haben», so Talal Waheed, «verbessert die Lage- und Risikoanalyse, Frühwarnung, Notfalltrainings, die Sicherheit von Gebäuden sowie den Aufbau stabiler Lebensgrundlagen.» Entscheidend ist daher das Stärken von Selbstvertretungsgruppen. Talal Waheed weiss: «Menschen mit Behinderungen einzubeziehen, rettet viele Leben. Auch von anderen gefährdeten Personen wie schwangeren Frauen, Kindern oder älteren Menschen.»
Gleich drei Ströme durchfliessen das flache Land bei Multan in der bevölkerungsreichsten pakistanischen Provinz Punjab. 2010 wurde sie von einer Flut heimgesucht, und die nächste wird kommen. Wer muss zuerst evakuiert werden, wo das Evakuierungszentrum stehen?
Antworten liefert das Gipsmodell eines Dorfes. Durch sein Flussbett strömt Hahnenwasser, das sich schnell zu den erwarteten Flutpegeln erhöht. Sofort wird sichtbar, wessen Häuser und Ställe überschwemmt werden. Anwesende aus Selbsthilfegruppen nennen gefährdete Menschen im Dorf: hier die Familie mit Kleinkindern, dort ein gehörloser Bewohner, da eine gehbehinderte Bewohnerin. In Zusammenarbeit mit den Behörden resultieren nun auf das Dorf zugeschnittene Massnahmen zum Schutze aller.
«Behörden und Organisationen sind sich kaum bewusst, dass Menschen mit Behinderungen entscheidend zum Gelingen beitragen», erlebt Talal Waheed. Daten zu den Risiken für Menschen mit Behinderungen fehlen. «Stattdessen werden sie oft vergessen, und sie selbst kennen kaum ihre eigenen Rechte noch ihre Pflichten als Bürger. Ferner ist die Infrastruktur schwach, Frühwarn- und Evakuierungssysteme fehlen. Trotzdem verringern sich die dafür eingesetzten Mittel gemäss weltweitem Trend sogar. Gleichzeitig nehmen Katastrophen laufend zu. Zwischen Bedarf und zur Verfügung stehenden Mitteln tut sich eine immer breitere, gefährliche Kluft auf!»

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