Unabhängigkeit und Teilhabe ermöglichen

Monique Frey ist seit vielen Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit tätig – was sie besonders motiviert: jeder einzelne Mensch, der nicht hungern muss dank ihrem Engagement. Seit einem Jahr setzt sie sich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung bei der CBM Schweiz dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen nicht zurückgelassen werden. Monique Frey zeigt anhand zweier Projekte, die sie koordiniert, was die Arbeit der CBM für die Menschen vor Ort bedeutet.

Das Projekt «Inklusive Bildung» in Madagaskar ist pionierhaft. Weshalb?

Bislang lassen Schulen in Madagaskar selten Kinder mit Behinderungen zu, Spezialschulen gibt es kaum. Die Kinder fristen meist ein einsames Leben, werden stigmatisiert und daher oft zu Hause versteckt. Und dies betrifft nicht nur Kinder mit Lernschwierigkeiten sondern auch viele, welche die Schule ohne Probleme meistern und später ihren Lebensunterhalt selber verdienen könnten.

Das Projekt der inklusiven Bildung wird umfassend getragen: Regelmässig treffen sich in den Gemeinden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Behörden, Gewerbe, Kirche, Organisationen der Zivilgesellschaft wie Frauengruppen und Landwirtschaftskooperativen, von Selbsthilfegruppen der Menschen mit Behinderungen und Medien.

Was begeistert Dich am Projekt «Inklusive Bildung»?

Am Projekt teilnehmende Schulen öffnen sich für Kinder mit Behinderungen, was ein grosses Glück ist: Alle Kinder können nun ihren Fähigkeiten entsprechend lernen und – noch viel wichtiger – lernen dabei auch, solidarisch zusammenzuleben. Die Kinder mit Behinderungen entwickeln sich phänomenal, gewinnen Selbstvertrauen und haben neue Ideen. Durch den täglichen Schulweg machen sie ausserdem Fortschritte in ihrer Beweglichkeit.

Was bewirkt das Projekt in Madagaskar?

Fast 1000 Kinder mit Behinderungen sind in den letzten drei Jahren eingeschult worden. Eine Nachbefragung hat ergeben, dass über 95 Prozent der Kinder in den Schulen geblieben sind. Das liegt auch daran, dass die CBM Hilfsmittel wie Rollstühle, Gehhilfen, Brillen und Lupen beschafft hat und mit baulichen Massnahmen für zugängliche Schulzimmer und WC-Anlagen gesorgt hat.

Die Kinder mit Behinderungen werden von ihren Mitschülerinnen und -schülern akzeptiert. Lehrpersonen und weitere Angestellte in den Schulen leben Inklusion; sie beweisen ihr Engagement tagtäglich. Das ist ein Erfolg der erweiterten Ausbildung in drei Lehrerseminaren sowie der Weiterbildung in den 67 Schulen, in denen die CBM über ihren lokalen Partner arbeitet.

Schülerinnen und Schüler, die spezielle Hilfsmittel brauchen, werden vom Kindergarten bis zur Universität begleitet. Dank Reihenuntersuchungen in den Gemeinden werden frühe Interventionen wie Augenoperation, Brille, Stützprothesen usw. möglich. So können die Kinder ihre Schullaufbahn mit den bestmöglichen Voraussetzungen starten.

Wie ist die Lage aktuell aufgrund von Corona in Madagaskar?

Im Lockdown in Madagaskar gingen die Kinder von Mitte März bis September nicht mehr zur Schule. Im Gegensatz zur Situation in der Schweiz war die Betreuung ausserhalb der Schule minim. Ab und zu wurden den Kindern Aufgabenblätter nach Hause gebracht. Online-Unterricht war nicht möglich, da die wenigsten Familien zu Hause einen Computer haben. Die Kinder haben ein Schuljahr verloren. Im neuen Schuljahr 2020/21, das am 27. Oktober verspätet startete, müssen alle Lernziele angepasst werden. Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten müssen zuvor erlangte soziale und schulische Fertigkeiten wieder erlernen. Sie hat die Isolation doppelt getroffen.

  • <link de was-wir-tun weltweite-projekte nezzoworldmap>Projekt «Inklusive Bildung» in Madagaskar

Was bewirkt das Projekt «Verringerung von vermeidbarer Blindheit und Sehbehinderungen» in Simbabwe?

Simbabwe ist ein stark von Armut betroffenes, politisch instabiles Land. In den meisten ländlichen Provinzen gibt es mehr Erblindungen durch den Grauen Star als dass Operationen mit der vorhandenen Infrastruktur möglich sind.

Die Nationale Gesundheitsstrategie geht von 60 000 dringend nötigen Grauer-Star-Operationen, vor allem bei Kindern, aus. Die CBM strebt eine gute Früherkennung an, die mit besserer Behandlung kombiniert wird, und stärkt dafür das Augengesundheitssystem: mit Ausbildungen und chirurgischen Geräten, mobilen Operationsposten und dem Ausbau von Reihenuntersuchungen sowie mit Informationen zur Augengesundheit.

Was macht das Augen-Projekt besonders?

Das Projekt ist ein Hoffnungsschimmer für die Menschen mit Augenerkrankungen – es subventioniert die Operationen und Hilfsmittel für in Armut lebende Familien. Es gibt viele Schulkinder, die nach der Korrektur eines Brechungsfehlers im Auge viel besser in der Schule mitkommen. Und Erwachsene berichteten, dass ihre Ernährungssicherheit und Lebensqualität sich verbesserte. Die behandelten Menschen können endlich wieder am sozialen, wirtschaftlichen, religiösen und politischen Leben teilhaben.

Was begeistert Dich an diesem Projekt?

Mit ausserordentlichem Effort werden die vielen schon lange am Grauen Star erblindeten Menschen endlich operiert. Ist dies erreicht, kann das Gesundheitswesen in Simbabwe die anfallenden Operationen selbst durchführen. Gerade die «einfache» Operation am Grauen Star hat einen enormen Effekt. Mit der Sehkraft gewinnt die Person eine grosse Unabhängigkeit zurück. Die Kinder unter ihnen können die Schulen absolvieren und später selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Es gibt nur einen Wermutstropfen: Mit den Spendenmitteln der CBM Schweiz kann erst ein Fünftel der nötigen Operationen innerhalb der nächsten 3 Jahre ermöglicht werden.

Wie ist die aktuelle Lage aufgrund von Corona in Simbabwe?

Im Dezember hat in Simbabwe die Regenzeit begonnen und die Regierung wegen steigender Fallzahlen wieder strengere Bestimmungen eingeführt. Alle Bars sind geschlossen, Hochzeiten und Partys verboten. Das Tragen einer Maske ist obligatorisch. Das wirtschaftliche Leben ist weiter möglich. Auch das Gesundheitssystem kann arbeiten, was für unser Projekt sehr wichtig ist.

Covid-19 hat das Land in einer schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage getroffen. Im Jahr 2017 wurde der fast 40 Jahre lang regierende Robert Mugabe mit einem Militärputsch abgelöst. Die einstige «Kornkammer Afrikas» war nach umstrittenen Entscheiden der Weltbank und einer chaotischen Landreform verarmt. 40 Jahre nach der Unabhängigkeit muss die junge Generation das gebeutelte Land wieder neu aufbauen.

Inhalt teilen

Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite