„Heute respektieren mich die Leute wieder.“
Adjaratou Gadiaga (34) aus Burkina Faso musste mit ihrer Familie vor Terroristen fliehen. Die erlebten Schrecken machten sie psychisch krank – Sie litt unter Wutausbrüchen und Panikattacken und war nicht mehr sich selbst. Traditionelle Heiler und das Spital konnten nicht helfen. Bis der CBM-Partner SAULER in ihr Dorf kam.
Schenken Sie einem Menschen in psychischer Not seine Würde zurück!
Sie hörte immer wieder Schreie, Schritte und Schüsse.
Adjaratou und Ousmane Gadiaga hatten alles zurücklassen müssen: ihr Zuhause, ihr Bauerndorf, ihr bisheriges Leben. Gemeinsam mit ihren fünf Kindern und der ganzen Dorfgemeinschaft wurden sie von terroristischen Gruppen aus dem Norden Burkina Fasos gewaltsam vertrieben.
Was Adjaratou dabei erlebte, liess sie nicht los. Zuerst plagten sie Bauchschmerzen, dann seltsame Lähmungserscheinungen. Und dann schoss wieder eine wilde Wut aus ihr heraus.
Das Ehepaar suchte Hilfe, wo es nur konnte: bei traditionellen Heilern. Auch im Spital fand sich keine Erklärung. Zurück blieben Ratlosigkeit – und eine Krankheit, die immer weiter um sich griff.
Ein Mann, der blieb: Adjaratou und Ousmane Gadiaga sind ein gutes Team.
Trotz allem blieb Ousmane mit seiner Frau liebevoll und geduldig. Wo andere sich abgewendet hätten, reagierte er ruhig und besonnen.
Eines Tages besuchten Mitarbeitende des CBM-Projektpartners SAULER das Dorf in dem das Ehepaar seit der Flucht lebte (Sauler ist eine Abkürzung von: «Sauvons le Reste.», auf Deutsch «Retten wir den Rest.»)
Die Projektmitarbeitenden erklärten, was psychische Erkrankungen sind – auch posttraumatische Belastungsstörungen. Ousmane erkannte darin die Krankheit seiner Frau. Und er begriff: Ihr konnte geholfen werden.
Schon am nächsten Tag ging das Ehepaar ins psychiatrische Zentrum von SAULER. Zwölf Monate verbrachte Adjaratou Gadiaga dort. Ihr Mann besuchte sie regelmässig – er war ihr Anker.
«Eine psychische Erkrankung zieht häufig den sozialen Tod mit sich»
Im Norden Burkina Fasos, in Ouahigouya, betreibt der CBM-Partner SAULER das einzige psychiatrische Zentrum für Menschen mit psychischen Leiden weit und breit.
«Das Zentrum nimmt Menschen mit psychischen Erkrankungen auf, die in einer akuten Krise oder obdachlos sind», erläutert dessen Leiter Adama Ouédraogo. «Es bietet Sicherheit, Betreuung, Hygiene, Ernährung und medikamentöse Behandlung. Haben sich die Betroffenen nach Monaten stabilisiert, beginnt eine Wiedereingliederung. Dabei vermitteln wir zwischen ihnen und ihren Familien, weil sich im Verlaufe der Erkrankung häufig seelische Verletzungen ergeben haben.»
Denn eine psychische Erkrankung bedeutet in der Region oft mehr als das Leiden selbst. «Eine psychische Erkrankung zieht häufig den sozialen Tod mit sich», weiss Adama Ouédraogo. «Betroffene werden geächtet und ausgeschlossen. Vorstellungen von Fluch, Hexerei oder einer göttlichen Strafe gehen um.»
Eine glückliche, erfolgreiche Frau.
Als Adjaratou aus dem Zentrum zurückkehrte, wurde sie von ihrem Mann und den Kindern freudig empfangen. Die Nachbarn hingegen beobachteten sie noch immer misstrauisch und hielten sie für krank.
Doch SAULER liess sie nicht allein. Adjaratou wurde in Seifenproduktion, Gemüseanbau und Kleintierhaltung ausgebildet. Danach erhielt sie eine Ziege samt Bock, Futtertrog, Tränke, Reis und Seife.
Eine glückliche, erfolgreiche Frau vor Augen, änderten auch die Nachbarn ihre Sicht. Sie banden Adjaratou wieder in die Gemeinschaft ein.
Dank Menschen wie Ihnen kommt psychologische Hilfe bis in die Dörfer Burkina Fasos – und gibt Menschen wie Adjaratou ihr Leben und ihre Würde zurück.
Verlorene fassen wieder Fuss
Nach dem Austritt aus dem Zentrum begleitet der CBM-Partner SAULER die Betroffenen im Projekt Yelen («Licht») weiter. Ihre Spende ermöglicht:
Zugang zu Medikamenten sicherstellen
Eingliederung in die Familie und die Dorfgemeinschaft
Selbständigkeit durch Kurse und Starthilfen wie Ziegen, Saatgut und Material
Falsche Vorstellungen verdrängen – etwa von Verhexung oder verordnetem Schicksal –, indem Autoritäten und Bevölkerung sensibilisiert werden
Ausbildung von lokalem Gesundheitspersonal und Autoritäten, damit psychische Erkrankungen rechtzeitig erkannt werden
So wirkt die CBM in Burkina Faso
In Ouahigouya betreibt der CBM-Partner SAULER das einzige psychiatrische Zentrum der Region. Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten dort:
Sicherheit und Betreuung in akuten Krisen
Hygiene, Ernährung und medikamentöse Behandlung
Stabilisierung über mehrere Monate
Wiedereingliederung in Familie und Gesellschaft, begleitet durch Vermittlung bei seelischen Verletzungen

Inhalt teilen
Inhalt drucken
Seite drucken