Burkina Faso nicht zurücklassen
Burkina Faso befindet sich in einer tiefen Krise: die anhaltende Kombination aus Gewalt, Vertreibung und Dürren trifft Menschen mit Behinderungen besonders stark. Wie die CBM seit 20 Jahren den Zugang zu Gesundheitsversorgung, humanitärer Hilfe und wirtschaftlicher Teilhabe ermöglicht, erläutert Seraina Pfister, Projektkoordinatorin der CBM Schweiz.
Wie ist die Lage von Menschen mit Behinderungen in Burkina Faso?
Menschen mit Behinderungen gehören zu den am stärksten ausgegrenzten Gruppen. Viele haben kaum Zugang zu Gesundheitsversorgung, Arbeit, Schule und Krediten. Besonders auf dem Land fehlen oft grundlegende Dienstleistungen. Hinzu kommen Stigmatisierung, Diskriminierung und tief verwurzelte Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen.
Welchen Einfluss haben die aktuelle Sicherheitskrise und Dürren auf sie und die Bevölkerung?
Burkina Faso erlebt seit Jahren eine Mehrfachkrise aus Gewalt, Vertreibung, Armut und Klimaschocks. 2025 waren rund 6 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen und über 2 Millionen wurden intern vertrieben. Gleichzeitig verschärfen wiederkehrende Dürren die Ernährungsunsicherheit und zerstören Lebensgrundlagen. Menschen mit Behinderungen trifft diese Krise noch härter. Sie haben oft grössere Schwierigkeiten zu fliehen oder sich selbst zu versorgen. Humanitäre Hilfsangebote sind zudem häufig nicht barrierefrei: Verteilpunkte liegen zu weit entfernt, Warteschlangen sind lang, Informationen nicht zugänglich und notwendige Hilfsmittel fehlen.
Was macht die CBM, um darauf zu reagieren?
Die CBM verbindet Nothilfe mit langfristiger Unterstützung. Gemeinsam mit lokalen Partnern verbessern wir den Zugang zu Gesundheitsversorgung, psychosozialer Unterstützung und wirtschaftlicher Teilhabe. So schafft man die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Gleichzeitig stärkt die CBM Organisationen von Menschen mit Behinderungen, damit sie ihre Interessen selbst vertreten können. Denn nur wenn sie einbezogen sind, werden Angebote wirklich zugänglich und wirksam.
Was hat die CBM in den letzten 20 Jahren erreicht?
In den letzten 20 Jahren wurden Angebote Schritt für Schritt aufgebaut und erweitert.
Mehr Menschen haben heute Zugang zu Gesundheitsversorgung, Unterstützung bei psychischen Erkrankungen und Rehabilitation. Gleichzeitig wurden lokale Fachkräfte ausgebildet, sodass Leistungen vor Ort verfügbar sind. Für Menschen mit Behinderungen haben sich zudem die Möglichkeiten verbessert, ihren Lebensunterhalt selbst zu sichern und unabhängig zu leben. Ein wichtiger Fortschritt ist, dass sie heute stärker einbezogen werden und ihre Interessen zunehmend selbst vertreten.
Gab es eine Begegnung oder Situation, die dich besonders beeindruckt hat?
Während meines Besuchs in Burkina Faso ist mir eine Begegnung besonders geblieben. Ich habe Emilienne Konseibo kennengelernt, eine gehörlose Frau. Emilienne wurde aufgrund ihrer Gehörlosigkeit von ihrem Mann verlassen und ist seither allein für sich und ihre zwei Kinder verantwortlich. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage hat sie nie aufgegeben. Dank der Unterstützung durch das Projekt konnte sie ihre Lebenssituation Schritt für Schritt verbessern. Sie erhielt unter anderem Kochutensilien, Stühle und einen Schubkarren. Damit hat sie vor ihrem Haus einen kleinen Verkaufsstand aufgebaut. Heute bereitet sie Mahlzeiten zu und verkauft diese in ihrer Nachbarschaft – eine wichtige Einkommensquelle, die es ihr ermöglicht, für ihre Kinder zu sorgen und ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, insbesondere indem sie ihnen den Schulbesuch ermöglicht. Ihre Geschichte hat mich beeindruckt und gezeigt, wie viel Mut und Entschlossenheit in einzelnen Menschen steckt und welche konkrete Wirkung solche Projekte im Leben der Betroffenen haben können.
Welche Ziele gibt es für die nächsten fünf Jahre?
In den nächsten Jahren sollen inklusive Ansätze dauerhaft verankert und mehr Menschen erreicht werden. Im Fokus stehen der Ausbau der Gesundheitsversorgung, insbesondere in der psychischen und augenmedizinischen Versorgung, eine stärkere Einbindung in die humanitäre Hilfe sowie wirtschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig sollen Schutzmechanismen gestärkt und Menschen mit Behinderungen stärker in Entscheidungen einbezogen werden, um Ausgrenzung und Armut langfristig zu überwinden.
Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen?
Wo Programme gemeinsam mit staatlichen Stellen entwickelt werden, erhöht das ihre Anschlussfähigkeit an nationale Strategien und ihre Chance auf nachhaltige Wirkung. Sie können besser in bestehende Systeme integriert werden und erreichen so mehr Menschen. Gleichzeitig trägt die Zusammenarbeit dazu bei, Verantwortung vor Ort zu verankern und Strukturen langfristig zu stärken, statt Parallelangebote aufzubauen.

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