«Blandine soll ihre Schwestern sehen»
Blandine ist äusserst tapfer. Das 13-jährige Mädchen befolgt die Anweisungen des Pflege- und Operationspersonals ruhig und ohne zu zögern. Sie weiss: Es geht um ihr Augenlicht und um ihre Zukunft.
Blandine fiel letztes Jahr plötzlich hin. «Ich sehe nicht mehr gut», klagte sie. Bald konnte sie nur noch Hell und Dunkel unterscheiden. Die meiste Zeit über sass sie fortan vor dem elterlichen Lehmhäuschen im kleinen Dorf in Burkina Faso. Lauschte, wie sich Erwachsene und Jugendliche zum Feld aufmachten, die Alten plauderten und die Kinder spielten. Täglich verbrachte Blandine lange, einsame Stunden.
Ohne Begleitung fand sich Blandine nicht mehr zurecht. Die Familie kümmerte sich liebevoll um sie, brachte ihr zu essen, zu trinken, führte sie im Dorf da- und dorthin. Die Eltern besuchten mit Blandine zunächst den traditionellen Heiler und darauf den Marabout, den muslimischen. Erfolglos. Nun konsultierten sie einen Arzt im Regionalspital. Dessen Befund: Eine Operation könnte Blandines Sehkraft wiederherstellen. Doch die war für die Familie völlig unerschwinglich – ein schwerer Schlag.
Das ganze Dorf ging respektvoll mit Blandine um. Bei der Feldarbeit sorgte man sich, ob ihr derweil zu Hause etwas zustossen könnte. Durch das Betreuen von Blandine mussten die Eltern dennoch Arbeiten liegenlassen. Das verringerte den Ertrag an Hirse und Tomaten, was das bereits karge Einkommen schmälerte. «Blandine soll wieder sein wie die anderen Kinder», sehnte sich ihr Vater. Die Mutter wünschte sich, «dass unsere Tochter ihre vier Schwestern wieder sieht.» Blandine hatte die mittlerweile einjährige Odette noch nie mit eigenen Augen gesehen. Über seinen Schwager erfuhr Blandines Vater schliesslich von der CBM-geförderten Augenklinik in Nouna. Dort sei eine Bekannte geheilt worden, die für eine Operation ebenfalls kein Geld gehabt habe.
Blandine ist aufgrund des Grauen Stars erblindet. Am 30. Januar ersetzt der einheimische Augenchirurg Dr. Diarra die völlig trübe Linse des einen Auges erfolgreich durch eine künstliche. Das zweite Auge folgt zwei Monate später, wenn die Wunde verheilt und das Sehvermögen sich völlig wiederaufgebaut hat. Bereits nach zwei Tagen sieht Blandine mit dem operierten Auge wieder klar und deutlich! Auch ihr Tatendrang ist zurück: «Ich freue mich schon darauf, wieder die Tiere in unserem Dorf zu füttern!» Kaum zu Hause, wird sie sogleich von ihrer Mutter gefragt «Siehst du mich?» «Ja!» Tief berührt doppelt ihr Vater nach: «Ich habe es kaum glauben können, dass sie mich wieder sieht!» Derweil betrachtet Blandine bewegt ihre kleine Schwester, die in ihrem Arm zu ihr hochlächelt. «Wir sind überglücklich», strahlen die Eltern. «Wir danken der CBM von ganzem Herzen!»

Inhalt teilen
Inhalt drucken
Seite drucken