Psychische Gesundheit: Riesige Versorgungslücke in Armutsgebieten

4. Oktober 2017

Nach einer schweren Schwangerschaft und Geburt begann Aischa aus Burkina Faso unter chronischen Schlafstörungen zu leiden und entwickelte eine bipolare Störung. Über den CBM-geförderten gemeindenahen Dienst erhält sie heute Medikamente und Beratung. 
Nach einer schweren Schwangerschaft und Geburt begann Aischa aus Burkina Faso unter chronischen Schlafstörungen zu leiden und entwickelte eine bipolare Störung. Über den CBM-geförderten gemeindenahen Dienst erhält sie heute Medikamente und Beratung. 

Fachpersonen sprechen von einem weltweiten Gesundheitsskandal: 90 Prozent der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen erhalten in Armutsgebieten keine Behandlung. Zum Internationalen Tag der psychischen Gesundheit vom 10. Oktober 2017 fordert die CBM Christoffel Blindenmission, das Engagement für psychische Gesundheit zu intensivieren. Und zeigt, wie eine Schweizer Psychiaterin in Burkina Faso die psychosoziale Hilfe massgebend fördert.

Depression wird laut der Weltvereinigung für psychische Gesundheit (World Federation for Mental Health, WFMH) 2030 die häufigste Krankheit der Welt sein, sofern nicht rasch gehandelt würde. Grund für die drohende Krankheitslast durch Depressionen und andere psychische Beeinträchtigungen ist auch die immense Versorgungslücke, die aktuell besteht: Gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden zwei Drittel der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nicht behandelt – in Armutsländern sind es sogar bis zu 90 Prozent. Fachpersonen sprechen daher von einem globalen Gesundheitsskandal. 

Dringender Nachholbedarf im Bereich Mental Health

Deshalb verabschiedete die WHO 2013 einen Mental Health Action Plan, den sämtliche Mitgliedsstaaten mittragen. Der Aktionsplan beinhaltet vier globale Ziele: Bis 2020 sollen 80 Prozent der Länder nationale Gesundheitspläne für Mental Health entwickeln. Die psychosoziale Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schweren psychischen Beeinträchtigungen soll mittels gemeindenaher Programme um 20 Prozent erhöht werden. Jeder Staat muss im Minimum zwei staatliche Präventionsprogramme initiieren. Und schliesslich sollen die Mitgliedsstaaten alle zwei Jahre einen Fortschrittsbericht vorlegen. Diese Ziele sind ambitioniert, doch angesichts der alarmierenden Lage dringend nötig.

Nachholbedarf gibt es aber auch anderswo: Ein Forscherteam befragte die Regierungen von Geberländern innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit und fand heraus, dass weniger als ein Prozent der Summe, welche die Geberländer jährlich für Gesundheit zur Verfügung stellen, in den Mental-Health-Bereich fliesst. Hinzu kommt, dass Regierungen armer Länder nur knapp ein Prozent ihres Gesundheitsbudgets für die Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen ausgeben – verglichen mit sechs bis zwölf Prozent in Europa und Nordamerika. 

Vor diesem Hintergrund fordert die CBM Christoffel Blindenmission zum Internationalen Tag der psychischen Gesundheit vom 10. Oktober 2017, das weltweite Engagement für psychische Gesundheit zu intensivieren.

Thuner Psychiaterin fördert psychosoziale Hilfe in Burkina Faso

Die CBM Schweiz selbst setzt sich bereits seit sieben Jahren im Bereich Mental Health ein: zum Beispiel in Burkina Faso, einem Schwerpunktland der CBM Schweiz. Massgebend dazu beigetragen hat die Schweizer Psychiaterin Dr. Manuela Wälchli, die für die CBM seit 2010 Kurzeinsätze im westafrikanischen Land leistet und hierbei einheimisches Personal weiterbildet und berät. Besonders in der Ausbildung von Psychiatriepflegenden hat sich die Thunerin engagiert. Denn: «In vielen Ländern des frankophonen Westafrikas übernimmt ein Psychiatriepfleger Aufgaben wie in der Schweiz ein Psychiater. Dies deshalb, weil die allermeisten Psychiater in dieser Region, in Burkina Faso sind es nur gerade rund zehn, in den grossen Städten arbeiten», erklärt Wälchli.

Projekt für Obdachlose mit psychischen Beeinträchtigungen

Ein neues Projekt, für Obdachlose, hat 2016 im Norden von Burkina Faso begonnen – ebenfalls dank der Unterstützung von Wälchli. Das multidisziplinäre Projekt soll die Lebensqualität von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die auf der Strasse leben, nachhaltig verbessern. 

«Psychisch Erkrankte werden in vielen Ländern Afrikas oft von der Familie ausgeschlossen. Sie leben irgendwo auf der Strasse und sind Gewalt ausgesetzt», berichtet Wälchli. Geld für die Behandlung haben sie nicht. Und ein Spital nehme sie nicht auf, weil sie keine Begleitperson für das Kochen und die Pflege mitbrächten. «Diesen Obdachlosen stellen wir nun Mitarbeitende unseres Partners zur Seite, die mit ihnen ins Spital gehen. Sie sorgen für das Essen, die Körperpflege und das Begleichen der Behandlungskosten. Dadurch erreichen die obdachlosen Menschen einen stabilen Zustand», so Wälchli. Auch beim Gang zu Sozialbehörden werden die Betroffenen begleitet und unterstützt.

Ebenfalls zum Projekt gehören Sensibilisierungskampagnen, politische Arbeit und Weiterbildungen von Mitarbeitenden von Behörden, Gesundheitshelfenden sowie von Polizistinnen und Polizisten. All dies mit dem Ziel, für die Anliegen und Behandlung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen aufmerksam zu machen. Wälchli betont: «So möchten wir dazu beitragen, das Schattendasein zu beenden, das die psychiatrische Hilfe in vielen Armutsländern fristet.»


Über die CBM Christoffel Blindenmission

Die CBM Christoffel Blindenmission (www.cbmswiss.ch) ist eine unabhängige, christliche Entwicklungsorganisation und weltweit in Entwicklungsgebieten tätig. Seit über 100 Jahren hilft die CBM blinden und anders behinderten Menschen – ohne Ansehen von Nation, Ethnie, Geschlecht oder Religion. Die elf Ländervereine der CBM fördern gut 600 Entwicklungsprojekte in rund 50 Ländern. Die CBM ermöglicht das Verhüten und Heilen von Blindheit sowie anderen Behinderungen und bildet einheimische Fachkräfte aus. Die CBM ist von der ZEWO anerkannt, führt das Gütesiegel und ist Partnerorganisation der Glückskette.

Auskünfte und Kontakt für Interviewanfragen an Dr. Manuela Wälchli

Bis 04.10.2017:
Michael Schlickenrieder
Fachverantwortlicher Medien und Online
Tel. 044 275 21 65
michael.schlickenrieder@STOP-SPAM.cbmswiss.ch

Ab 05.10.2017:
Jennifer Morf
Verantwortliche Administration
Tel 044 275 21 71
jennifer.morf@STOP-SPAM.cbmswiss.ch

Hinweis für Interviewanfragen
Da Manuela Wälchli vom 9. Oktober bis 13. November auf einem mehrwöchigen Auslandaufenthalt ist, sind Interviews mit ihr leider nur vorher oder nachher möglich.

Inhalt teilen

Logo CBM Christoffel Blindenmission, zur Startseite

CBM Christoffel Blindenmission
Schützenstrasse 7
8800 Thalwil
Tel. 044 275 21 71
info@STOP-SPAM.cbmswiss.ch

Spendenkonto

80-303030-1 | IBAN CH41 0900 0000 8030 3030 1