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Psychische Gesundheit: Riesige Versorgungslücke in Armutsgebieten

8. Oktober 2019

In Armutsgebieten bleiben vier von fünf Menschen mit psychischen Behinderungen ohne Behandlung. Fachpersonen sprechen von einem weltweiten Gesundheitsskandal. Zum Internationalen Tag der psychischen Gesundheit vom 10. Oktober 2019 fordert die CBM Christoffel Blindenmission daher, das Engagement für psychische Gesundheit zu intensivieren.

Portrait eines Mannes mit psychischer Behinderung aus Burkina Faso
Als Adamé Ouédraogo aus Burkina Faso eine psychische Erkrankung erlitten hatte, war seine Familie mit der Situation völlig überfordert. So verbrachte er 22 Jahre angekettet. Heute geht es Adamé Ouédraogo wieder gut, dank der Unterstützung durch den CBM-Partner SAULER.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht jede vierte Person irgendwann im Leben eine psychische Erkrankung durch. Geschätzte acht Prozent der Menschen leben mit einer Depression, Angststörung, Psychose oder Schizophrenie. Die Tendenz ist gemäss der WHO steigend. Weiteren Schätzungen zu Folge sterben jährlich eine Million Menschen infolge eines Suizids. 

Die internationale Gemeinschaft hat sich in den vergangenen Jahren dem Thema denn auch verstärkt angenommen: Das 2008 in Kraft getretene Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet eine Grundlage, auf der Menschen mit psychischen Behinderungen ihre Rechte einfordern können. Die WHO entwickelte im selben Jahr den mhGAP-Leitfaden. Dieser Leitfaden soll nicht-spezialisierte Personen darin unterstützen, psychische Krankheitsbilder zu erkennen und einzuordnen, um anschliessend eine Weiterverweisung vorzunehmen. Auch die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung enthält in einigen ihrer Unterziele Hinweise auf die psychische Gesundheit und das Wohlergehen von Menschen. 

Lage noch immer gravierend

Trotz dieser Bemühungen ist die Situation für Menschen mit psychischen Behinderungen vielerorts nach wie vor alarmierend. In Armutsgebieten bleiben gemäss der WHO im Durchschnitt 80 Prozent der Menschen mit psychischen Behinderungen ohne jegliche Behandlung. Dieser traurige Fakt findet seine Ursache in den vielerorts fehlenden Fachpersonen: Nach Angaben der WHO leben mehr als 45 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen auf 100’000 Menschen nicht einmal eine Psychiaterin oder ein Psychiater kommt. «Neben dem Mangel an Fachpersonen ist in Armutsgebieten auch die Qualität der Behandlungen für Menschen mit psychischen Behinderungen häufig unzureichend. Engpässe bei der Verfügbarkeit von Medikamenten sind häufig, teils fehlen sie gänzlich», erklärt Mark Schmid, Leiter Internationale Programme bei der CBM Schweiz.

Vor diesem Hintergrund fordert die CBM Christoffel Blindenmission zum Internationalen Tag der psychischen Gesundheit vom 10. Oktober 2019, das weltweite Engagement für psychische Gesundheit zu intensivieren: sowohl seitens der Geberländer innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit als auch seitens der Regierungen in Entwicklungsländern.

Gemeindenahe Dienste sind entscheidend

Psychische Gesundheit ist einer der Arbeitsschwerpunkte der CBM. Sie ermöglicht die aufsuchende Sozialhilfe sowie psychiatrische Dienste durch örtliches Gesundheitspersonal. Die CBM finanziert dessen Ausbildung und unterstützt die Verbesserung des Früherkennungs- und Überweisungssystems, fungiert hier auch als eine der implementierenden Partnerinnen des mhGAP-Leitfadens der WHO und beteiligt sich aktiv an dessen Übersetzung und Verbreitung.

Zurzeit fördert die CBM Schweiz die psychische Gesundheit unter anderem in Burkina Faso: Zusammen mit ihrem lokalen Partner SAULER führt sie ein Projekt, das die Lebensqualität von Menschen mit psychischen Behinderungen, die auf der Strasse leben, nachhaltig verbessert. Dazu gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen SAULER, der psychiatrischen Abteilung des regionalen Universitätsspitals, dem Wohlfahrtsministerium, der Polizei, der Zivilgesellschaft sowie den betroffenen Personen und ihrem sozialen Umfeld. «So sollen Menschen mit psychischen Behinderungen in ihrem Wiedereingliederungsprozess ganzheitlich begleitet und das Gesundheitssystem insgesamt gestärkt werden. Durch Sensibilisierungskampagnen und politische Arbeit machen unsere Partner und Selbstbetroffene zudem auf die Rechte von Menschen mit psychischen Behinderungen aufmerksam. Und bekämpfen so auch die noch immer starke Stigmatisierung ihnen gegenüber», fasst Denis Hofer, Programmverantwortlicher Burkina Faso bei der CBM Schweiz, zusammen.

Wieder frei und gesund

«Endlich bin ich wieder ein Mensch», freut sich Amadé Ouédraogo. Dank der Unterstützung von SAULER wurde er zunächst im Spital medikamentös behandelt, danach stabilisierte er sich im Zentrum für Menschen mit psychischen Behinderungen, das von SAULER geführt wird. Dort lernte er, den Alltag wieder zu bewältigen und selbstständig zu leben. Heute ist der 65-Jährige zurück bei seiner Familie, wird medizinisch versorgt und regelmässig von Mitarbeitenden des Zentrums besucht. Die 22 Jahre vor seiner Behandlung verbrachte er angekettet. Seine Familie war mit der Situation völlig überfordert. Amadé Ouédraogo erkrankte, als er einst wegen des Todes seines Vaters seine Arbeit als Kakaobauer in der Elfenbeinküste aufgegeben hatte und heimgekehrt war. Weshalb er erkrankte, weiss weder er noch sonst jemand. Eine psychiatrische oder psychologische Fachperson gab es damals noch nicht für arme Familien.

 

Über die CBM
Die CBM Christoffel Blindenmission ist eine international tätige, christliche Entwicklungsorganisation und fördert Menschen mit Behinderungen in Armutsgebieten. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die CBM als Fachorganisation anerkannt. Sie erbringt Entwicklungs- sowie Nothilfe und ermöglicht, dass Behinderungen vorgebeugt sowie Menschen mit Behinderungen medizinisch betreut und integrativ gefördert werden. Ihr Ziel ist eine inklusive Gesellschaft, in der niemand zurückgelassen wird und Menschen mit Behinderungen eine verbesserte Lebensqualität haben. Die CBM Schweiz führt das ZEWO-Gütesiegel und ist Partnerorganisation der Glückskette.

Kontakt
Michael Schlickenrieder
Fachverantwortlicher Medien und Online
Tel. 044 275 21 65
michael.schlickenrieder@STOP-SPAM.cbmswiss.ch

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