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Mitten im Leben: psychische Gesundheit


Die CBM fördert das Wohl von Menschen mit psychischer Erkrankung oder psychosozialer Behinderung umfassend. Mit ihren lokalen Partnern bringt sie die psychiatrische Versorgung in entlegene und von Armut geprägte Regionen.

«Ich fühle mich viel besser als vor sieben Jahren», freut sich Flor de Luna Reyes aus den Philippinen. «Ich nehme wahr, wie es meinem Mann und unseren beiden Kindern geht, und ich verrichte meine Arbeiten daheim und in meinem kleinen Laden.» Vom CBM-geförderten Partner NORFI erhält Flor de Luna Reyes aufgrund einer Psychose regelmässig Psychotherapie und Medikamente. Zuvor war sie völlig abwesend und vernahm dauernd quälende innere Stimmen. Diese sind mittlerweile nur noch schwach vernehmbar und unter Kontrolle.

Seit 15 Jahren engagiert sich die CBM für psychische Gesundheit. In dieser Zeit hat sich einiges verändert. Früher wurde meist ohne Mitbestimmung der betroffenen Menschen mittels Einweisung in eine Klinik, Absonderung oder gar Zwang behandelt. Wer psychisch erkrankte – ob an Schizophrenie, Psychose, Depression oder Ängsten – war gesellschaftlich ausgeschlossen. Das hat sich besonders seit der UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) im Jahr 2006 zu wandeln begonnen. In ihr sind erstmals die Rechte von Menschen mit Behinderungen ausführlich und verbindlich festgeschrieben. Den Prinzipien der UNO-BRK entsprechend haben sich für die Praxis der CBM folgende Prioritäten herausgeschält:

Die CBM arbeitet zusammen mit Menschen mit psychischer Behinderung daran, Stigmata ab- und Wissen aufzubauen. Die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen werden ebenso gestärkt wie lokale Leistungserbringer, vom Gesundheitshelfer bis zur Seelsorgerin. Dies geschieht mittels Selbsthilfegruppen, Trainings in psychosozialer Erster Hilfe und nicht zuletzt durch Kurse zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen.

Selbsthilfegruppen

«Kein falsches Lächeln, keine Verstellung – einfach nur Aufrichtigkeit und gegenseitige Unterstützung», umreisst eine Teilnehmerin ihr Erleben in ihrer Selbsthilfegruppe. «Es ist die befreiendste Erfahrung, die ich je gemacht habe.»

Selbsthilfegruppen werden geleitet von dafür ausgebildeten Personen, die eigene Erfahrungen mit psychischen Problemen mitbringen. Die Teilnehmenden tauschen Erfahrungen aus, zeigen Verständnis, ermutigen und beraten einander. «Die Teilnehmenden sind zuversichtlich und fühlen, dass sie mit der jeweiligen psychischen Erkrankung nicht allein sind», schildert eine Gruppenleiterin aus Indien. «Die Gruppe bildet eine Brücke von den Einzelnen zu den medizinischen Fachkräften. Es ist eine befriedigende Aufgabe und ich selbst erhalte Ideen, um mit meiner eigenen Situation zurechtzukommen.»

Simeon Esteban war Fischer, bis sich bei ihm nach dem Taifun Haiyan eine Schizophrenie entwickelte. Unter Kontrolle brachte er sie mit dem CBM-Partner World Association for Psychosocial Rehabilitation (WAPR). Dieser organisierte auch sein Velotaxi: «Vorher hing ich ganz von meiner Mutter ab. Ich bin sehr glücklich, endlich wieder mein eigenes Geld zu verdienen.» Eingebettet in sein Umfeld hat Simeon Esteban Stabilität sowie neuen Lebenssinn und -perspektiven gewonnen.

Mit guter Verständigung zu passgenauen Lösungen

Damit psychiatrisch-psychologische Hilfe bereits am Wohnort erfolgt, treffen sich alle beteiligten Gruppen in Community-Mental-Health-Foren: Menschen mit psychosozialen Behinderungen, Fachkräfte in psychischer Gesundheit sowie lokale Autoritäten wie Seelsorgende, Lehrkräfte, traditionelle Heilerinnen und Heiler sowie Verantwortliche von Justizbehörden. Ein einzelnes Treffen dauert bis zu drei Tage. Man widmet sich den Ursachen psychischer Erkrankungen, der würdevollen Überweisung und Behandlung, den medizinischen Möglichkeiten und der Aufklärung der Bevölkerung. Gemeinsam werden Stigmatisierungen abgebaut sowie regionale Gesundheitsdienste vernetzt und gestärkt.

«Die Menschen suchen oft traditionelle Heiler auf. Bei psychischen Erkrankungen befürchten sie meist, es sei Hexerei im Spiel», erläutert David Petro, Heiler in Malawi. «Mit dem Wissen, das mir das Forum vermittelt hat, erkläre ich ihnen nun die Ursachen von psychischen Erkrankungen. Ich kann sie nun weiterleiten an Gesundheitszentren, Kliniken oder Seelsorger.»

Einander ermächtigen

Wer psychisch erkrankt, kann oft vorläufig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten. Selbstwert und soziale Kontakte leiden. «Ich benötigte jemanden, der mir half, mich durch meinen Beruf zu navigieren», schildert Elizabeth Ombati, Journalistin in Kenia. Mit Medikamenten und sparsamen sozialen Kontakten kann sie mit ihrer psychosozialen Behinderung gut leben. «Heute bin ich schon seit vier Jahren in fester Anstellung», freut sie sich. Entscheidend half ihr dabei die Selbsthilfegruppe: «Wir gehen gemeinsam unseren Weg und ermutigen einander: Geh zu deinem Chef und erkläre ihm, welche Anpassungen du am Arbeitsplatz brauchst.» Dafür sei es unerlässlich, die eigenen Rechte zu kennen: «Dank der UNO-Behindertenrechtskonvention merke ich, dass ich in Wirklichkeit nicht einfach eine lebenslange Patientin bin. Sondern Inhaberin von Rechten, damit auch ich meinen Lebensunterhalt verdienen kann.»

Damit Menschen mit psychosozialen Behinderungen ihre Rechte kennen, bildet die CBM unter ihnen Schulungspersonen aus. Diese erläutern ihren lokalen Gruppen die UNO-BRK und das Motto der nachhaltigen Entwicklungsziele 2030: niemanden zurücklassen. «Zuallererst», so Elizabeth Ombati, «muss uns bewusst sein, dass es tatsächlich solche Rechte für uns gibt. Diese Ermächtigung ist grundlegend auf dem Weg zu einer gerechten und inklusiven Gesellschaft.» Die Schulungspersonen, die selbst mit psychosozialer Behinderung leben, kennen sich persönlich aus den Kursen: «Diese Kurse haben mein Leben verändert. Vor vier Jahren habe ich erstmals vor Publikum die UNO-BRK und die nachhaltigen Entwicklungsziele erläutert. Die Zuversicht und das Selbstvertrauen aus den Schulungen sind überragend. Gemeinsam den Weg zu gehen, bedeutet mir ungeheuer viel», sagt sie mit Freudentränen.

Gemeindenahe psychische Gesundheit als Netz

Um Menschen mit psychosozialer Behinderung die Teilhabe am wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben zu gewährleisten, braucht es eine rasche, niederschwellige, nahe und würdevolle Hilfe. Diese leisten zu können erfordert ein gut vernetztes System:

  • Selbsthilfegruppen und -organisationen
  • Betroffene Menschen und lokale Autoritäten
  • Regelmässige Aufklärung wie Anti-Stigma-Kampagnen
  • Verlässliche psychiatrische Dienste
  • Lokale Erstversorgung, die vernetzt ist mit Kliniken und Reha-Zentren
  • Gut ausgebildete Fachkräfte
  • Ausgebildetes lokales Gesundheitspersonal
  • Zugang zu erschwinglichen Medikamenten
  • Sichergestellte Finanzierung
  • Klare Leitung und Strategie
  • Wissenschaftliche Überprüfung und Verbesserung des Systems

Quellen: CBM, Community Mental Health Good Practice Guides, 2021. Interview Elizabeth Ombati, Bridge Training Users and Survivors of Psychiatry, 2018.

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